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Celle Stadt Sanierungsfehler sind Schnee von gestern
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Sanierungsfehler sind Schnee von gestern
14:17 13.06.2010
Ausstellungseröffnung: Handwerk in der Denkmalpflege im Bomann-Museum - v.l.: Dr. phil. Stefan Winghart, Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Jochen Meiners, Direktor des Bomann-Museums, Rolf Schneider, Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade und Prof. Manfred Gerner, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte e.V.
Ausstellungseröffnung: Handwerk in der Denkmalpflege im Bomann-Museum - v.l.: Dr. phil. Stefan Winghart, Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Jochen Meiners, Direktor des Bomann-Museums, Rolf Schneider, Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade und Prof. Manfred Gerner, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte e.V. Quelle: Aneka Schult
Celle Stadt

Der Stolz Celles ist seine pittoreske Fachwerkstadt. Neben glücklichen historischen Umständen würden vor allem Fachleute für die Erhaltung der baulichen Substanz und für die Öffnung hin zu einer zeitgemäßen Nutzung verantwortlich zeichnen, wie Susanne Schmitt, erste Stadträtin, anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Handwerk in der Denkmalpflege“ im Bomann-Museum bemerkte. Die seit drei Jahren durch Niedersachsen reisende Wanderausstellung, erarbeitet in Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern in Niedersachsen und dem niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, zeigt anschaulich mit Bild- und Texttafeln sowie Originalobjekten den Reiz und die kulturelle Bedeutung handwerklichen Schaffens. So werden jene Handwerksberufe vorgestellt, die an der Umsetzung des Denkmalschutzes an historischen Gebäuden beteiligt sind. Auch werden die verschiedenen Varianten des Dachdeckens, das Glaserhandwerk, die Maler und Lackierer, die Maurer, Metallbauer, Pflasterer und Steinsetzer ebenso präsentiert, wie die Arbeiten des Steinmetzes, des Stuckateurs, der Terrazzohersteller, Tischler und nicht zuletzt das zentrale Handwerk des Zimmerers.

Wie die Ausstellung zeigt, stellt die Denkmalpflege an die Handwerksbetriebe, die die erhaltenden und wiederherstellenden Arbeiten ausführen, hohe Anforderungen. Alte Techniken müssen neu erlernt oder aktiviert werden, um die häufig mehrere Hunderte Jahre alten „Patienten“ in einen guten Zustand zu bringen. Prof. Manfred Gerner, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte e.V., Fulda, erläuterte in seinem Vortrag über Fachwerksünden, dass die Fachwerkstädte besonders in der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre „unter zwei schwerwiegenden Phänomenen“ litten: unter den Modetorheiten in Form von Fachwerkdekorationen und gravierenden Sanierungsfehlern. Der Trend heute sei ein anderer: Denkmalschutz und Handwerk wissen nicht nur um ihre wirtschaftliche Abhängigkeit, sondern auch darum, dass eine qualitätvolle Denkmalpflege nur möglich ist, wenn sich Handwerk, so modern es sich orientieren muss, wieder auf seine alten Traditionen, Fähigkeiten und Techniken besinnt. „Die Denkmalpflege kann nur so gut sein, wie ihr Handwerk ist“, so Gerner. Rolf Schneider, Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, sprach vom Stichwort Energie und ganz neuen handwerklichen Herausforderungen bei der Modernisierung der Haus- und Gebäudetechnik. „Denkmalschutz steht auch für die Zukunftssicherung unserer handwerklichen Betriebe.“ Schließlich sei „Denkmalschutz (...) summa summarum ein gar nicht hoch genug einzuschätzender Wirtschaftsfaktor“, betonte Schmitt mit Blick auf Celle. Dass die Ausstellung hier gastiert, bietet sich bei der Denkmaldichte in der historischen Altstadt an. Wie als Bestätigung dessen gab Dr. Stefan Winghart, Präsident des niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, bekannt, dass die Ausstellung ihren Dauerwohnsitz in Celle haben wird.

●Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist zu sehen im Bomann-Museum, Schlossplatz 7, bis 27. Juni, dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr, begleitet von einem abwechslungsreichen Vortragsprogramm. Am 16. Mai, dem internationalen Museumstag, zeigen an der Denkmalpflege beteiligte Handwerker ihr Können. Der Eintritt an dem Tag ist frei.

Von Aneka Schult