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So läuft die Ausbildung zum Automobilkaufmann im Autohaus Bremer in Celle

16:10 18.11.2020
Der Auszubildende Hannes Weber verkauft im Autohaus Bremer auch Kompletträder.  Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle

„Eigentlich ist hier kein Tag wie der andere“, beurteilt Hannes Weber seine Arbeit als Auszubildender im Autohaus Bremer. Sein Berufsziel: Automobilkaufmann. Als er sich am Hermann-Billung-Gymnasium entschloss, seine schulische Laufbahn mit dem erweiterten Realschulabschluss zu beenden, empfahlen ihm auch seine Eltern eine Berufsausbildung: „Ich hatte keine Lust mehr auf Schule“, sagt Hannes Weber. Für ihn stand früh fest, dass er keinen handwerklichen Beruf ausüben möchte, sondern eher etwas Kaufmännisches: „Ich hatte erst überlegt, ob ich Büro- oder Immobilienkaufmann lernen sollte, hab mich dann aber für den Automobilkaufmann entschieden“, sagt der 20-Jährige. Nach seinen Informationen und Einschätzungen seien die anderen Berufe sehr bürolastig, und das störte ihn. „Ich wollte in einem regionalen, kleinen Betrieb mit möglichst vielen Kundenkontakten arbeiten, und hier hat es gepasst.“

Hannes Weber betreut Disposition in Celler Autohaus

Jetzt ist er dafür zuständig, dass morgens die Waren- und Teilelieferungen ausgepackt, geprüft und einsortiert werden. Er betreut die Disposition, ist im Service am Tresen und kümmert sich um die Kundenwünsche. „Gestern zum Beispiel hatten wir sehr viele Reifenwechsel, da war ganz schön was los.“ Und zwischendurch mal die Uhr im Auto des Kunden umstellen oder das Handy mit dem Fahrzeug verbinden. Oder auch mal rasch den Scheibenwischer auswechseln. Genau das ist es, was Weber begeistert: die Arbeiten und Beratungsgespräche rund ums Auto. Er hat sich ohnehin schon als Schüler sehr für Autos und deren Entwicklung interessiert. „Mein Interesse an neuen und alten Autos wurde immer stärker, und zwar in jeglicher Hinsicht.“ Schon vor der Ausbildung las er sehr viele Fachzeitschriften.

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Der Auszubildende Hannes Weber beim Teileverkauf. Quelle: Lothar H. Bluhm

„Das ist wie eine große Familie"

„Die Schule war keine richtige Herausforderung für mich, hat mir nicht richtig Spaß gemacht“, blickt Weber zurück. „Hier im Betrieb habe ich herausgefunden, was ich kann und was nicht, wo meine Stärken liegen.“ Die Vielseitigkeit, ein angenehmes Umfeld, in dem jeder jeden Einzelnen kennt, und das Verhältnis zueinander seien ganz toll. „Das ist wie eine große Familie, und alle, die hier arbeiten, haben Bock drauf“, stellt Weber fest und findet seine Entscheidung zur Ausbildung richtig.

Geschäftsführer und Ausbilder Jan Bremer lobt Azubi

„Das war eher ein Zufall“, sagt Geschäftsführer und Ausbilder Jan Bremer, „ein glücklicher Zufall“. Denn eigentlich war der eine Ausbildungsplatz, der zur Verfügung steht, bereits besetzt. Weil aber der Kandidat abgesagt hatte, war die Stelle wieder frei, und da kam Webers Bewerbung gerade recht. „Wir haben immer so um die 20 Bewerbungen um den einen Ausbildungsplatz im kaufmännischen Bereich“, so Bremer. Es sei nicht immer ganz einfach, im Vorfeld festzustellen, ob die Zusammenarbeit klappen wird oder nicht, „ob es passt“.

So viele Mitarbeiter hat das Autohaus Bremer

Insgesamt sind sieben Mitarbeiter plus die Auszubildenden in dem Autohaus beschäftigt. „Ich brauche die Fachkräfte, deshalb soll die Ausbildung auch möglichst gut laufen“, steht für den Kfz-Meister und Betriebswirt Bremer fest. „Hier kann Hannes lernen, wie man mit unterschiedlichen Situationen umgeht – hier ist Flexibilität gefragt. Das klappt nicht mit jedem. Das musste auch ich lernen.“

Jan Bremer, Geschäftsführer und Ausbilder im Autohaus Bremer, ist sehr zufrieden mit seinem Azubi. Quelle: Lothar H. Bluhm

Wenn Bremer aber von Kunden Rückmeldungen erhält, dass es ihnen gefallen habe, wie sehr sich „der junge Mann“ um sie bemüht habe und wie er ihnen immer wieder weitere Varianten der Fahrzeuge gezeigt und Vorzüge angeführt habe, dann stellt auch der Chef fest, dass seine Entscheidung richtig war. Egal, ob der Kunde als Kenner zum Fachsimpeln kommt oder als Fragender und nach klaren Antworten sucht: „Wir haben für seine Anliegen immer ein offenes Ohr. Kompetent, engagiert, persönlich. Der Kunde soll mit einem Lächeln den Hof verlassen“, lautet Bremers Devise.

Erfüllung als Automobilkaufmann gefunden

Für die nächsten 20 Jahre möchte Hannes Weber noch keine berufliche Perspektive aufzeigen. Für ihn ist zunächst wichtig, dass ihm die Arbeit Freude macht, dass er viel Kontakt hat und dass er seine Ausbildung gut abschließt. Dann sei auch noch Zeit für Tennis und anderes.

Dem Kunden gut zuzuhören, sehr präzise wahrzunehmen, was er möchte und was er sich wünscht, sei für seine Arbeit sehr wichtig, findet Hannes Weber: „Das ist sehr erfüllend, wenn da was klappt.“

Alle Teile der großen Ausbildungsserie finden Sie hier.

Von Lothar H. Bluhm

Automobilkaufleute

Was macht man in diesem Beruf?

Automobilkaufleute erledigen an der Schnittstelle zwischen Handel und Werkstatt kaufmännische Aufgaben, vor allem in der Beschaffung, im Vertrieb beziehungsweise Verkauf von Kraftfahrzeugen sowie von Teilen und Zubehör. Sie übernehmen die Buchhaltung, Kostenrechnung und Kalkulation sowie sachbearbeitend-organisatorische Aufgaben, zum Beispiel in der Personalwirtschaft. Außerdem beobachten sie die Entwicklungen auf dem Markt und berücksichtigen die so gewonnenen Informationen bei der Planung und Durchführung von Marketingaktionen. Automobilkaufleute organisieren den Kundendienst und nehmen Wartungs- und Reparaturaufträge an. Im Vertrieb beraten sie Privat- und Geschäftskunden über Finanzdienstleistungsprodukte, erstellen Angebote und schließen Finanzierungs-, Kauf-, Leasing- oder Versicherungsverträge ab.

Wo arbeitet man?

Sie finden Beschäftigung
• im Kraftfahrzeug- und Kraftfahrzeugteilehandel (zum Beispiel Autohäuser, Fahrzeugimporteure)
• bei Automobilherstellern.

Arbeitsorte:

Sie arbeiten in erster Linie
• im Verkaufsraum und am Kundendienstschalter
• im Büro, darüber hinaus arbeiten sie ggf. auch im Lager.

Welcher Schulabschluss
wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Industrie- und Handelsbetriebe überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife ein, Handwerksbetriebe wählen vor allem Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss aus.

Anforderungen:

• Kundenorientierung und Kommunikationsfähigkeit (zum Beispiel beim Eingehen auf Kundenfragen und beim Beraten von Kunden)
• Kaufmännisches Denken und Sorgfalt (zum Beispiel bei der Preisgestaltung, beim Berechnen von Finanzierungsangeboten)
• Flexibilität und organisatorische Fähigkeiten (zum Beispiel beim Wechsel von Büroarbeiten zur Kundenberatung, beim Planen und Durchführen von Marketing- und Verkaufsaktionen)
• Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen (zum Beispiel bei Verhandlungen mit Lieferanten)

Schulfächer:

• Mathematik (zum Beispiel für die Erstellung der Kosten- und Leistungsrechnung) • Deutsch (zum Beispiel für Kundenverhandlungen, für die Geschäftskorrespondenz)
• Wirtschaft/Recht (zum Beispiel für Aufgaben im Rechnungswesen, für das Ausarbeiten von Verträgen)

Was verdient man in der
Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:
• 1. Ausbildungsjahr: 755 bis 900 Euro (Handel*), 685 bis 919 Euro (Handwerk*)
• 2. Ausbildungsjahr: 805 bis 1005 Euro (Handel*), 770 bis 981 Euro (Handwerk*)
• 3. Ausbildungsjahr: 935 bis 1150 Euro (Handel*), 790 bis 1084 Euro (Handwerk*)
*je nach Bundesland unterschiedlich

Weitere interessante Porträts von Auszubildenden und ihren
Berufen gibt es unter
www.cellesche-zeitung.de

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