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Celle Stadt Rechte Hand der Celler Anwälte und Notare
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So bildet KSB-Intax in Celle Rechtsanwalts- und Notar-Fachangestellte aus

07:00 18.11.2020
Akten führen und Urkunden erstellen: Die 18-jährige Milena Fait wird in der Celler Kanzlei KSB Intax zur Rechtsanwalts- und Notar-Fachangestellten ausgebildet – ein vieiseitiger Beruf. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle

An einem ihrer ersten Girlsdays nahm sie an einem Schnuppertag in einer Zahnarztpraxis teil. „Danach wusste ich, was ich beruflich sicher nicht machen möchte“, sagt Milena Fait und betont das Wort „nicht“. „Da waren der nächste Girlsday und das dreiwöchige Praktikum in der Anwaltskanzlei schon viel besser.“ Und das Schöne: Die Kanzlei ermunterte die damalige Neuntklässlerin, sich doch um einen Ausbildungsplatz zu bewerben.

Praktikum in einer Anwaltskanzlei

„Ich habe mir schon in der siebten oder achten Klasse Gedanken gemacht, was ich später beruflich einmal machen möchte“, sagt die 18-Jährige. Sie fragte Eltern und Verwandte, sprach mit Freundinnen. „Eigentlich hatte ich an Pädagogik oder Medizin gedacht.“ Zwar sei sie in der Oberschule ganz gut gewesen, habe auch den Erweiterten Sekundarabschluss I erreicht, meinte aber, den Anforderungen im Gymnasium nicht ganz entsprechen zu können. „Ich war ein wenig skeptisch, sah überall Fragezeichen.“ Dann doch lieber eine Ausbildung. Dass sie später einmal sozusagen mit Nadel und Faden Urkunden zusammennähen und mit dem Siegel prägen würde, deutete sich bereits während des Schulpraktikums an, in dem sie einen guten Überblick über die Tätigkeiten in einer Anwalts- und Notariatskanzlei erhielt.

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Zwischenprüfung zur Rechtsanwalts- und Notar-Fachangestellten abgelegt

Nun ist sie im zweiten Ausbildungsjahr zur Rechtsanwalts- und Notar-Fachangestellten und hat gerade die Zwischenprüfung abgelegt. Und sie ist zufrieden. Egal, ob Gesellschafts- oder Erbrecht, Versicherungsrecht, Stiftungsrecht, Öffentliches Recht oder gewerblicher Rechtsschutz: Bei KSB-Intax, einer der größten Wirtschaftskanzleien, kennt man sich nicht nur in diesen Themen aus. Auch Arbeitsrecht, Medizinrecht, Bau- und Architektenrecht sowie Agrarrecht gehören zu den Bereichen, die hier bearbeitet werden, in denen Fachanwälte tätig sind.

Vielseitiger Beruf

Und die brauchen Unterstützung durch qualifizierte Fachangestellte. „Die werden gesucht“, weiß Corinna Hansen, die in der Kanzlei für die Ausbildung zuständig ist.

Corinna Hansen ist Ausbildungsbeauftragte bei KSB-Intax. Quelle: Lothar H. Bluhm

„Wir versuchen, in jedem Jahr zwei Auszubildende einzustellen, bekommen aber oft gar nicht so viele gute Bewerbungen.“ Und das, obwohl die Kanzlei in Schulen, per Internet und bei der Arbeitsagentur ihre Lehrstellen anbietet. „Dabei ist dieser Beruf vielseitiger, als man denkt.“

Teamarbeit wird bei KSB-Intax in Celle großgeschrieben

Hinzu komme das Arbeitsklima: „Wir versuchen, eine große Familie zu sein. Bei uns wird Teamarbeit groß geschrieben.“ Rechtsanwalt- und Notariatsfachangestellte werden in Kanzleien, bei Banken und Versicherungen und in Gerichten beschäftigt. „Das ist ein weites Feld von Möglichkeiten: Überall stehen die Türen offen“, sagt Hansen.

Mehr als 140 Mitarbeiter an drei Standorten

Insgesamt sind 30 Mitarbeiter in dem Büro an der Hannoverschen Straße tätig, davon neun Anwälte und zwei Notare und fünf Auszubildende. KSB Intax beschäftigt insgesamt mehr als 140 Mitarbeiter an den Standorten Hannover, Celle und Lüneburg. Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater betreuen Mandate ganz überwiegend für Unternehmen, Stiftungen und für die öffentliche Hand.

Akten, Diktate und Urkunden

In der dreijährigen Ausbildung geht es um Arbeiten wie Akten anlegen und führen, vorbereitende Tätigkeiten im Notariat und in Vertragsangelegenheiten, bei der Vollstreckung und in Mahnverfahren. Dazu gehört auch das Schreiben von Diktaten und Schriftsätzen sowie das Archivieren der zahlreichen Dokumente. Im Notariat werden zudem Urkunden in Papier erstellt – mit dicker Nadel und der schwarz-rot-goldenen Kordel.

Schnelles und präzises Arbeiten gefragt

Handelsregisteränderungen werden vorbereitet, Gesellschafterverträge konzipiert, Kaufverträge in die Urkundenrolle eingetragen. „Bei fristgebundenen Sachen müssen wir oft sehr schnell, präzise und genau arbeiten“, beschreibt Milena Fait ihren Alltag. „Das heißt, dass wir auch Verantwortung übernehmen müssen.“

Das Bürgerliche Gesetzbuch und die Zivilprozessordnung seien das tägliche Brot – auch in der Berufsschule. Dort werden momentan in den drei Ausbildungsjahren insgesamt 34 Schüler ausgebildet.

Rechte Hand des Anwalts und Notars

„Eigentlich hab ich mir das genau so vorgestellt“, umschreibt Milena Fait ihre Arbeit. „Ich hoffe, dass der Rechtsbereich nach wie vor interessant ist – und bleibt.“ Dazu tragen bei KSB Intax sicher auch regelmäßige monatliche Besprechungen mit den Auszubildenden bei. „Unsere Mitarbeiter und besonders die Auszubildenden sollten nicht mit Bauchweh in die Kanzlei kommen. Sie müssen Freude an der Arbeit haben – auch wenn mal fristgebundene Arbeiten anfallen. Das Arbeitsklima muss stimmen“, ist für Ausbildungsbeauftragte Corinna Hansen wichtig: „Hier stimmt es. Die ReNo-Fachangestellten sind nun mal die rechte Hand des Anwalts und Notars.“

Nachgefragt bei der BBS 1 in Celle

Helen Schubert ist Bildungsgangleiterin des Bereiches ReNo-Angestellte an den Berufsbildenden Schulen (BBS) 1 in Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung und was für Voraussetzungen müssen die Schüler mitbringen?

Für den Rechtsbereich bieten die Berufsbildenden Schulen 1 Celle gleich zwei Ausbildungen an: Rechtsanwaltsfachangestellte (RE) und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte (RN). Wo der auf dem ersten Blick kleine, aber doch entscheidende Unterschied liegt, folgt gleich. Die Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten dauert drei Jahre. Die Auszubildenden verfügen zum Großteil über den Realschulabschluss, allerdings sind auch immer Schülerinnen und Schüler dabei, die mit Fachhochschulreife oder dem Abitur diese Ausbildung wählen.
Es handelt sich um eine duale Ausbildung, also in Schule und Betrieb.

Sie sind für den schulischen Teil verantwortlich. Worum geht es da?

Neben den allgemeinbildenden Fächern, Englisch, Deutsch, Politik und Religion werden die wesentlichen Inhalte der Ausbildung in 14 (RE) beziehungsweise 16 (RN) Lernfeldern unterrichtet. Diese thematisieren die entscheidenden rechtsanwendenden, organisatorischen und kaufmännischen Aufgaben, die in einer Anwaltskanzlei notwendig sind. Dies sind beispielsweise die Vorbereitung von Schriftsätzen und Akten, die Planung und Überwachung von Terminen oder die Berechnung von Fristen und Gebühren. Vertiefend geht es dann im zweiten Lehrjahr zum Beispiel um die Klage, das Urteil und den Ablauf einer Gerichtsverhandlung – auch die Frage, wie ein Mandant seine Forderungen rechtlich durchsetzen oder gegen ein Urteil vorgehen kann, ist entscheidend.

Helen Schubert ist an der BBS 1 Bildungsgangleiterin für ReNo-Fachangestellte. Quelle: cz

Im dritten Lehrjahr stehen je nach Beruf (RE oder RN) weitere thematische Schwerpunkte auf dem Programm. So beschäftigen sich die Rechtsanwaltsfachangestellten vertiefend mit dem Thema der Zwangsvollstreckung und des Familien- und Erbrechts. Für die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten dagegen steht nun vielmehr die Notariatsseite im Vordergrund, zum Beispiel Beurkundung eines Grundstücks oder auch die Beglaubigung eines Testamentes. Weiterhin werden das 10-Finger-Tastschreiben sowie die Kanzleisoftware „RA-Micro“ als Zusatzqualifikationen unterrichtet.

Und wie gliedert sich die Ausbildung?

Zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres findet eine theoretische Zwischenprüfung statt. Am Ende der Ausbildung folgt dann die theoretische Prüfung, die aus vier Teilen besteht, sowie als praktischer Prüfungsbereich ein fallbezogenes Fachgespräch.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Diese Ausbildung ist besonders interessant für junge Menschen, die gut organisieren können, sorgfältig und verantwortungsbewusst sowie kommunikativ sind. Es sollte ein allgemeines Interesse an rechtlichen Fragen und ihrer Klärung bestehen. Hierzu wird primär mit den entsprechenden Gesetzestexten und Kostentabellen gearbeitet.

Und wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Die Übernahmeaussichten nach der Ausbildung sind kanzleiabhängig. Jedoch bieten sich zahlreiche Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten besonders bei den Gerichten, aber auch in der Justiz. Es besteht auch die Möglichkeit, sich als Rechtsfachwirt, Justizfachwirt oder als Gerichtsvollzieher weiterzubilden. Auch im Bereich Verwaltung sind ausgebildete Rechtsanwaltsfachangestellte oder Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte gefragt. Ebenfalls interessant ist, dass ein anschließender einjähriger Besuch der Fachoberschule Wirtschaft an den BBS 1 Celle zu einer Befähigung für ein Jurastudium an einer Universität führen kann ...

Von Lothar H. Bluhm

Was macht man in diesem Beruf?

Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte nehmen Vertretungs- und Beurkundungsaufträge entgegen, vereinbaren Termine und bereiten diese vor. Sie führen Akten, Register sowie Termin-, Fristen- und Wiedervorlagekalender und stellen Unterlagen und Informationen zusammen. In notariellen Angelegenheiten fordern sie Dokumente für Beurkundungen an, zum Beispiel bei der Ausfertigung von Grundstückskaufverträgen. Nach Vorgaben der Anwaltsnotare verfassen sie Schriftstücke zu Rechtsstreitigkeiten, Mahnungen und Zwangsvollstreckungen. Sie entwerfen Erbscheinanträge, Vollmachten, eidesstattliche Versicherungen und einfache Verträge. Darüber hinaus berechnen sie Gebühren, stellen Rechnungen, überwachen und verbuchen Zahlungseingänge und bearbeiten die Korrespondenz.

Wo arbeitet man?

• in Rechtsanwaltskanzleien mit Notariat

• in Notariaten

Arbeitsorte:

• in erster Linie in Büroräumen

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Kanzleien und Notariate überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife oder mittlerem Bildungsabschluss ein.

Anforderungen:

• Organisatorische Fähigkeiten und Flexibilität (zum Beispiel beim Vereinbaren von Terminen mit Mandanten, beim Einstellen auf die Anliegen unterschiedlicher Mandanten)
• Sorgfalt und Verschwiegenheit (zum Beispiel beim Einhalten von Fristen und Gerichtsterminen, beim Umgang mit personenbezogenen Informationen)
• Mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen (zum Beispiel für die Information von Mandanten über den Sachstand von Rechtsangelegenheiten, beim Korrespondieren mit Mandanten)
• Kundenorientierung (zum Beispiel Eingehen auf die Bedürfnisse der Mandanten, zum Beispiel bei Vertretungsaufträgen für einen Rechtsstreit)

Wichtige Schulfächer:

• Deutsch (zum Beispiel beim Erstellen von Schriftstücken und Verträgen)

• Mathematik (zum Beispiel für die Berechnung von Kosten und Zinsen) • Wirtschaft/Recht (zum Beispiel beim Informieren von Mandanten über den Sachstand von Rechtsangelegenheiten)

• Englisch (zum Beispiel im grenzüberschreitenden Rechtsverkehr)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (je nach Bundesland unterschiedlich):

• 1. Ausbildungsjahr: 515 bis 1000 Euro

• 2. Ausbildungsjahr: 608 bis 1100 Euro

• 3. Ausbildungsjahr: 695 bis 1200 Euro

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