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Schrauben und Montieren: Eicklinger lernt Beruf des Anlagenmechanikers

15:34 16.04.2021
„Ich wusste schon, dass ich was Handwerkliches machen möchte": Malte Schulze aus Eicklingen.
„Ich wusste schon, dass ich was Handwerkliches machen möchte": Malte Schulze aus Eicklingen. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Gross Hehlen

Hinter der Lehrwerkstatt in der großen Produktionshalle in Groß Hehlen hat Malte Schulze zurzeit seinen Arbeitsplatz: Hier kommissioniert er nach einer großen Zeichnung die einzelnen Bauteile für die Gasdruckregelanlage und baut die gelben Rohre, Ventile und Kugelhähne zusammen. „Das ist die Vormontage für eine Anlage eines Industriekunden in Niedersachsen“, beschreibt der 19-jährige Eicklinger seine Tätigkeiten. Seit 2018 absolviert er die Ausbildung zum Anlagenmechaniker Fachrichtung Anlagenbau bei CeH4-technologies und arbeitet jetzt im letzten Lehrjahr in der Fertigung des Unternehmens mit.

Eicklinger schon auf Montage in Vlotho

Dadurch war er schon mal auf Montage in Vlotho in Nordrhein-Westfalen. Da galt es, gemeinsam mit Kollegen die regelmäßige Wartung einer Gasdruckregelanlage durchzuführen. „Naja, und auf Tagesbaustellen war ich in Munster und Wernigerode unterwegs. Dort haben wir Anlagen aufgebaut“, klingt Schulze ganz zufrieden. Jetzt im dritten Lehrjahr ist er in die Vormontage integriert. „So merke ich, dass das ein sehr vielfältiger Beruf ist, und ich bin froh, dass ich mich dafür entschieden habe.“

Celler Unternehmen CeH4 ist bundesweit tätig

Für die Energiewende gilt regenerativ erzeugter Wasserstoff als neuer Hoffnungsträger – mit unmittelbaren Auswirkungen auf das Unternehmen: CeH4 ist bundesweit tätig. Da gibt es Aufträge aus Bayern und Sachsen-Anhalt ebenso wie aus Niedersachsen oder Schleswig-Holstein.

Ausbilder und Produktionsleiter Andreas Jürß Quelle: Lothar H. Bluhm

„Von Flensburg bis München werden wir gefragt“, betont Ausbilder und Produktionsleiter Andreas Jürß. Er ist Industriemeister. „Das sind anspruchsvolle Anlagen im industriellen Rohrleitungsbau, die Durchblick in der Metallverarbeitung ebenso erfordern wie Kenntnisse in der Rohrbearbeitung und in der Gerätetechnik.“

47 Mitarbeiter plus drei Azubis bei CeH4-technologies

Insgesamt sind bei CeH4-technologies 47 gewerbliche Mitarbeiter beschäftigt. „Plus drei Azubis“, unterstreicht Jürß, für den ganz wichtig ist, dass die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter da sein muss.

Gemeinsame Werksmontage und Vorinstallation einer Gasdruckregel- und messanlage: (von links) Andreas Jürß (Ausbildungsleiter), Justus Wendt, Timo Borsos (beide Monteure) und Malte Schulze. Quelle: Andreas Gerow

Für eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker ist der Hauptschulabschluss ausreichend, aber der Wille zum Lernen und Arbeiten muss da sein: „Die Bewerber müssen förmlich brennen für den Beruf.“

Hauptschulabschluss für Ausbildung zum Anlagenmechaniker erforderlich

Wie Jürß betont, bildet das Unternehmen sehr gern aus, um künftig genügend Fachkräfte zu haben. „Wir suchen bereits seit rund 15 Jahren qualifiziertes Personal, da sind wir froh, wenn wir unsere Auszubildenden anschießend übernehmen können.“ CeH4 startete eine Stellenoffensive: „Wir ziehen alle Register, um Fachkräfte für unser Unternehmen zu gewinnen. Von Tageszeitungen über Fachmedien bis hin zu Jobbörsen und unserer eigenen Internetseite.“

Zukunftstag für Malte Schulze wichtiger Impuls

Malte Schulze besuchte die Oberschule Eicklingen, als er durch einen Zukunfts- oder Berufsorientierungstag in der neunten Klasse auf den Beruf aufmerksam wurde. „Da präsentierte ein Heizungs- und Sanitärbetrieb den Beruf des Anlagenmechanikers.“ Das sei zwar im Kleinen und auf handwerklicher Ebene gewesen, es habe aber gereicht, um ihn dafür zu interessieren. Es war ein wichtiger Impuls: „Ich wusste schon, dass ich was Handwerkliches machen möchte.“ Dementsprechend hat er mit seinem Realschulabschluss einige Bewerbungen verschickt. Es gab zwei Zusagen. Insofern war der Tipp eines Bekannten, sich bei CeH4 zu bewerben, gar nicht schlecht. „Nee, das war gut!“, sagt Schulze, der in seiner Freizeit die 2. Herren in Eicklingen unterstützt oder gern an der Aller angelt.

Gute Ideen im Wasserstoffbereich gefragt

Nach seiner beruflichen Zukunft gefragt, sieht sich Malte Schulze nach entsprechenden Fortbildungen als Techniker oder Industriemeister: „Im Wasserstoffbereich ist Entwicklung, und gute Ideen sind immer gefragt.“

IHKLW bietet Möglichkeiten des Online-Lernens an

Unter www.ihk-pruefungsfit.de finden Auszubildende verschiedener Branchen bis zum 19. Mai ausgewählte E-Learning-Tools zur kostenfreien Verwendung. „Auch wenn die Ergebnisse der letzten IHK-Prüfungen in etwa im Fünfjahresdurchschnitt lagen, also keine besondere Corona-Prägung hatten, ist die Vorbereitung in der aktuellen Lockdown-Situation fordernder als sonst“, sagt Sönke Feldhusen, stellvertretender IHKLW-Hauptgeschäftsführer. „Wir versuchen deshalb, ein Schlaglicht auf die bestehenden Möglichkeiten des Online-Lernens zu werfen, und beraten die Betriebe verstärkt zu Unterstützungsmöglichkeiten für ihre Auszubildenden bei der Vorbereitung auf die im Mai beginnenden Abschlussprüfungen.“ (www.ihk-lueneburg.de/digitale-lernangebote)

David Pollmer ist zuständig für die Belange der Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik an der Axel-Bruns-Schule Celle.

David Pollmer ist an der BBS Celle 2 (Axel-Bruns-Schule) zuständig für die Belange der Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik?
Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre, kann aber bei guten Leistungen in der schulischen und fachpraktischen Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt werden. Dazu müssen die Handwerkskammer, die Berufsschule und der Ausbildungsbetrieb zustimmen.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?
In der Schule werden die theoretischen Hintergründe für die im Beruf ausgeführten Arbeiten gelegt. Es gibt eine enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis, die durch die Neueinrichtung unseres praktischen Labors noch einmal eine neue Tiefe erhält. In den so genannten Lernfeldern werden neben den Grundlagen der Metalltechnik auch die fachspezifischen Bereiche wie Heizungsanlagen, Trinkwasserinstallationen, sanitäre Einrichtungen und auch die immer wichtiger werdenden erneuerbaren Energien vermittelt.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Die Ausbildung gliedert sich in den praktischen Teil im Betrieb und die theoretischen Hintergründe in der Schule. Diese werden in der zweigeteilten Abschlussprüfung zusammengeführt. Der erste Teil der Prüfung findet zum Ende des zweiten Lehrjahres statt und zählt 30 Prozent der Abschlussprüfung. Hier werden die Grundlagen der Versorgungstechnik in Praxis und Theorie geprüft. Die restlichen 70 Prozent werden mit dem zweiten Teil der Prüfung in Praxis und Theorie zum Ende der Prüfung abgelegt. Bei erfolgreichem Bestehen der Prüfung erhalten die Auszubildenden ihren Gesellenbrief und bei ausreichenden schulischen Leistungen auch den Realschulabschluss.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
In diesem Job sind alle Charaktere willkommen. Da der Beruf sehr vielfältig ist, können im späteren Berufsleben vom Kundendienst an Bestandsgeräten bis zur Ausstattung eines Neubaus die unterschiedlichsten Ausrichtungen gewählt werden. Ein Hauptschulabschluss ist bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz von Vorteil. Ein kurzes Praktikum in einem Betrieb ist häufig eine gute Grundlage, um gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz zu haben.

Wie sind die Aussichten auf dem Ausbildungsmarkt?
Die Aussichten sind sehr gut. Im vergangenen Sommer wurden viele vorhandene Ausbildungsplätze leider nicht besetzt. Deshalb sind die Chancen auf einen solchen auch in diesem Sommer aktuell sehr gut. Ein großer Vorteil ist, dass die verschiedenen Firmen im gesamten Landkreis von Adelheidsdorf bis Faßberg und von Wietze bis Lachendorf zu finden sind. So müssen die Auszubildenden nicht erst nach Celle, sondern können häufig quasi vor der Haustür ihre Ausbildung beginnen. Nach bestandener Prüfung werden die Auszubildenden in der Regel von den Firmen weiterbeschäftigt, da auch in der aktuellen Situation eine gute Auftragslage herrscht.

Von Lothar H. Bluhm

Anlagen-mechaniker

Was macht man?

Anlagenmechaniker stellen unter anderem Anlagen beziehungsweise Rohrleitungssysteme für die Chemie-, die Mineralöl-, die Lebensmittelindustrie oder für versorgungstechnische Betriebe her. Sie schneiden Bleche zu, kanten sie, längen Rohre ab, biegen Rohrstücke sowie Bleche und fertigen zum Beispiel mithilfe von CNC-Maschinen einzelne Bauteile an. Sie fügen die Komponenten im Betrieb zu Baugruppen zusammen und veranlassen den Transport zur Baustelle beziehungsweise zum Kundenbetrieb. Vor Ort montieren sie die Einzelkomponenten und Baugruppen. Sie verbinden Rohrleitungen, bauen Ventile und Dichtungen ein, schließen Kessel oder Druckbehälter an und übergeben den Kunden die fertigen Anlagen. Auch die Wartung von Anlagen, die Instandsetzung und gegebenenfalls die Erweiterung oder der Umbau bestehender Anlagen gehören zu ihren Aufgaben.

Wo arbeitet man?

• in Unternehmen des Rohrleitungs- und Industrieanlagenbaus

• in Unternehmen des Apparate- und Behälterbaus

• in Installations- und Versorgungsunternehmen

• in Unternehmen für Erdöl- und Erdgasförderung

Arbeitsorte:

• in Fertigungshallen

• auf Montagebaustellen

Darüber hinaus arbeiten sie gegebenenfalls auch im Freien.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?

• Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis

• Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein (beim Prüfen von Schweißnähten)

• Trittsicherheit und Schwindelfreiheit (beim Arbeiten auf Leitern und Gerüsten)

• Umsicht (beim Anschließen von Kesseln)

Wichtige Schulfächer:

• Werken/Technik (bei der Anwendung von Metallbearbeitungs- und ‑verbindungstechniken)

• Mathematik (beim Berechnen des Materialbedarfs)

• Physik (für das Verstehen der Arbeitsweise technischer Anlagen)

• Deutsch (beim Dokumentieren der Auftragsdurchführung)

• Informatik

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispiel Niedersachsen Metall- und Elektroindustrie (monatlich brutto):

1. Ausbildungsjahr: 1000 Euro

2. Ausbildungsjahr: 1062 Euro

3. Ausbildungsjahr: 1156 Euro

4. Ausbildungsjahr: 1218 Euro

Beispiel techn. Gebäudeausrüstung (monatlich brutto):

1. Ausbildungsjahr: 792 Euro

2. Ausbildungsjahr: 876 Euro

3. Ausbildungsjahr: 907 Euro

4. Ausbildungsjahr: 981 Euro

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