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Serpil Klukon aus dem federführenden Amt im Interview

12:12 19.05.2021
Von Christopher Menge
Die Organisatoren des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ in Celle: Bernd Backhaus, Gerd Janke, Aylin Tekes, Sinja Naujok und Serpil Klukon (von links).
Die Organisatoren des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ in Celle: Bernd Backhaus, Gerd Janke, Aylin Tekes, Sinja Naujok und Serpil Klukon (von links). Quelle: David Borghoff
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Celle

Vieles hat sich seit der Bewerbung der Stadt Celle am Bundesprogramm „Demokratie leben!“ im Handlungsbereich „Partnerschaft für Demokratie“ geändert. Christopher Menge sprach mit Serpil Klukon von der Koordinierungsstelle Integration der Stadt Celle über die Umsetzung des Programms und die laufende Förderperiode. Seit November 2020 ist die Koordinierungsstelle Integration mit dem Bundesprogramm der Celler Zuwanderungsagentur zugeordnet.

Wie kam das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ denn nach Celle? Erinnern Sie sich noch an die Anfänge?

Ich erinnere mich sehr gut an den 20. Oktober 2014, denn an diesem Tag reichte ich die Interessenbekundung der Stadt Celle beim Bundesamt für zivilgesellschaftliche Aufgaben ein. Kurze Zeit später konnte ich auch den Antrag auf Förderung stellen. Der Antrag wurde positiv beschieden. Seit 2015 setzt die Stadt Celle unter Federführung der Koordinierungsstelle Integration das Programm in Celle um. Eine der Hauptaufgaben in 2015 war für mich, die Partnerschaft für Demokratie in Celle aufzubauen.

Wie setzt sich die Partnerschaft zusammen? Wie hat sich die Partnerschaft seitdem entwickelt?

Fördergelder über einen längeren Zeitraum nach Celle zu holen, ist vergleichbar mit Teamsport. Sie haben unterschiedlichste Akteure mit den jeweiligen Funktionen. Zunächst war es wichtig, eine externe Koordinierungs- und Fachstelle zu benennen, die das federführende Amt insbesondere operativ unterstützt. Da im Programm ein Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche gelegt ist, kristallisierte sich schnell heraus, dass die CD-Kaserne der passende Partner war. Seitdem stehen Gerd Janke und Sinja Naujok als Externe Koordinierungs- und Fachstelle den Projektträgern mit Rat und Tat zur Seite. Sie sorgen dafür, dass das Programm in der Öffentlichkeit bekannt wird und Jugendliche verstärkt in das Programm involviert werden.

Im Vergleich zu anderen Kommunen konnte in Celle schnell ein Jugendforum gegründet werden, das aktuell von Aylin Tekes vertreten wird und eigenständig Demokratieprojekte umsetzt. Im federführenden Amt agieren wir zu zweit. Ich habe bisher jährlich unter anderem die Bewerbungsunterlagen für das Programm mit den Finanzierungsplänen erstellt und mich darum gekümmert, dass wir auch die finanziellen Mittel zugewiesen bekommen. Mein Kollege Bernd Backhaus kümmert sich um die Mittelverwaltung und Verwendungsnachweise. Die wichtigsten Akteure im Programm sind aber die Projektträger, die mit ihren Projekten sich tagtäglich für eine lebendige Zivilgesellschaft in Celle einsetzen. Ferner haben wir einen 16-köpfigen Begleitausschuss, er spricht jeweils seine Förderempfehlung aus und entscheidet, welche Projekte in Celle in die Förderung kommen.

Die Strukturen und Aufgaben der Partnerschaft für Demokratie sind durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ vorgegeben. In Celle ist noch ein Steuerungsteam etabliert. In diesem Team bereiten wir unter anderem alle Veranstaltungen wie die jährliche Demokratiekonferenz oder Workshops für die Projektträger und/oder den Begleitausschuss vor. Wir alle zusammen bilden die „Partnerschaft für Demokratie“ in Celle.

Wie viele Fördergelder sind in die Stadt Celle geflossen? Und wofür wurden sie eingesetzt?

Die Stadt Celle hat von 2015 bis einschließlich 2021 über das Programm „Demokratie leben!“ eine Bewilligung von Zuwendungen in Höhe von insgesamt 750.000 Euro erhalten, die wir Projektträgern aus Celle für Ihre Demokratieprojekte bereitstellen. In Celle haben wir eine vielfältige Trägerlandschaft. Zu den Projektträgern zählen Wohlfahrtsverbände, Kunst- und Kultureinrichtungen, Jugendeinrichtungen, Einrichtungen für Frauen, Elterninitiativen und Schulvereine, Einrichtungen für Familien, Sportvereine, Einrichtungen die Menschen mit Behinderung und ihre Familien unterstützen und Fort- und Weiterbildungseinrichtungen.

Die thematischen Arbeitsschwerpunkte der geförderten Projekte können zusammengefasst u.a. dem Schulnahen Sozialraum, der Demokratieförderung, der Antidiskriminierungsarbeit, sportlichen Aktivitäten und der Integrationsarbeit zugeordnet werden.

Frau Klukon, was bedeutet es für Sie, sich für Demokratie einzusetzen?

Ich betrachte Demokratie unter dem Aspekt des gemeinsamen Handelns und Agierens. Aus meiner Sicht ist es sehr spannend zu sehen, wie sich so viele unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Kulturen, Arbeits- und Handlungsbereichen beim Bundesprogramm einbringen. Das ist ein sehr positives Zeichen, auch für die Integration. Denn auch als Integrationsbeauftragte der Stadt Celle versuche ich selbstverständlich beide Bereiche -Demokratie und Integration- miteinander zu verbinden.

Was macht für Sie die Partnerschaft für Demokratie in Celle aus?

Das primäre Ziel des Programms ist die Förderung von Vereinen, Projekten und Initiativen, die sich einsetzen für Demokratie und Vielfalt. Ferner sollen lokale Netzwerke mobilisiert und aufgebaut werden, um eine lebendige, vielfältige Zivilgesellschaft vor Ort zu stärken. Das, was die Partnerschaft in Celle besonders macht, ist das partnerschaftliche Zusammenwirken insbesondere von kommunaler Verwaltung und Zivilgesellschaft, so dass alle Akteure der Partnerschaft eine Kultur der Kooperation, des respektvollen Umgangs, der gegenseitigen Anerkennung und Unterstützung pflegen und kontinuierlich weiter entwickeln möchten.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Partnerschaft für Demokratie in Celle?

Auch wenn die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens dazu führen, dass vieles verschoben oder abgesagt wird, die Partnerschaft für Demokratie in Celle bleibt weiterhin aktiv. Wir nutzen situationsbedingt die Chancen des Internets. In 2020 und auch jetzt finden die Sitzungen des Begleitausschusses und unsere Arbeitstreffen im Steuerungsteam digital statt. Die Projektträger halten Präsenzveranstaltungen als Webkonferenzen ab und/ oder weichen unter Einhaltung der Hygieneregeln mit kleineren Gruppen in größere Räume aus. Bis auf ein Projekt konnten alle Projekte in 2020 umgesetzt werden.

Wo sollen in der aktuellen Förderperiode 2020 bis 2024 Schwerpunkte gesetzt werden?

Durch die Verzahnung der Akteure der Partnerschaft für Demokratie ist eine weitere Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft, die Weiterentwicklung von Ansätzen und Konzepten der integrativen Arbeit, die Förderung des interkulturellen Zusammenlebens und die Förderung einer demokratischen Kommunikation, insbesondere aufgrund der zunehmenden Verrohung der Sprache in den sozialen Medien, möglich. Hierbei sollen insbesondere Kinder- und Jugendliche im Fokus stehen. Diese und auch weitere Punkte haben wir in einem Workshop mit dem Begleitausschuss letzten Herbst in der Congress Union erarbeitet.

Was wünschen Sie sich für die Partnerschaft für Demokratie für die Zeit nach der Corona-Pandemie?

Präsenzveranstaltungen und der persönliche Austausch sind sehr wichtig für die Demokratie. Wir werden aber in Zukunft weiterhin auch die nützlichen Seiten des digitalen Arbeitens weiter pflegen und nutzen.

Bitte erlauben Sie mir zum Schluss noch auf die Aktionswochen für Vielfalt aufmerksam zu machen. Der Landkreis hat diese Wochen vom 14. Juni bis zum 4. Juli ausgerufen. Interessierte Einrichtungen und Initiativen aus dem Landkreis können sich an den Aktionswochen durch Veranstaltungen, Aktivitäten, Projekte beteiligen. Auch wir als „Partnerschaft für Demokratie“ unterstützen das Vorhaben mit Projekten, die in dem Zeitraum umgesetzt werden. Die Aktionswochen für Vielfalt bilden eine sehr gute Ergänzung zu unserem Programm „Demokratie leben!“.

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