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Celle Stadt Zahme Debatte über heikles Thema
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zahme Debatte über heikles Thema
19:17 09.05.2019
Von Svenja Gajek
Foto: Christopher Marschall, Lutz Krügener und Michael Staak (von links) referierten gestern in der Turnhalle der BBS III über Europa und beantworteten Fragen der Schüler.
Christopher Marschall, Lutz Krügener und Michael Staak (von links) referierten gestern in der Turnhalle der BBS III über Europa und beantworteten Fragen der Schüler. Quelle: David Borghoff
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Altenhagen

Diskussionen über die Europapolitik zu führen, ist äußerst schwierig. Oft fehlt einfach das Hintergrundwissen, um die komplexen Inhalte zu begreifen und Zusammenhänge zu erkennen. Auch am Hauptstandort der Albrecht-Thaer-Schule in Altenhagen wollte am Donnerstag bei der abschließenden Podiumsdiskussion zum EU-Projekttag kein intensives Streitgespräch entstehen.

Ausstellung zum Thema Europa

Dabei waren die Voraussetzungen für eine lebhafte Debatte ideal. Zunächst gab es einen Rundgang durch verschiedene Stationen einer Ausstellung, die von den Schülern vorbereitet worden war. Unterschiedliche Gesichtspunkte zum Thema Europa wurden dabei beleuchtet: Brexit, Erlebnisse angehender Erzieher im europäischen Ausland und den Umgang mit rechtsradikalen Tendenzen sind nur einige Beispiele der umfangreichen Bearbeitung.

Drei Experten aus Wissenschaft, Religion und Militär

Im Anschluss begrüßten die beiden Schulleiter Sibylle Bolurtschi und Helmut Ehrenberg ihre Ehrengäste Politikwissenschaftler Michael Staak von der HSU Hamburg, Pastor Lutz Krügener von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und Kapitänleutnant Christopher Marschall. Die drei Experten repräsentierten jeweils einen anderen Blickwinkel auf Europa. Sie sprachen über ihre Erfahrungen und beantworteten Fragen aus dem Publikum.

In Europa brodelt es

Immer wieder wurde die Bedeutung offener innereuropäischer Grenzen betont. Bereits in ihren einleitenden Worten verwies Bolurtschi darauf, dass diese Freizügigkeit nicht selbstverständlich sei. Europa werde herausgefordert durch die Flüchtlingskrise, die zunehmende Beliebtheit populistischer Strömungen und egoistischer Politik. Auch ein möglicher Krieg sei näher an ihnen, als es die Schüler vielleicht glauben mögen. „An vielen Stellen brodelt es in Europa, ob nun in Nordirland, in der Ukraine oder auf dem Balkan“, so Bolurtschi. Ihr Kollege Ehrenberg fügte hinzu: „Demokratie ist für viele Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden. Es darf nicht sein, dass bestimmte Personen nun das Grundgesetz in Frage stellen.“

Diskussion kommt nicht in Gang

Für Staak gab es vier wesentliche Punkte, die Europa im Moment beschäftigen: Arbeit, Klima, Migration und den Wegfall der USA als sicherer Verbündeter. „Es wird sich zeigen, ob Europa in der Lage ist, als eigenständiger Akteur in der Weltpolitik zu bestehen“, sagte Staak. Unterschiedliche Ansichten gab es bei Krügener und Marschall. „Europa gibt zu viel Geld für die Verteidigung aus. Eine finanzielle Unterstützung humanitärer Projekte wäre sinnvoller“, so Krügener. Marschall ging jedoch kaum darauf ein und betonte den politischen Auftrag des Militärs: „Der Außenhandel verlangt sichere Seewege.“

Alexandra Elvers bedauerte, dass sich keine richtige Diskussion entwickelte. „Es war viel Gerede ohne wirklichen Austausch“, sagte die 19-Jährige.

Marie Nehrenberg-Leppin 09.05.2019
Christian Link 09.05.2019
Christoph Zimmer 09.05.2019