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Celle Stadt Ostumgehung: OB Mende zieht den Kopf ein
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ostumgehung: OB Mende zieht den Kopf ein
13:25 13.06.2010
Von Michael Ende
Der Celler Knoten, nach dem Celler Loch ein weiterer Begriff für das Geschichtslexikon. Karikatur: Frassl
Der Celler Knoten, nach dem Celler Loch ein weiterer Begriff für das Geschichtslexikon. Karikatur: Frassl Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Wer – nichts Böses ahnend – in ein Wespennest greift, der zieht in der Regel ganz schnell die Hand zurück, wenn es die ersten Stiche setzt. Nicht anders geht es Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende, der nach seinen Sympathiebekundungen für die Lachtehäuser „Interessengemeinschaft Alternative Ostumgehung“, von stechlustigen Umgehungs-Befürwortern umschwärmt wird. Nachdem Mende kürzlich noch den Ostumgehungsplanern ein „Plant ordentlich!“ mit auf den Weg gegeben hat, zieht er jetzt den Kopf ein: Die ganze Aufregung um seine Intervention sei unbegründet, lässt Mende mitteilen – und natürlich planten die Straßenplaner ordentlich.

Keine Bedenken: „Die vorgelegten Unterlagen entsprechen den im Arbeitskreis abgestimmten Ergebnissen, generelle Bedenken bestehen deshalb nicht.“ So lautet der Kernsatz der offiziellen städtischen Stellungnahme zum dritten Bauabschnitt der Ostumgehung zwischen B214 in Altencelle und B191 bei Altenhagen, die der Verwaltungsausschuss im Mai 2008 unter Mendes Vorgänger Martin Biermann abgegeben hatte. Lediglich zu den Ausbauplänen von Radwegen und Straßen, die die Trasse kreuzen, hatte die Stadt Anmerkungen gemacht – von Kritik an der Trasse selbst keine Spur.

„Kein Zweifel“: Erst Mende hatte jetzt mit laut gedachten Überlegungen, man könne die Trasse doch noch weiter an die Peripherie schieben, den Zorn all derer auf sich gezogen, die seit Jahren für die Ostumgehung gekämpft haben. Jetzt rudert er zurück. „Für den OB gibt es keinen Zweifel, dass die Ostumgehung kommen muss. Sie darf nicht verzögert werden“, so der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer. „Die Stadt hat eine abschließende und eindeutige Stellungnahme zum Verfahren abgegeben. An dieser Stellungnahme hält sie fest. Ein verwaltungsinternes Prüfverfahren für eine andere Trasse gibt es allen Gerüchten zum Trotz nicht.“ Auf Seiten der Stadt bestünden „keine Zweifel an der Planungskompetenz der Straßenbauverwaltung“ – schon gar nicht wolle sie jemand belehren.

Anfängerfehler: Im Stadtrat wertet man Mendes „bürgernahes“ Techtelmechtel mit den Umgehungs-Gegnern als Fauxpas, als Anfängerfehler. „Herr Mende meint es ganz ehrlich“, sagt CDU Ratsherr und Vorwerks Ortsbürgermeister Joachim Hartig. Leider sei aus Mendes Bürgernähe in diesem Fall ein „Störfeuer“ geworden: „Er hat in Lachtehausen Hoffungen geweckt, die nicht erfüllbar sind. Die Ostumgehung wird gebaut wie geplant. Vielleicht sollte man das Projekt allerdings östliche Entlastungsstraße nennen – dann würde nicht mehr suggeriert, die neue Straße müsse ganz Celle umfassen.“

„Schädlich“: FDP-Fraktionschef Joachim Falkenhagen hat für die überraschende Ostumgehungs-Diskussion nur fünf Wörter übrig: „Schädlich für die gesamte Stadt.“

„Was soll das Ganze?“, fragt sich Georgia Langhans (Grüne): „Wenn sich die Umgehungs-Befürworter in heller Aufregung befinden, nur weil einer mal wagt, Fragen zustellen, dann zeigt das auch, auf welch tönernen Füßen das Projekt steht. Aber jetzt über einen neue Trassenführung nachzudenken, hat auch keinen Zweck.“ Die Grünen hielten die angekündigte Klage der Naturschutzorganisation BUND – „nicht die der Lachtehäuser Initiative“ – für berechtigt, so Langhans: „Und wenn das entschieden ist, dann wird man weitersehen.“

Meinung

Gut gemeint

„Das Gegenteil von gut ist nicht schlecht, sondern gut gemeint“ – so lautet eine der Weisheiten, die OB Dirk-Ulrich Mendes Amtsvorgänger Martin Biermann immer gerne zum Besten gab. Sie trifft auch auf die eben noch praktizierte oberbürgermeisterliche Bürgernähe zu den Lachtehäuser „Straßenkämpfern“ zu. Ehe sich Mende versah, hatte er bereits einen Fuß in deren Boot gesetzt. Gerade noch hat er jetzt verhindert, von der Initiative das Ruder in die hand gedrückt zu bekommen oder gar als Widerstands-Galionsfigur instrumentalisiert zu werden. Man stelle sich vor, Mende verhielte sich eben so zutraulich, wenn ihn etwa Menschen, die sich Häuser in der gesetzlich vorgeschriebenen Einflugschneise des Wietzenbrucher Fliegerhorstes gekauft haben, zu sich nach Hause einlüden und sich über knatternde Hubschrauber beschwerten. Auch dort könnte falsch verstandene Bürgernähe für jede Menge zerschlagenes Porzellan sorgen.

Mende dürfte diese Lektion gelernt haben: Gut gemeint – etc.