Radfahren in Celle

Nutzlose Haltestelle statt Schutzstreifen

Deswegen ist die Straße Heese für Celler Radfahrer kein Vergnügen.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 25. Sept. 2020 | 16:02 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 25. Sept. 2020 | 16:02 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Diesen Fahrplan vermutet man eher im australischen Outback als am Celler Heeseplatz. Einmal am Tag um 13.18 Uhr, allerdings nur von Montag bis Freitag, fährt hier ein Bus der Linie 900 in Richtung Winsen ab. Für diese eine Fahrt hat die Stadt vor etwa drei Monaten sogar extra eine Bushaltestelle eingerichtet. Dafür musste der Fahrradschutzstreifen auf der Straße weichen. "Das ist eine eindeutige Verschlechterung für Radfahrer", regt sich die frühere Ortsbürgermeisterin Eva Lietzmann auf.

Bushaltestelle wird nicht genutzt

Die neue Bushaltestelle verdankt ihre Existenz einem Ortstermin, bei dem unter anderem städtische Verkehrsplaner, die CeBus und die Polizei zusammentrafen, weil es „im Bereich der Bushaltestelle westlich des Fußgängerüberweges in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit dem Schülerverkehr gab“. Hauptgrund dafür sei die geringe Flächenverfügbarkeit. „Als Lösung wurde eine weitere Haltestelle vor dem Überweg festgelegt. Sie führt nun zu einer Verbesserung der Schulwegsicherheit“, sagt Stadtsprecherin Myriam Meißner. So weit die Theorie.

In der täglichen Praxis zeigt sich: Die Haltestelle wird überhaupt nicht genutzt. Die CZ hat von Dienstag bis Freitag dieser Woche am Heeseplatz auf den Bus der Linie 900 gewartet. Ergebnis: An keinem der Tage stand auch nur ein Schüler an der neuen Haltestelle. Kein Wunder, der Bus nach Winsen hat jedes Mal direkt die etablierte Haltestelle westlich des Zebrastreifens angefahren. Und das soll wohl auch so sein, denn dort befindet sich noch einmal der identische Fahrplan für die Linie 900. Viel Aufwand für null Ertrag – dafür gibt es jetzt keinen Schutzstreifen für Radfahrer mehr.

Bahn-Unterführung zu dunkel

Für Lietzmann ist das nicht das einzige Ärgernis auf der Strecke zwischen Trüllerkreisel und Welfenallee. Zusammen mit dem verkehrspolitischen Sprecher des Celler ADFC, Wilhelm Eggers, und der CZ ist Lietzmann den Weg abgegangen. Erste Gefahrenstelle: „Die Bahn-Unterführung ist viel zu dunkel“, so die ehemalige Ortsbürgermeisterin. Die Stadt will der Sache nachgehen. „Die Beleuchtung werden wir überprüfen, insbesondere ob auch die Beleuchtungsstärke ausreichend ist", heißt es aus dem Neuen Rathaus.

Bordsteine absenken

Nächster Knackpunkt: Ab der Riemannstraße dürfen die Radfahrer in Richtung Welfenallee auch auf der Straße fahren. Doch in direkter Fahrtrichtung sind die Bordsteine nicht abgesenkt. Meißner: "Eine großflächige Absenkung der Bordanlagen würde die Autos dazu verleiten, die Kurve zu schneiden. Dadurch könnten andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Wir prüfen gerade, inwieweit wir in einem vertretbaren Maß den Wünschen entgegenkommen können."

Erst auf dem Bürgersteig, dann auf der Straße und auf dem Fußweg, dann auf dem Schutzstreifen und dann nur noch auf der Straße – generell krankt die Führung der Radfahrer vom Trüllerkreisel zur Welfenallee daran, dass auf wenigen hundert Metern ständig andere Regeln gelten. In der Gegenrichtung sieht es genauso aus. Die Radfahrer halten sich mehr schlecht als recht daran, vor allem auf dem westlichen Teil der Heese fahren viele Schüler auf dem Gehweg, weil es ihnen auf der Straße zu gefährlich ist.

Stadt Celle: Gehwege zu schmal für Radfahrer

Lietzmann und Eggers würden daher gerne die Fußwege für Radfahrer freigeben. Doch hier sieht die Stadt keine Chance. "Zwischen Heeseplatz und Welfenallee ist die Fahrbahn leider zu schmal, so dass die Anlage von Schutzstreifen nicht möglich ist. Hier werden wir jedoch Piktogrammketten aufbringen. Die Freigabe der Gehwege in diesem Bereich ist aufgrund der vorhandenen baulichen Gestaltung, Nutzungsintensität durch Fußgänger und Übergangsbereiche beim Heeseplatz nicht möglich", erläutert Meißner.

Tempo 30 auf der Heese gefordert

Und auch die Hauptforderung von Lietzmann und Eggers – Tempo 30 auf der Straße Heese – wird nach Stand der Dinge ein frommer Wunsch bleiben. Zwar sei es generell möglich im Bereich von Schulen die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer zu begrenzen. Doch: "Bei den Schulen wurde explizit vorgegeben, dass diese über einen direkten Zugang zur Straße verfügen muss. Dies haben wir für das gesamte Stadtgebiet durchgeführt. Die Straße Heese hat jedoch keinen direkten Zugang zu einer Schule. So sind uns auch hier die Hände gebunden", verweist Meißner auf die Gesetzeslage. Insbesondere Beschränkungen des fließenden Verkehrs dürften nur angeordnet werden, wenn auf Grund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung erheblich übersteige.

Celler ADFC findet: Besondere Gefahrenlage

Angesichts von knapp 1500 Schülern am Hölty-Gymnasium und der Oberschule Heese würden sich Eggers und Lietzmann ein beherzteres Vorgehen wünschen. Eggers: "Ich würde einfach Tempo 30 machen. Bei diesen Schülerzahlen ist doch eindeutig eine besondere Gefahrenlage gegeben."

Weitere Teile der Serie "Radfahren in Celle" gibt es hier .

Erfahrungen melden

Wer weitere Gefahrenstellen für Radfahrer kennt, kann diese an g.meinrenken@cellesche-zeitung.de schicken. Interessiert ist die CZ auch am Zustand der Radwege. Leser können gerne Fotos zu diesem Thema bis 10. Oktober an obige Email-Adresse senden.