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Celle Stadt Range zum Thema Terror: „Grund zu Sorge, aber nicht zu Hysterie“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Range zum Thema Terror: „Grund zu Sorge, aber nicht zu Hysterie“
08:13 04.12.2015
Von Klaus M. Frieling
OLG-Präsident Peter Götz von Olenhusen (links) mit Generalbundesanwalt a. D. Harald Range vor dessen Vortrag im Celler Schloss.
OLG-Präsident Peter Götz von Olenhusen (links) mit Generalbundesanwalt a. D. Harald Range vor dessen Vortrag im Celler Schloss. Quelle: Klaus M Frieling
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Range selbst bezeichnete seine fast vier Amtsjahre beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe als „intensive Zeit“. Kein böses Wort über seinen ehemaligen Dienstherrn Maas, dem er vor vier Monaten im Streit über Ermittlungen gegen Journalisten wegen des Verdachts des Landesverrats noch einen „unerträglichen Eingriff in die Unabhängigkeit der Justiz“ vorgeworfen hatte.

Range blieb loyal – und verwies lieber auf die Brisanz seines Vortragsthemas: „Denken wir nicht alle mit gemischten Gefühlen an die Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover?“ Der Terrorismus berühre uns alle im täglichen Leben. Die Furcht vor Anschlägen beeinflusse unser Handeln, wenn wir ihr nichts entgegensetzen. „Die Terroristen wollen unser Denken besetzen.“

Seit dem Höhepunkt linksextremistischer Gewalttaten durch die „Rote Armee Fraktion“ (RAF) in den 1970-er Jahren habe sich die Erscheinungsform des Terrorismus tiefgreifend gewandelt, betonte Range. Seit Beginn des Jahrtausends sorgen vor allem rechtsextremistische und islamistische Anschläge für Angst und Schrecken.

Fast zeitgleich mit Ranges Amtsantritt im November 2011 war das Morden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) bekannt geworden – Beleg für die „schreckliche Fehleinschätzung, dass der Rechtsterrorismus kein Thema“ sei. Nach den islamistischen Anschlägen auf das Word Trade Center in New York am 11. September 2001 hätten die Sicherheitsbehörden eine „Scheuklappe mit schrecklichen Folgen“ getragen, resümierte Range. Und folgerte, dass „wir jederzeit nach allen Richtungen aufmerksam sein müssen“.

Der Informationsaustausch zwischen Bund und Ländern sowie zwischen den einzelnen Behörden müsse weiter verbessert werden, forderte Range. Und verwies „gerade hier in Celle“ auf das Problem der verbotenen kurdischen Separatistenbewegung PKK, „die jetzt im Kampf gegen den ,Islamischen Staat‘ für sich in Anspruch nimmt, zu den ,Guten‘ zu gehören“.

Der „Islamische Staat“ (IS) ist nicht erst seit den Anschlägen in Kopenhagen, Tunis, Ankara und Paris als gefährlich erkannt. Anders als der frühere Linksterrorismus, dessen Opfer herausgehobene Persönlichkeiten waren, haben die militanten Islamisten „weiche“ Ziele im Visier: Touristen am Badestrand, Cafe-Besucher oder ein Konzertpublikum etwa. Die Gruppe der Syrien-Rückkehrer – deutsche Staatsbürger, die im Bürgerkrieg des nahöstlichen Landes waffentechnisch geschult und ideologisch infiltriert wurden – bereite den deutschen Behörden große Sorge und viel Arbeit, verwies Range auch auf den gerade in Celle laufenden Prozess gegen zwei Deutsch-Tunesier. „Niemand kann in sie hineinsehen, niemand weiß, mit welchem Auftrag sie zurückkehren.“ Zwecks Anschlags-Verhinderung sei auch die Zusammenarbeit der Sicherheitsorgane mit den Justizvollzugsanstalten wichtig.

„Es gibt Grund zur Sorge, aber keinen Grund zur Hysterie“, zitierte Range abschließend Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Von größeren Anschlägen sei Deutschland bislang verschont geblieben. „Das ist nicht nur Glück, sondern vielleicht auch das Glück des Tüchtigen.“