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Celle Stadt So küsst man eine müde City wach
Celle Aus der Stadt Celle Stadt So küsst man eine müde City wach
12:58 13.06.2010
Von Michael Ende
Oldenburgs Konzept für die Innenstadt Fitness für die City
Oldenburgs Konzept für die Innenstadt Fitness für die City Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

„Mit der Angst im Nacken schafft man vieles, was zuvor unmöglich erschien“ – das sagt Oldenburgs Stadtbaurat Frank-Egon Pantel über den Prozess, den er selbst schon seit sechs Jahren begleitet und der seinem Celler Kollegen Matthias Hardinghaus nun ebenfalls bevorsteht: Ein „Fitness-Programm“ für eine City, in der ein modernes Einkaufscenter gebaut werden soll, sei ein komplexes, aber unbedingt notwendiges Unterfangen, so Pantel: „Wir haben die vergangenen knapp sechs Jahre genutzt, um unsere Innenstadt auf den Moment vorzubereiten, in dem das Einkaufscenter öffnet.“

Es gehe darum, eine City in ihrer Gesamtheit auf ein so hohes Niveau zu bringen, damit ein Center nicht isoliert dastehe, so Pantel: „Wir fahren eine Mobilisierungsstrategie, an der viele Akteure teilnehmen.“ Dabei sei der öffentliche Bereich ein Motor für Private: „Wenn sich auf den Straßen und Plätzen etwas Positives tut, dann macht das auch Hausbesitzern und Geschäftsleuten Mut. Wir als Stadt haben Impulse für private Investitionen gegeben – das hat eine gewaltige Mobilisierung privaten Kapitals ausgelöst: So sind in den letzten Jahren mehr als 100 Millionen Euro in die Altstadt geflossen – jedes dritte Grundstück wurde angefasst.“

Wer sich als Stadtplaner im Vorfeld eines Center-Baus befinde, habe eine „Riesenchance“, so Pantel: „Man sollte eine solche Situation als Gelegenheit zur Rundum-Erneuerung begreifen.“ Dabei gehe es längst nicht nur um die Stärkung gewerblicher Interessen – eine City sei mehr: „Ganz wichtig ist der Faktor Wohnen und dass hier Raum für öffentliches leben und Veranstaltungen ist: Eine Innenstadt soll die soziale Mitte der Stadt sein.“

Das sieht Celles Stadtbaurat Matthias Hardinghaus ganz ähnlich: „Ich freue mich, dass die Celler Politik uns jetzt mit der Forderung nach einem Fitness-Programm für die City im positiven Sinne Dampf macht. Das ist eine tolle Sache – damit rennt sie bei uns offenen Türen ein.“ Man wolle bei anderen „abgucken“ und dann einen ganzheitlichen Ansatz finden: „Oldenburg ist Inspiration für uns.“ Es gehe nicht nur um die Stärkung des Einzelhandelsstandortes, sondern „um viel mehr: „Auch das Thema Wohnen ist wichtig.“

Sollte Celle in diesem Jahr endlich in das Förderprogramm Denkmalschutz West aufgenommen werden, stünden acht Millionen Euro bereit – allerdings auf zehn Jahre verteilt. Hardinghaus: „Das würde für einen Investitions-Impuls reichen. Wenn wir noch in diesem Sommer loslegen könnten wäre das gut – eine Verzahnung mit der Center-Planung wäre ideal.“

FDP-Fraktionschef Joachim Falkenhagen stellt klar, dass die Politik von der privaten Seite auch handfestes Mittun ähnlich wie in Oldenburg erwarte: „Immer nur von der Stadt ein finanzielles Engagement zu fordern, scheint mir eine sehr einfache und einseitige Erwartungshaltung zu sein.“ Wenn jeder Hauseigentümer und Händler von sich aus und freiwillig 1000 Euro pro Jahr für die Entwicklung der City, von deren gutem Zustand er schließlich profitiere, beisteuerte, käme „schon eine ganze Menge zusammen.“ WG-Fraktionsvorsitzender Torsten Schoeps: „Als Anschubfinanzierung könnte eingangs auf die Zuschüsse an das Citymanagement zurückgegriffen werden.“

So machen es die Oldenburger: City ist mehr als nur Handelsort – „identitätsstiftende Mitte“

Wenn im kommenden Jahr in der Oldenburger Innenstadt das lange umstrittene ECE-Einkaufscenter seine Pforten öffnet, soll die City dafür gewappnet sein. Mit dem „Zielkonzept Innenstadt“, dessen Umsetzung bis etwa 2013/2014 laufen soll, verfolgt die Stadt an der Hunte seit 2004 ein „projektorientiertes Interventionsprogramm“, welches sowohl neue, kräftige Entwicklungsimpulse setzen möchte als auch ausgleichend wirken und die schwächeren Bereiche unterstützen soll. Auf diese Weise ist ein dynamischer Prozess der Innenstadtentwicklung initiiert worden, der auch insbesondere von privaten Erneuerungsvorhaben getragen wurde und wird. Oldenburgs Stadtbaurat Frank-Egon Pantel zu seinem „Fitnessprogramm“ für die City: „Neben der zentralen Aufgabe, die Oldenburger Innenstadt als regionalen Versorgungsschwerpunkt zu festigen, wird mit den Projekten zum Zielkonzept vor allem aber die Idee einer multifunktionalen und identitätsstiftenden Mitte der Stadt nachhaltig verfolgt. Die Innenstadt ist in Zukunft nicht nur als ein Ort des Kommerzes, sondern entscheidend für die gesamte Stadtentwicklung, als sozialer und kultureller Integrationsort und auch als Ort des Wohnens umso stärker zu begreifen.“