Streit über Umweltschutz

Westerceller Feuerwehr-Pläne: BUND erwägt Klage

So geht der Streit um den Neubau der Westerceller Feuerwehrwache weiter: Klagt jetzt der BUND?

  • Von Michael Ende
  • 10. Sept. 2020 | 14:05 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 10. Sept. 2020 | 14:05 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Westercelle.

Für die einen ist der Bauplatz für das neue Westerceller Feuerwehrhaus jetzt schon verbrannte Erde, für die anderen der einzig passende Standort. Letztere, nämlich die Politiker, votierten jetzt in der Sitzung des Westerceller Ortsrates einstimmig für den Bau der Wache an genau dieser Stelle auf dem Reitvereins-Gelände an der Hannoverschen Heerstraße. Erstere saßen dabei im Publikum und kündigten hinterher an, dass sie darüber nachdächten, gegen die städtische Planung zu klagen.

Ortsrat für Neubau an dieser Stelle

In den Reihen des Ortsrates herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass die neue Feuerwache genau an diesem Ort goldrichtig geplant sei . Dass dafür auch Bäume gefällt werden müssten, wolle die Stadtverwaltung mehr als nur ausgleichen, betonte Ortsbürgermeister Reinhold Wilhelms (SPD): "Die Stadt wurde sogar gefragt, warum denn so viel Waldausgleichsfläche angelegt werden soll."

Übertrieben? Stadt pflanzt mehr Bäume als erforderlich

Damit meinte Wilhelms die Stellungnahme der Niedersächsischen Landesforsten, die es als "nachvollziehbar" einstufen, dass für das Vorhaben 2600 Quadratmeter Wald in Anspruch genommen werden. Doch von den Landesforsten kommt auch Kritik: Laut Waldgutachten sei eine flächengleiche Ersatzaufforstung angemessen: "Irritierend ist aber, dass in der Planbegründung ein Kompensationsfaktor von 1,7 und damit eine Ersatzaufforstung von 4378 Quadratmetern angegeben werden. Das ist erheblich mehr als waldrechtlich notwendig wäre." Die Landesforsten sind also der Meinung, dass die Stadt zu viele neue Bäume pflanzen wolle. Die Celler Stadtverwaltung hält dagegen: "Auch wenn die festgesetzten Waldausgleichsflächen größer sind als vom Gutachter errechnet, behält die Stadt die Flächengröße bei, um dadurch den Beschluss Klima in Not zu berücksichtigen."

Zu viele sind nicht genug: BUND will noch mehr Bäume

Dem hiesigen BUND reicht das nicht: Er sieht auch den Kompensationsfaktor von "nur 1,7" als zu gering an und bittet um eine Vergrößerung der Kompensationsfläche. "Wir sind in keinster Weise gegen die Feuerwehr oder ein neues Gerätehaus, sondern gegen den geplanten Standort", betonte BUND-Sprecherin Helga Habekost, die sich in den vergangenen Jahren als eine der rührigsten BUND-Aktivistinnen gegen den Bau der Celler B3-Ostumgehung einen Namen gemacht hat. Ähnlich wie entlang der neuen Schnellstraße sieht der BUND auch auf dem Feuerwehr-Gelände Fledermäuse in Gefahr: "Durch die bau- und betriebsbedingten Störungen werden Vielfalt und Lebensräume von mehr als zwölf Fledermaus-Arten und mindestens acht Vogelarten vergrämt werden: ein Biotop zerstört." Und dass die Stadt Ameisenvölker bereits habe umsiedeln lassen, sei auch nicht in Ordnung, so Habekost.

Ratsbeschluss für Anfang Oktober geplant

Dem hielt die Verwaltung entgegen, dass die kürzliche Umsiedlungs-Aktion zu einem "vielleicht nicht idealen, aber vertretbaren" Zeitpunkt stattgefunden habe. Nachdem die Ameisen fort seinen, könne man sich im Winter ans Fällen der Bäume machen. Der Ortsrat empfahl dem Stadtrat, den Bebauungsplan zu beschließen. Das solle am 8. Oktober geschehen, hieß es. Ob der BUND etwas dagegen unternehmen wolle, sei noch nicht geklärt, so Habekost: "Wir erwägen eine Klage. Entschieden haben wir es noch nicht."