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Celle Stadt Organist hinterlässt starken Eindruck
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Organist hinterlässt starken Eindruck
13:08 13.06.2010
Stadtkantorei singt Bach: "Jesu, meine Freude"
Stadtkantorei singt Bach: "Jesu, meine Freude" Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

„Jesu, meine Freude“ – Musikalische Andacht zur Sterbestunde Jesu, als solche wurde die nachmittägliche Veranstaltung in der Celler Stadtkirche St. Marien angekündigt. Die Motette „Jesu, meine Freude“ von Johann Sebastian Bach stand auf dem Programm, dazu noch Orgelmusik desselben Komponisten, von Felix Mendelssohn-Bartholdy und einer choralgebundenen Improvisation des Organisten Johannes Kruse.

Im Vorfeld wurde seitens Kirchenmusikdirektor und Dirigent Martin Winkler darauf abgehoben, dass es sich bei dieser Veranstaltung nicht um ein Konzert, sondern um eine Andacht handele. Was er mit dieser Einordnung würde bezwecken wollen, wurde im Verlauf der Andacht erkennbar, denn so recht hatte die wohl berühmteste Motette des Leipziger Thomaskantors noch nicht die Konzertreife erreicht. Drum verbietet es sich auch aus dieser Aufführung Schlüsse daraus zu ziehen, wie es um den Leistungsstand der Celler Stadtkantorei bestellt ist. Vielleicht wurde auch deshalb dieser Chor dann im Handzettel für die reichlich erschienenen Andachtsbesucher gar nicht als Stadtkantorei sondern als „ein Chor der Stadtkantorei“ tituliert.

Es war offensichtlich, dass ein beträchtlicher Teil der Sänger an diesem Nachmittag nicht dabei war. So fehlte dem Chor in der Tiefe die Substanz, um gegen die Übermacht der Frauenstimmen bestehen zu können. Das war in zweierlei Hinsicht ungünstig: Erstens fehlt dadurch die rechte Klangbalance. Zweitens fielen so die Intonationsmängel der Soprane umso stärker auf. Und über gelegentliche Unsicherheiten bei den Einsätzen aller Stimmen hätten man auch leichter hinweghören können, wenn in Bass und Tenor mehr Klangmasse vorhanden gewesen wäre. Dirigent Martin Winkler machte es seinem Chor allerdings auch nicht leicht, denn er platzierte ihn weit hinten im Altarraum und man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass so ein Teil der Chorklanges gar nicht ins Kirchenschiff herüberkam. Keine Frage aber: Für eine Aufführung des Stückes in einer Andacht war die Darbietung eine gelungene Sache.

Sehr beachtliches, absolut konzertreifes Niveau zeigte Organist Johannes Kruse an der Stadtkirchenorgel. Seine Stückauswahl war zwar nicht gerade glücklich, denn das Herauslösen zweier Orgelwerke wie das Adagio in C aus BWV 564 aus dem Zusammenhang mit vorangehender Toccata und nachfolgender Fuge ist noch fragwürdiger als das Weglassen des Präludiums aus Bachs BWV Es-Dur-Werkpaar BWV 552 aus der Orgelmesse. Aber wie Kruse die Tripelfuge dieses Stücks interpretierte, dass hatte Format. Da stimmten die Tempoproportionen genauso wie die Artikulation und Phrasierung. Ähnlich gut gelang ihm die a-moll-Fuge aus BWV 543, wobei man das nach einem anfangs zu zögerlich genommenen Präludium gar nicht unbedingt erwartet hätte. Ein starker Eindruck.

Von Reinald Hanke