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Celle Stadt Opfer des eigenen Erfolgs – Kleine Hofmusik vor dem Aus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Opfer des eigenen Erfolgs – Kleine Hofmusik vor dem Aus
15:03 13.06.2010
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

So recht wollten die Mitglieder des Kulturausschusses am Dienstagabend nicht begreifen, was ihnen Susanne McDowell, Fachbereichsleiterin Kultur, gerade erklärt hatte. „Habe ich das richtig verstanden, die Kleine Hofmusik läuft sehr gut und deshalb wird sie jetzt abgeschafft?“, fragte Ruth Schimmelpfeng-Schütte noch einmal nach. „Der Charakter hat sich verändert“, erläuterte McDowell.

Das Thema war auf die Tagesordnung geraten, als die Mitglieder des Kulturausschusses das Konsolidierungskonzept für den Celler Haushalt durchsprachen. Unter „Verzicht auf eine kleine Hofmusik“ war dort eine Ersparnis von 5000 Euro eingetragen. Die Ausschussmitglieder waren von der beabsichtigten Einstellung der Veranstaltungsreihe überrascht.

2005 war die Kleine Hofmusik in den Sommermonaten gestartet. Doch die kuscheligen Konzerte, die in heimeligen Hinterhöfen ein kleines Publikum erfreuten, waren zu erfolgreich, ließ sich McDowell vernehmen: „Die kleine Hofmusik hat eine Eigendynamik angenommen aufgrund des Erfolges.“ Immer mehr Besucher waren gekommen, dadurch brauchte man immer mehr Mobiliar. Schließlich war das Publikum so zahlreich erschienen, dass eine Tonanlage nötig wurde. Die Künstlergruppen wurden größer, die Höfe zu eng.

„Der kleine, improvisierte Charakter der Veranstaltung ging verloren“, meinte McDowell. Finanzielle Folge: Die 5000 Euro reichen für die Organisation und Durchführung der Kleinen Hofmusik nicht mehr aus.

Im Kulturausschuss war das Bedauern groß. Schimmelpfeng-Schütte wusste zu berichten, dass einige Leute extra wegen der Kleinen Hofmusik nach Celle gekommen waren. Die Veranstaltung sei gut für das Image der Stadt. Ausschussvorsitzende Amei Wiegel (SPD) schlug vor, ob man nicht die Eintrittsgelder erhöhen könne. Doch bei insgesamt 1300 Besuchern und einem Ticketpreis von 5 Euro müsste man den Preis für die Karten fast verdoppeln, um die Kosten zu decken. Damit würde man sich allerdings nicht mehr unbedingt im Bereich eines niedrigschwelligen Angebots befinden.

1. Stadträtin und Kämmerin Susanne Schmitt machte auf die prekäre Haushaltslage, in der sich die Stadt befindet, aufmerksam: „Kultur muss stattfinden, Kunst muss stattfinden, aber von den Einsparungen sind alle betroffen.“ Ersatzlos gestrichen werden soll die Kleine Hofmusik übrigens nicht. Das kommende Jahr will die Stadt nutzen, um sich ein Konzept für eine andere Veranstaltungsreihe auszudenken, kündigte McDowell an.