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Celle Stadt Werden aus vier Celler Grundschulen zwei?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Werden aus vier Celler Grundschulen zwei?
21:18 06.06.2019
Von Christian Link
Foto: Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, soll sich die Altstädter Schule (großes Foto) künftig mit der Blumläger Schule (kleines Foto) einen Standort teilen. In das denkmalgeschützte Otto-Haesler-Gebäude könnte die Sprachheilschule Celle einziehen.
Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, soll sich die Altstädter Schule (großes Foto) künftig mit der Blumläger Schule (kleines Foto) einen Standort teilen. In das denkmalgeschützte Otto-Haesler-Gebäude könnte die Sprachheilschule Celle einziehen. Quelle: Marcus Jacobs/Christian Link
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Celle

Das Feuer in der Sprachheilschule wird vielleicht die ganze Celler Schullandschaft verändern. „Der große Brand in Klein Hehlen hat eine ganze Reihe an Möglichkeiten eröffnet, schließlich gibt es bei einigen Grundschulen einen großen Sanierungsbedarf“, sagte Schuldezernentin Susanne McDowell gestern bei einem Pressegespräch im Neuen Rathaus. Dort stellte die Stadtverwaltung von Oberbürgermeister Jörg Nigge die Pläne für eine Neuordnung der Grundschulen vor. „Wir wollen und müssen jetzt endlich beginnen, unsere Grundschullandschaft zukunftsfähig und modern aufzustellen“, sagte Nigge und sprach von einer „Jahrhundertchance“, um Raumnot und Sanierungsstau zu bekämpfen.

Die Pläne der Stadtverwaltung betreffen insgesamt sieben Schulen: Das am 15. April abgebrannte Gebäude der Sprachheilschule Celle soll nach der Sanierung nicht an die Förderschule zurückgegeben werden, sondern der Grundschule Klein Hehlen zugeschlagen werden. „Die Grundschule hat dringenden Erweiterungsbedarf“, sagte McDowell und stellte nicht nur neue Unterrichtsräume in Aussicht: „In dem neu aufgebauten Trakt haben wir dann auch die Möglichkeit, die Schule um eine Mensa und eine Aula zu erweitern.“

Landkreis soll Otto-Haesler-Bau kaufen

Die Sprachheilschule Celle, die zwischenzeitlich in Hambühren untergekommen ist, soll zum Schuljahr 2021/22 in das Gebäude der Altstädter Schule an der Sägemühlenstraße einziehen. Für die Grundschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache wäre das eine Rückkehr an ihren Gründungsort, denn von 1960 bis 1966 war sie hier schon einmal zu Hause. Auch der Eigentümer soll sich ändern. Die Stadt möchte das denkmalgeschützte Schulgebäude an den Landkreis verkaufen, den Schulträger der Sprachheilschule. Vermutlich ist der Otto-Haesler-Bau dann bereits runderneuert.

Die Altstädter Schule hätte wegen der Sanierung zum Schuljahr 2020/2021 ohnehin ihr angestammtes Gebäude verlassen müssen. Nun soll der Abschied für immer sein. Die neue Heimat soll die Blumläger Schule sein. Genug Platz wäre vorhanden, wenn die Oberschule wie vorgesehen zum Schuljahresende ihren Trakt räumt. „Damit können wir auf die wenig beliebten Container als Ausweichmöglichkeit komplett verzichten“, so McDowell. Die Schuldezernentin weist außerdem darauf hin, dass Lehrerausfälle dadurch besser kompensiert werden können: „Wie die Vereinigung genau aussehen wird, muss noch besprochen werden.“

Nur eine Grundschule in Westercelle?

Die Oberschule Westercelle platzt aus allen Nähten. „Der Landkreis hat dort noch einen weit größeren Raumbedarf“, sagte McDowell. Ein Auszug der Grundschule Nadelberg, die ebenfalls hier heimisch ist, und ein Verkauf des Schulgebäudes an den Landkreis könnten dieses Problem lösen. Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, soll es in Westercelle zukünftig nur noch einen Grundschul-Standort geben – und zwar auf der anderen Straßenseite der B3.

Die völlig marode Grundschule Bruchhagen soll abgerissen und durch einen hochmodernen Neubau ersetzt werden – nur die Sporthalle bliebe erhalten. Durch die Gebäudeverkäufe und die Versicherungssumme hätte das hoch verschuldete Celle genügend Geld dafür. „Wir sehen das als sehr, sehr große Chance“, sagte Schulleiterin Sandra Beckermann. Die längeren Schulwege für manche Kinder hält der Schulelternratsvorsitzende Stephan Ohl nicht für ein Hindernis. „Die Stadtverwaltung wird dafür sorgen, dass alle Kinder sicher zur Schule kommen.“ Aus Sicht der Elternschaft findet er die Pläne begrüßenswert.

Bevor die Pläne umgesetzt werden können, müssen allerdings die Landesschulbehörde und der Rat zustimmen. Der Oberbürgermeister will bei den Parteien für eine Mehrheit werben. Schulleitungen, Eltern und Ortsräte sollen ebenfalls mitsprechen dürfen. McDowell: „Noch vor den Sommerferien werden wir alle Eltern der betroffenen Schulen zu einer Infoveranstaltung einladen.“

Großer Wurf? – Ein Kommentar von Christian Link

Bisher gilt in Neuenhäusen und Westercelle das Prinzip "Kurze Beine – Kurze Wege". Wenn die Altstädter Schule in die Blumlage zieht und Westercelle künftig nur noch eine Grundschule hat, wird sich der Schulweg vieler Kinder jedoch deutlich verlängern. Der Celler Fachdienstleiter Schulen, Jörg Peters, weist zwar darauf hin, dass auch bei den bestehenden Schulbezirken zukünftig kein Kind weiter als zwei Kilometer zum Schultor laufen muss. Das wird den Betroffenen jedoch nur ein schwacher Trost sein. 

"Klar, wird bei einigen Eltern Unmut herrschen", prognostiziert auch der Schulelternratsvorsitzende Stephan Ohl. Seiner Ansicht nach soll das aber nicht das "Gesamtpaket überschatten". "Die Grundschulen hier sind alle in die Jahre gekommen und Sanierungen überfällig. Uns ist wichtig, dass sich die Entwicklung nicht im Klein-Klein verliert, wir müssen einen großen Wurf machen", sagt Ohl und wirbt um Wohlwollen für das Programm.

Dieses Wohlwollen hat sich die Stadtverwaltung verdient. Das Rathaus macht seine Pläne nicht nur frühzeitig öffentlich, sondern zeigt sich zudem äußerst gesprächsbereit. Um die Schulwege kurz zu halten, schließt die Schuldezernentin auch eine Neuordnung der Schulbezirke nicht aus. Wenn jetzt noch Eltern, Schulleitungen und Politik ihre Einzelinteressen zurückstellen, könnte tatsächlich ein großer Wurf für Celle gelingen.

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