Neuer Biergarten in Celle

Innenhof ist Schmuckstück von "Altenceller Tor"

Bernard Heuberg hat an der Altencellertorstraße eine Pension mit Biergarten eröffnet. Er hat viele Ideen, doch so einfach wie er dachte, ist es nicht.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 28. May 2022 | 12:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 28. May 2022 | 12:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Eigentlich war alles ein riesengroßer Zufall. Bernard Heuberg war mit seiner Mutter, die aus Südwestdeutschland zu Besuch in Celle war, in der Altstadt unterwegs. An der Altencellertorstraße blieb ihr Blick an einem Haus hängen, welches zum Verkauf stand. „Wir entschieden spontan, einfach mal zu gucken“, erinnert sich der 49-Jährige. „Später saßen wir dann gemeinsam im Restaurant und meine Mutter sagte: Du hast so gestrahlt und warst so glücklich, du solltest das machen.“

Erst zwei Jahre Gastro-Erfahrung

Seit zwei Jahren arbeitet Heuberg, vorher 30 Jahre in einer anderen Branche tätig, in der Gastronomie. Er managte in dieser Zeit zwei Innenstadthotels. „Ich habe gemerkt, dass das wirklich voll mein Ding ist“, sagt er. „Trotzdem habe ich meine Mutter zunächst nicht richtig ernst genommen, ich hatte ja auch gar nicht das Geld.“ An diesem Punkt kam dann allerdings seine Schwester ins Spiel. „Sie rief mich eines Abends an und sagte mir, dass sie auf ihren Teil des Erbes verzichten würde, damit ich mir meinen Traum erfüllen kann.“

Innenhof in gemütlichen Biergarten verwandelt

Es war also beschlossene Sache. Es folgte eine Teil-Renovierung und die Gestaltung des eigentlichen Herzstücks. „Der Innenhof ist ein Traum und ich wusste sofort, dass ich hier einen kleinen Biergarten erschaffen möchte“, sagt Heuberg. „Wir haben dort zum Beispiel einen alten Brunnen. Den von gefühlt hunderten Schichten Moos zu befreien, war eine Mammutaufgabe. Aber es hat sich gelohnt, wir haben schon viel positives Feedback für unseren Biergarten bekommen.“ Bereits seit Anfang April hat das „Altenceller Tor“ nun geöffnet.

Schwierige Lage in Celler Altstadt

Trotz aller Euphorie und Leidenschaft hat die plötzliche Selbstständigkeit auch so seine Schattenseiten. „Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer wird“, gibt der gebürtige Schwabe, der seit 2013 in Celle lebt, zu. „Die Ecke der Altstadt haben viele nicht so auf dem Schirm, dabei ist die Lage eigentlich spitze. Außerdem kann man von außen kaum erahnen, dass sich im Hinterhof tatsächlich ein Biergarten versteckt. Und um für unsere Apartments, die wir ebenfalls vermieten, übers Internet Buchungen zu bekommen, brauchen wir erstmal einen Anfang. Wenn wir erstmal ein paar positive Bewertungen haben, wird es hoffentlich einfacher.“

Personalmangel in Gastronomie als großes Problem

Ein weiteres Problem: Es mangelt an Personal. „Ich bin immer noch auf der Suche nach einem Koch“, sagt Heuberg. „Wir wollen auf die schwäbische Küche setzen, ich komme ja von dort unten. Aber bislang war unsere Suche vergebens.“ Er selbst steht deswegen mit in der Küche, um zumindest Snacks für den Biergarten zuzubereiten. „Ich mache aktuell jeden Tag frischen Kartoffelsalat und wir bieten Brot mit Dips an. Mehr kann ich selbst nicht leisten. Nach mehreren Bandscheibenvorfällen ist acht Stunden Stehen in der Küche leider unmöglich.“ Aktuell unterstützt ihn die Hausdame als Aushilfsköchin.

Kaiserbier aus Baden Württemberg als Rarität im Norden

Doch den Kopf in den Sand zu stecken, daran denkt der frisch gebackene Gastronom trotzdem keine Sekunde lang. „Ich habe ja auch tagtäglich kleine Erfolgserlebnisse. Im Altenceller Tor gibt es zum Beispiel exklusiv außerhalb von Baden Württemberg Kaiserbier. Das war in meiner Jugend mein Lieblingsbier und eigentlich liefern die nicht nach Norddeutschland“, erzählt er. „Ich konnte sie aber überzeugen. Jetzt können alle Celler gerne probieren kommen.“