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Celle Stadt Rekommunalisierung der Energieversorgung in Springe: „Im Bereich Gas sind wir bereits Marktführer“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Rekommunalisierung der Energieversorgung in Springe: „Im Bereich Gas sind wir bereits Marktführer“
14:54 13.06.2010
Von Gunther Meinrenken
Springes Bürgermeister Roger Hische
Springes Bürgermeister Roger Hische Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Was hat Springe dazu bewogen, die Energieversorgung in die eigenen Hände zu nehmen?

Wir wollten für unsere Bürger wieder mehr Einfluss auf die Gestaltung der Energieversorgung nehmen, dezentrale Erzeugung und die Nutzung erneuerbarer Energien waren dabei wichtige Punkte. Als die Konzessionsverträge ausliefen, hatten wir die Chance dieses Vorhaben umzusetzen. Zudem haben eigene Stadtwerke einen positiven Effekt für die Kommune: Die Kommune kann die strategische Richtung vorgeben, wichtige Investitionsentscheidungen treffen und die Tarife für die Grundversorgung festlegen.

Springe hat sich ein Energieunternehmen als Partner ins Boot geholt. Warum machen Sie es nicht in Eigenregie?

Alleine hätte die Stadt das nicht stemmen können. Wir brauchten einen Partner mit technischem und energiewirtschaftlichem Know-how, da der Energiemarkt komplex ist und in den letzten Jahren noch komplexer geworden ist. Mit der Übernahme der Strom- und Gasversorgung sind auch einige Risiken verbunden, die kleine und mittelgroße Kommunen allein nicht beherrschen können. Deshalb haben wir nach einem Partner mit Erfahrung gesucht, der unabhängig von den überregionalen Energieversorgungsunternehmen ist und zu unserer Denkweise passt.

Welche Kriterien waren ausschlaggebend für die Auswahl ihres Energiepartners?

Die Kriterien wurden zu Verfahrensbeginn durch den Stadtrat festgeschrieben. Die wichtigsten Kriterien im Auswahlverfahren waren die wirtschaftliche Gestaltung der Zusammenarbeit, das Umwelt- und Arbeitsmarktengagement sowie natürlich auch der Nutzen für die Bürger der Stadt Springe. Die Bietergemeinschaft BS|ENERGY, Veolia und SW Hameln hat alle diese Kriterien erfüllt.

In Springe war vorher die E.on Avacon, die auch an der SVO Energie in Celle die Mehrheit hält, für die Energieversorgung zuständig. Hat Ihr alter Versorger der Rekommunalisierung Steine in den Weg gelegt hat?

Der bisherige Versorger tut sich schwer damit, notwendige Daten für die Bewertung und die Übernahme der Netze herauszugeben. Leider sind wir deshalb in gerichtlichen Auseinandersetzungen, die bislang allerdings gut für uns laufen. Diese Verfahren sind noch nicht abgeschlossen, daher kann ich dazu nicht mehr sagen.

Was hat die Stadt Springe die Rekommunalisierung gekostet?

Zu Beginn der Verhandlungen hat die Stadt einen 6-stelligen Betrag für Beraterleistungen aufgebracht – das war eine sehr gute Investition und ich würde jeder Kommune, die sich mit diesen Fragen beschäftigt, dazu raten, sich ausführlich zu informieren. Das spart hinterher zusätzliche Kosten und möglichen Ärger. Alles andere war Verhandlungssache und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Wie nimmt die Stadt Einfluss auf die Geschäftspolitik und die Tarifgestaltung?

Durch meine Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke Springe bin ich bei allen wichtigen Fragestellungen der Geschäftspolitik mit im Boot. Der Geschäftsführer der Stadtwerke steht in regelmäßigem Kontakt zu mir und dem übrigen Aufsichtsrat, um alle Fragen örtlicher Bedeutung abzustimmen. Die Stadtwerke Springe sind in ihrer Strom- und Gasbeschaffung frei, können also immer marktgängig einkaufen. Daraus ergeben sich finanzielle Vorteile, die direkt an die Kunden weitergegeben werden.

Bei Gas liegen die Stadtwerke Springe vor Ort auf dem 3. Platz (davon träumen die Celler), beim Strom ist E.on Avacon günstiger. Hat sich der Wettbewerb verschärft?

Der Tarif der E.on Avacon, auf den Sie sich beziehen, ist ein reines Online-Produkt und kann auch nur im Internet abgeschlossen werden. Zu diesem Produkt gehört keine Beratung, weder persönlich noch telefonisch. Die Stadtwerke Springe möchten ihre Kunden nicht durch Billig-Preise binden, sondern überzeugen durch guten Service und Präsenz vor Ort. Bei vergleichbaren Produkten liegen die Stadtwerke Springe auch im Strom vor der Avacon.

Wie viele Kunden sind bisher zu Ihnen gekommen?

Im Bereich Gas sind die Stadtwerke Springe bereits Marktführer in der Stadt. Im Strombereich haben die Stadtwerke einen Marktanteil von rund 30 Prozent erreicht. Diese Wechselraten nach gut zwei Jahren sind ein großer Erfolg.

Durch die Rekommunalisierung wollte die Stadt auch etwas zur Haushaltskonsolidierung beitragen. Hat das funktioniert?

Die Einnahmen aus der Konzessionsabgabe sind unverändert geblieben. Hinzu kommen die Gewerbesteuereinnahmen aus den Stadtwerken Springe und die Gewinnausschüttung. Da unsere Vereine und Institutionen durch die Stadtwerke zum Teil finanziell unterstützt werden, wird der Haushalt der Stadt etwas entlastet. Zudem haben unsere 30000 Bürger durch die günstigen Energiepreise der Stadtwerke im letzten Jahr zusammen etwa. 900000 Euro gespart. Die gestärkte Kaufkraft kommt allen zu Gute. Und es sind neue Arbeitsplätze in Springe entstanden.

Ein Argument für die Rekommunalisierung war auch Klimaschutz und Investitionen in erneuerbare Energien. Haben Sie hier bereits Ziele umgesetzt?

In der kurzen Lebenszeit der Stadtwerke Springe wurde bereits eine Photovoltaik-Anlage auf den Dächern des Schulzentrums Süd errichtet, bisher die größte in Springe. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2.800 kWh (für einen Zwei-Personen-Haushalt) reicht die erzeugte Strommenge aus, um rund 50 Haushalte zu versorgen. Diese Anlage spart 600g CO2 pro Kilowattstunde gegenüber konventioneller Stromerzeugung.