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Celle Stadt Seelenheilerin, Dichterin, kluge Frau
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Seelenheilerin, Dichterin, kluge Frau
15:01 13.06.2010
Ulrike Migdal mit "Ilse Weber: Wann wohl das Leid ein Ende hat" in Celler Synagoge - Hörszene mit Briefen, Liedern und Gedichten
Ulrike Migdal mit "Ilse Weber: Wann wohl das Leid ein Ende hat" in Celler Synagoge - Hörszene mit Briefen, Liedern und Gedichten Quelle: nicht zugewiesen
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Auf Einladung der Gesellschaft war Ulrike Migdal aus Bochum zu Gast mit ihrem Buch „Ilse Weber. Wann wohl das Leid ein Ende hat“. Migdal erzählte davon, wie sie in den Besitz der Briefe der Autorin Weber kam, vom Leid der starken, klugen Frau. 1903 als Herlinger in Witkowitz bei Mährisch-Ostrau geboren, wurde Weber 1942 von Prag in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie als Oberschwester in der Kinderkrankenstube half. 1944 wurden sie und ihr Sohn Tomás in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ihr Mann überlebte, rettete ihre Gedichte und Lieder. Sohn Hanus, den Weber 1939 achtjährig zu ihrer Freundin, der schwedischen Diplomatentochter Lilian von Löwenadler, geschickt hatte, meldete sich bei Migdal. Es war das Gedicht „Brief an mein Kind“, das seine Mutter 1942 in Theresienstadt schrieb, das den Kontakt herstellte.

Migdal begann, der vergessenen Dichterin, ihren Taten und Briefen ein Denkmal zu setzen. Ihr Buch besticht durch die unsentimentale Weltbetrachtung einer Frau, die den Schrecken nahen sah, an der verachtenswerten Schwäche der Mitmenschen aber zerbrach. Alles Glück ihrer Seele ist die Musik und die Liebe zu ihren Kindern. Es ist diese Kraft, mit der sie versucht, den Kindern ihre kleine Seele zu bewahren, die dem Zuhörer das Herz zerreißt. Mit den Kindern von Theresienstadt und dem Lied „Wiegala“ zieht sie in den Tod.

Migdal leiht der Dichterin ihre Stimme. Hoffend. Gefasst. Auch die Lieder wurden in ergreifender Interpretation eingespielt. Es tut weh, die unbarmherzige Geschichte siegen zu sehen. Unzerstörbar aber bleibt Webers Wärme und Liebe. Und ihr Wort.

●Das Buch: Ulrike Migdal (Hrsg.), „Ilse Weber. Wann wohl das Leid ein Ende hat. Briefe und Gedichte aus Theresienstadt“, Hanser Verlag 2008, 352 Seiten, 21,50 Euro.

Von Aneka Schult