Radfahren in Celle

Diese Ecke ist vermurkst

Zwischen der Altstädter Schule und der Magnusstraße ist die Verkehrsführung für Radfahrer nicht leicht zu durchschauen.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 02. Oct 2020 | 06:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 02. Oct 2020 | 06:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Gegenverkehr auf dem gemeinsamen Fuß- und Radweg, ein Absperrgitter, das den Platz für Fußgänger und Radler einengt, undurchsichtige Beschilderungen, schlechte Sicht und eine Abbiegeregelung, die so ungewöhnlich ist, dass sie sich den meisten Radfahrern nicht erschließt und sich so gut wie niemand daran hält – der relativ kurze Weg von der Altstädter Schule über den Langensalzaplatz zur Magnusstraße ist kurz gesagt ziemlich vermurkst. Die Stadt arbeitet an einer Lösung, präsentiert werden soll diese im November. Wohin die Reise gehen soll, möchte Celles Fahrradbeauftragter Andreas Jürß im Augenblick noch nicht verraten.

Widersprüchliche Hinweisschilder

Zusammen mit Wilhelm Eggers, verkehrspolitischer Sprecher des Celler ADFC, ist die CZ die Strecke abgefahren. Die erste Ungereimtheit, die allerdings wohl nur auswärtige Radfahrer verwirren dürfte, begegnet einem an der Ampel gegenüber der Altstädter Schule. Hier ist die Ausschilderung in Richtung Innenstadt widersprüchlich. Ein Schild mit grüner Schrift schickt die Radfahrer nach rechts, gleich zwei andere an einem Pfosten geradeaus. Fahrradbeauftragter Jürß kann darin kein Problem erkennen. "Die Schilder mit der grünen Schrift geben bundeseinheitlich nur die Hauptrichtung vor", erläutert er und lässt die Frage, ob man die Beschilderung nicht vielleicht doch vereinheitlichen möchte, offen.

Auf der anderen Straßenseite angekommen, werden die Radfahrer auf einen gemeinsamen Fuß-/Radweg nach rechts in Richtung Innenstadt geschickt. Eggers würde das Schild gerne weiter rechts aufgestellt wissen, so dass es den Radfahrern frontal ins Auge springt. Zudem möchte er einen Hinweis darauf, dass man hier mit Gegenverkehr rechnen muss, wie es auch in Gegenrichtung an der Ecke Langensalzaplatz ausgeschildert ist. Jürß möchte allerdings den Schilderwald in Celle nicht unbedingt weiter ausufern lassen. Sein Argument ist nicht ganz von der Hand zu weisen: "Wenn ich als Radfahrer auf der linken Straßenseite fahre, weiß ich eigentlich, dass mir andere Radfahrer entgegenkommen."

Im Gegenverkehr wird es eng

Der Gegenverkehr auf dem kurzen Stück zum Langensalzaplatz ist allerdings in der Tat ein großes Problem. Vor allem an der Stelle, wo durch ein etwa zehn Meter langes Metallgitter der doch eigentlich gemeinsame Fuß-/Radweg wieder getrennt wird. Der so genannte Schülerstopper soll verhindern, dass die Kinder vom Schulhof der Altstädter Schule unkontrolliert in den Radverkehr laufen. Doch das Drängelgitter verengt deutlich den gemeinsamen Fuß-/Radweg. Zumal die Radfahrer instinktiv auf dem auch durch die Pflasterung abgesetzten Teil an der Straße fahren.

Eggers' Idee: "Man könnte das Tor, durch das die Schüler gehen, weiter in Richtung Langensalzaplatz verlegen, wo der Fuß- und Radweg breiter ist. Dann bräuchte man das Drängelgitter gar nicht mehr." Oder kann man das Tor nicht einfach verschließen? Die Stadt hat mit der Altstädter Schule bisher nicht über das Thema geredet. "Möglicherweise ergibt sich eine Lösung, wenn die Sprachheilschule in die Altstädter Schule einzieht. Das Schultor zu verlegen, ist nicht so einfach und mit Kosten verbunden. Die Situation ist unglücklich, aber nicht ohne Weiteres zu lösen", sagt Jürß.

Zweimal über dieselbe Straße

Der Hauptknackpunkt ist allerdings die Abbiegeregelung für Radfahrer, die in Richtung Magnusstraße fahren wollen. Und so sieht es im Augenblick aus: Die Radler sollen die Straße Langensalzaplatz queren, am Ende der Einmündung dann auf einem rot markierten Fahrradstreifen nach links abbiegen und nach der Ausfahrt der Parkpalette links in die Magnusstraße abbiegen. Eggers hält das für absolut unpraktikabel. "Das kann man doch keinem plausibel erklären, dass man auf einer Strecke von vielleicht insgesamt 50 Metern zweimal dieselbe Straße überqueren muss."

Radfahrer biegen anders ab als gewünscht

Und die Realität gibt dem Vertreter des ADFC recht. Bei drei Ortsterminen direkt an dieser Stelle ist in insgesamt etwa 30 Minuten gerade einmal eine Radfahrerin so abgebogen, wie es gedacht ist. In der gleichen Zeit wählten grob geschätzt etwa 50 Radler einen anderen Weg. Sie sind auf dem mit roten Steinen gepflasterten Weg vor der Straße Langensalzaplatz abgezweigt. Doch eigentlich ist dieser Streifen für die Radfahrer aus der Magnusstraße und der Maulbeerallee in Richtung Sägemühlenstraße vorgesehen. Für Gegenverkehr ist hier eigentlich kein Platz.

Abbiegespur wegnehmen - mehr Platz für Radfahrer

Doch Eggers hat eine Idee: "Die Autos haben an der Einmündung Sägemühlenstraße zwei Abbiegespuren. Der Verkehr ist hier allerdings nicht so stark, dass die auch beide unbedingt benötigt werden. Man könnte daher die rechte Abbiegespur wegnehmen. Dann hätte man genug Platz für die Radfahrer."

Stadt will grundsätzlich nichts ändern

Doch Jürß scheint über diesen Vorschlag nicht begeistert zu sein. Er macht geltend, dass die Stadt darauf achten müsse, den Verkehrsfluss beim Einfahren auf die Sägemühlenstraße zu gewährleisten. "Wir untersuchen das gerade. Es gibt mehrere Überlegungen, im November werden wir etwas vorstellen. An der grundsätzlichen Verkehrsführung möchte ich aber eigentlich nichts ändern", sagt Jürß schon einmal. Das klingt erstmal nicht unbedingt danach, als würde sich die Stadt dem realen Verkehrsfluss der Radfahrer anpassen wollen.

Wer weitere Gefahrenstellen für Radfahrer kennt, kann diese an g.meinrenken@cellesche-zeitung.de schicken. Interessiert ist die CZ auch am Zustand der Radwege.

Weitere Teile der Serie "Radfahren in Celle" finden Sie hier .