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Celle Stadt Keine Angst vor Neo-Nazis und Terroristen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Keine Angst vor Neo-Nazis und Terroristen
12:05 27.01.2019
Von Dagny Siebke
Foto: Der Satiriker Shahak Shapira nahm bei seinem Auftritt in der CD-Kaserne auch die Celler aufs Korn.
Der Satiriker Shahak Shapira nahm bei seinem Auftritt in der CD-Kaserne auch die Celler aufs Korn. Quelle: David Borghoff
Celle

Shahak Shapira hat keine Angst – vor niemandem. Der 30-Jährige Satiriker ist in Israel geboren und "im Terror" aufgewachsen. Mit 14 Jahren zog er mit seiner Mutter und seinem Bruder nach Sachsen-Anhalt und machte Bekanntschaft mit dem Dorfnazi. Seine Familie ist es gewohnt, mit Hassmails bombardiert zu werden. Doch das hält den Künstler nicht davon ab, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen. Das Publikum, wenn auch rar gesät, amüsierte sich am Freitag in der CD-Kaserne köstlich über Shapiras skurrile Sicht auf die Dinge.

Selbst mit den Cellern legte sich Shapira direkt zu Beginn an: "Wer hätte gedacht, dass ich jemals auf einem Lidl-Parkplatz spielen würde?" Das Publikum nahm es mit Humor und klatschte.

Brandenburg fehlt Infrastruktur für Terrorismus

Bekannt wurde Shapira vor allem, nachdem er mit weiteren Mitgliedern von "Die Partei" 31 Facebook-Gruppen der AfD kaperte und bis zum Gruppen-Administrator aufstieg. Am schlimmsten findet der Satiriker Hassmails, die mit "Sie" anfangen und mit "Du" zu Ende gehen. "Neonazis lieben Deutschland, aber sie hassen die deutsche Sprache."

Warum gerade die Bauern in Brandenburg Angst vor Terrorismus haben und Großstädter eben nicht, kann sich Shapira nicht erklären: "Die Dörfer haben doch gar nicht die Infrastruktur, um Terroristen zu ködern. Hey Opa, dort kommt dich doch noch nicht mal deine Enkeltochter besuchen."

Statt 72 Jungfrauen 72 Rosinen

Aber auch Terroristen bekommen bei Shapira ihr Fett weg. Denn er macht die Islamisten auf einen Übersetzungsfehler im Koran aufmerksam. Nicht 72 Jungfrauen, sondern 72 Rosinen warteten auf einen Muslim im Jenseits. "Es ist doch schon das Schlimmste, auf eine Rosine im Keks zu beißen, aber gleich auf 72 tote Trauben?"

User bewerten Besuch in Auschwitz

Doch das Lachen im Halse stecken blieb einem, als Shahak Shapira die Internetbewertungen von ehemaligen Konzentrationslagern zitierte. Sie stammen vom Empfehlungsportal "Yelp". "Manche Dinge sollte man nicht bewerten", betonte Shapira und ergänzte. "Auschwitz kommt auf 4,5 Sterne. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Mc Donald's am Alex nur auf drei Sterne kommt." Jemand schrieb gedankenlos: "Die Massenabfertigung der Touristen war auch mal besser." Ein anderer hatte Problem den Weg zu finden und notierte: "Ins Lager zu kommen, ist Glückssache." So kam auch das Celler Publikum an seine Schmerzgrenze.

Dagny Siebke 27.01.2019
Oliver Gatz 25.01.2019
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