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Celle Stadt Ostumgehung in Gefahr?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ostumgehung in Gefahr?
14:18 13.06.2010
Von Michael Ende
Celle Stadt

Unantastbar – so soll die Trassenführung der B3-Ostumgehung nach dem Willen derer sein, die sich für dieses wichtigste Verkehrsinfrastrukturprojekt der Stadt stark machen. Änderungswünsche seien tabu, da sie das ganze Vorhaben akut gefährden könnten, heißt es. Als Neu-Celler hat Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende derlei Berührungsängste nicht. Schon im Wahlkampf hatte er sich mit der „Interessengemeinschaft Alternative Ostumgehung“ getroffen, die die geplante Trasse im Mittelabschnitt zwischen B214 und B191 noch „abbiegen“ wollen – um Lachtehausen und Altenhagen herum. Die behördlichen Straßenplaner lehnen diese Idee strikt ab – doch Mende findet sie interessant, ja sympathisch. Damit stößt er in ein Wespennest.●„Optimierungsvorschläge“: „Ich werde mich dafür einsetzen werde, dass ihre Alternative eingehend geprüft wird“, hatte Mende im Februar gegenüber Mitgliedern der Lachtehäuser Initiative erklärt. „Solange die Planungen nicht abgeschlossen sind, sollten Optimierungsvorschläge ernsthaft einbezogen werden. Eine Prüfung drängt sich hier auf.“ In diesem Sinne habe Mende jetzt bei den Straßenplanern vorgesprochen, so der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer: „Da die Stadt Celle nicht Herr des Verfahrens ist, sind die Möglichkeiten zur Einflussnahme klar umrissen. Dennoch hat Herr Mende die aus seiner Sicht nachvollziehbaren Überlegungen der Bürger vor Ort sehr ernst genommen und der Straßenbauverwaltung vortragen lassen. Der Oberbürgermeister hat immer wieder betont, dass die Realisierung der Ostumgehung oberste Priorität besitzt.“ Die Stadt werde alles vermeiden, was das Verfahren gefährden könnte.●„Töricht“: Genau das habe Mende nicht getan, sagt hingegen der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Heinrich Langspecht: „In Hannover sorgt das Vorgehen des Celler OBs für Empörung. Es wäre töricht, jetzt noch einmal dieses Fass aufzumachen, nachdem sich die Stadt Celle schon im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens klar für die Umgehungs-Planung positioniert hat.“ Es gebe einen Konsens zwischen den Akteuren auf kommunaler, Bundes- und Landesebene, der ganz klar besage, dass man an der Trassenführung „nicht mehr rütteln“ dürfe, so Langspecht: „Alles andere wäre katastrophal.“Anfang 2011 solle der erste Spatenstich für den Mittelteil vorgenommen zu werden, so Langspecht: „Wir sind gerade dabei, die Finanzierung zu sichern. Wenn man jetzt im Bundesverkehrsministerium davon Wind bekommt, dass die Celler nicht hinter ihrer Umgehung stehen und stattdessen an Alternativen basteln, dann könnte man dort auf den Gedanken kommen, zu sagen: Also, wenn Ihr putzigen Celler nicht wisst, was Ihr wollt, dann geben wir das Geld doch lieber an anderer Stelle aus – dort, wo die Menschen eine Straße haben wollen. Das wäre verheerend.“●„Schluss mit lustig“: „Jetzt über Alternativrouten nachzudenken, ist risikoreich“, meint der Celler FDP-Landtagsabgeordnete Jörg Bode. Schon die kleinste Abweichung könnte den Stillstand bedeuten: „Und dann wäre Schluss mit lustig.“ Allerdings seien rein rechtlich die Einflussmöglichkeiten der Stadt relativ gering, so Bode, der den schlimmsten Fall nicht an die Wand malen möchte: Den, in dem sich die Stadt auf die Seite der Lachtehäuser Initiative schlüge, die bereits einen Rechtsstreit gegen die Umgehung vorbereitet. Bode: „Die Stadt will doch nicht etwa auch klagen, oder?“KOMMENTARRisikoSollte es tatsächlich so sein, dass Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende in seinem Hause Alternativen zur derzeitigen Ostumgehungs-Planung prüfen lässt und diese propagiert, so wäre das ein Spiel mit dem Feuer. Noch im Januar hatte Umgehungs-Planer Bernd-Wilhelm Winkelmann klipp und klar gesagt, dass jeder, der die Trasse „auch nur um einen Zentimeter“ verschieben wolle, das gesamte Projekt akut gefährden würde.Wenn sich Mende mit den Bedenken der Lachtehäuser, die eine alternative Route in ihrem Bereich fordern, vorbehaltlos auseinander setzt, ist das in Ordnung. Sollte er sich allerdings vor den Karren dieser Initiative spannen lassen, dann sollte er wissen, dass er sich so zum Zugpferd einer Bewegung machen würde, deren Erfolg zum Stillstand führen könnte: zum Stopp der Ostumgehung vor der Allerquerung. An diesem Fluss ist Celles wichtigstes Verkehrsvorhaben schon einmal gescheitert. Eine Wiederholung dieses Fiaskos wäre fatal für die Stadt, in der die schweigende Mehrheit der Bürger die Umgehung will – ohne wenn und aber.