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Celle Stadt Daneben oder aus der Luft gegriffen?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Daneben oder aus der Luft gegriffen?
06:01 03.05.2019
Von Christian Link
Foto: "Ich habe sie mehr als 20 Mal auf eigenen Wunsch massiert": Der ehemalige Fitnesscoach K. soll die Pflegetochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin unsittlich berührt haben. Er versichert jedoch, dass er nur Nacken (so wie in dieser nachgestellten Szene), Kopf oder Rücken berührt habe.
"Ich habe sie mehr als 20 Mal auf eigenen Wunsch massiert": Der ehemalige Fitnesscoach K. soll die Pflegetochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin unsittlich berührt haben. Er versichert jedoch, dass er nur Nacken (so wie in dieser nachgestellten Szene), Kopf oder Rücken berührt habe. Quelle: mapo - stock.adobe.com
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Celle

Zwanzigmal massiert, zwanzigmal ist nichts passiert. Doch bei zwei weiteren Gelegenheiten soll ein Hobbymasseur die damals 17-jährige Pflegetochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin an intimen Stellen berührt haben. Vor dem Celler Amtsgericht wurden die Anschuldigungen der jungen Frau nun genau unter die Lupe genommen – obwohl sie eigentlich gar nicht um eine Strafverfolgung gebeten hatte. Der Grund für die Verhandlung: Die ehemalige Pflegemutter hatte die junge Frau wegen Verleumdung angezeigt. Und das ist ebenfalls eine Straftat, die mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden kann.

Aussage steht gegen Aussage

Laut Anklage soll der Beschuldigte K. das mittlerweile 19 Jahre alte Opfer zwischen Januar und Mai 2017 dreimal sexuell belästigt haben. Zeugen für die Vorfälle gibt es nicht. Es steht Aussage gegen Aussage. Beim ersten Vorfall hatte L. noch an ein Missverständnis geglaubt: K. habe sie auf dem Bett im Schlafzimmer ihrer Pflegemutter zunächst am Rücken, dann an den Beinen massiert. "Als er dabei immer höher gegangen ist, habe ich ich gesagt: Nein. Und bin gegangen."

Einige Wochen später hätten die beiden aber auf der Couch gesessen, als K. wieder übergriffig geworden sei. "Auf einmal hat er mein Gesicht gepackt und versucht, mich zu küssen", berichtete L. und fügte hinzu: "Nach dem zweiten Vorfall war ich mir sicher, dass das sexuelle Anspielungen sind."

Vom Rücken zu den Brüsten?

Warum sie sich trotzdem noch ein weiteres Mal von K. massieren ließ, zumal die beiden erneut allein waren, konnte L. vor Gericht nicht erklären. Am Himmelfahrtstag 2017 habe sie sich aber auf die Couch gelegt, damit K. ihr den Rücken massiert. "Er hat immer gleichmäßige Bewegungen mit seinen Händen gemacht und dann ist er über meine Brüste gefahren", sagte die junge Frau aus. Nach diesem Vorfall habe sie ihren Vater informiert, der sie aus dem Winser Haushalt ihrer Pflegemutter mit zurück nach Gifhorn nahm.

Der 33 Jahre alte Angeklagte sieht sich als Opfer einer Familienintrige, bei der der leibliche Vater von L. die Strippen zog. "Ihr Vater wollte sie zurückhaben. Er hat immer Geschenke für sie gekauft und sie hat ihn immer gelobt", sagte K. vor Gericht aus. Auch die ehemalige Pflegemutter hat den Mann in Verdacht, der mit seiner Ex-Frau einen "regelrechten Rosenkrieg" geführt habe, unter dem die gemeinsame Tochter so sehr litt, dass sie zu einer Pflegestelle umziehen musste. Als der eigentlich sehr unbeherrschte Mann mit der Pflegemutter erstmals über die sexuelle Belästigung sprach, habe er sehr gefasst reagiert. "Seine größte Sorge war es, dass die Möbel abgeholt werden", sagte die 41-jährige Sozialpädagogin.

Pflegemutter glaubt Zögling nicht

Dass die Vorwürfe der Pflegetochter stimmen könnten, habe die 41-Jährige zu keinem Zeitpunkt geglaubt, und sie glaube es auch immer noch nicht. "Für mich war das so absurd, aber für L. ist das auch irgendwie typisch", sagte die Ex-Pflegemutter, "im Geschichten-Erzählen und Sachen-Erfinden ist L. ganz groß". Den Vorwürfen wegen sexueller Belästigung seien mehrere Streitigkeiten im Haushalt vorausgegangen, die durch die Unzuverlässigkeit ihrer damaligen Pflegetochter ausgelöst wurden.

"Ich kann's verstehen. Wäre ich an ihrer Stelle, würde ich mir auch nicht glauben wollen", sagte L. über ihre ehemalige Pflegemutter und fügte hinzu: "Sie haben sich was aufgebaut und ich bin in die Familie gekommen und habe es kaputt gemacht." Beide schauten sich im Gerichtssaal nicht ins Gesicht. Der Prozess wird fortgesetzt.

Svenja Gajek 02.05.2019
Dagny Siebke 02.05.2019