Schutz vor Corona

Schüler bauen CO₂-Warner

Die Politik redet über Corona-Schutz - Schüler des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums nehmen die Sache in die Hand.

  • Von Michael Ende
  • 18. Nov. 2020 | 08:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 18. Nov. 2020 | 08:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Schüler lernen etwas in der Theorie und setzen es in einem sinnvollen Projekt gemeinsam in die Realität um: So geht Schule. Am Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium (KAV) geschieht dies gerade. Während die Politik noch darüber diskutiert, ob und wie man mit technischen Lösungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie die Raumluft in Schulen verbessern könnte, bauen KAV-Schüler CO₂-Warngeräte. Sie messen den Kohlendioxid-Gehalt der Luft und erinnern daran, wann man in den Klassen zur derzeitigen Low-tech-Allzweckwaffe greifen sollte: zum Stoßlüften.

50 Geräte im Bau

Der Bau von über 50 Messgeräte im Physikunterricht ist gerade angelaufen. Organisiert hat diese Aktion Simon Soltek, der am KAV Schulfachlicher Koordinator für die "MINT-Fächer" Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik ist. "Um die Schüler und Lehrer des KAV-Gymnasiums bei der sachgerechten Umsetzung der neuen Lüftungsregeln zu unterstützen, haben sich die MINT-Fachgruppen Physik und Informatik/dig.me dazu entschlossen, im Unterricht gemeinsam CO₂-Warner für die Unterrichtsräume zu bauen und zu programmieren", so Soltek.

Infektionsrisiko niedrig halten

Aktuelle Studien legten nahe, dass die Konzentration des von Menschen ausgeatmeten Kohlenstoffdioxids mit der Menge an ebenfalls von Menschen ausgestoßenen, winzigen für mehrere Stunden in der Luft schwebenden Flüssigkeitströpfchen, den Aerosolen zusammenhänge, erklärt Soltek: "Das heißt: Je mehr CO₂ in der Raumluft ist, desto mehr Aerosolpartikel sind ebenfalls darin vorhanden, die den SARS CoV2-Virus enthalten und verbreiten könnten." Deshalb könnten CO₂-Warner dabei helfen, auch die Aerosolkonzentration durch bedarfsgerechtes Stoß- und Querlüften des Raums und damit das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

High-tech im Unterricht

Die KAV-CO₂-Warner nutzen einen Sensor, um die Konzentration des Gases in der Raumluft durch das Absorptionsvermögen für infrarotes Licht zu ermitteln. Ein Wifi-fähiger Mikrocontroller liest die Daten aus und stellt sie auf einem LC-Display und zusätzlich mittels Leuchtdioden auf verschiedenen Warnstufen gut sichtbar dar. "Mit diesen zahlreichen Halbleiterkomponenten handelt es sich um ein spannendes Projekt für den Physikunterricht des 10. Jahrgangs, der sich mit Grundlagen der Halbleiterelektronik beschäftigt", sagt Soltek: "Aber nicht nur die Auseinandersetzung mit der Theorie, sondern auch die praktische Konstruktion des Messgeräts etwa mit der Schaltung und dem Löten der LED-Elemente am Controller gestalten wir gemeinsam mit den 10. Klassen."

Geräte funktionieren

Die Schüler seien mit Herzblut bei der Sache, freut sich der Lehrer: "Sie sind begeistert, dass sie etwas so Sinnvolles machen können – und dass das Ganze auch noch funktioniert." Im städtischen Schulausschuss, der allerdings nicht für Gymnasien zuständig ist, hatte es kürzlich seitens der Verwaltung geheißen, CO₂-Warner seien überflüssiger "Unsinn", da sie lediglich daran erinnerten, die vorgeschriebenen Intervalle für regelmäßiges Lüften einzuhalten: "CO2-Sensoren bringen nichts." Die Arbeit der KAV-Schüler hat dies widerlegt. Erste Erfahrungen mit Prototypen im Unterrichtseinsatz hätten gezeigt, dass je nach Raum- und Klassengröße Lüftungszeiten mitunter auch noch regelmäßiger als alle 20 Minuten gewählt werden müssten, sagt Soltek.

Die einen reden, die anderen machen

Und während die Politik auf Landes- und Stadt-Ebene noch überlegt , ob sie Lüftungsanlagen für Klassenräume anschaffen sollte und wie viel Geld das kosten würde, experimentieren, tüfteln, löten und schrauben die KAV-Schüler weiter an ihren CO₂-Warnern, die wenigstens das Lüften optimieren. Soltek plant, demnächst eine Bauanleitung zu veröffentlichen. Es gebe bereits Anfragen aus anderen Schulen: "Wir freuen uns über Nachahmer."