Soziale Einrichtung

Impfdrängelei: Lobetalkommt nicht zur Ruhe

Nach unberechtigten Impfungen steht derLobetal-Aufsichtsrat weiter in der Kritik.Jetzt fordernMitgliedereine Versammlung. Neuwahlen stehen im Raum.

  • Von Benjamin Behrens
  • 17. Mai 2021 | 17:34 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 17. Mai 2021 | 17:34 Uhr
  • 14. Juni 2022
Anzeige
Celle.

Bei der Lobetalarbeit kehrt nach der Diskussion um unberechtigte Impfungen für Teile des Aufsichtsrats keine Ruhe ein. Jetzt fordern mehrere Mitglieder die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, um offene Fragen zu den Vorwürfen zu beantworten. So sei etwa offen, ob sich unter den fünf geimpftem Aufsichtsratsmitgliedern Personen befanden, die bereits über die Warteliste des Landes einen Impftermin hatten. Außerdem sei die Frau eines Aufsichtsratsmitgliedes geimpft worden, obwohl sie als Ehrenamtliche keinen direkten Kontakt zu Bewohnern habe, so der Vorwurf.

Vertrauensfrage für Aufsichtsrat?

Zudem müsse geklärt werden, ob „der Aufsichtsrat noch das Vertrauen der Mitgliederversammlung hat oder nicht“, heißt es in einem Schreiben, dass der Redaktion vorliegt. Falls nicht, stünde eine Neuwahl im Raum. Lobetal hatte auf CZ-Anfrage bestätigt, dass fünf Mitglieder des Aufsichtsrates geimpft worden seien, obwohl sie keinen Kontakt zu Bewohnern haben. „Wir waren sehr froh, den Ehrenamtlichen, nach Rücksprache mit dem Celler Impfzentrum, eine Impfmöglichkeit in Lobetal anbieten zu können“, teilte Ulrike Drömann, theologischer Vorstand der Lobetalarbeit, gegenüber der CZ schriftlich mit. Den Impftermin habe man „nach Rücksprache mit dem Celler Impfzentrum“ anbieten können, heißt es in dem Schreiben vom 6. Mai.

Vorwurf: Geimpfte wussten von Unrechtmäßigkeit

Im aktuellen Anschreiben eines Mitglieds an den Aufsichtsrat wird der Vorwurf erhoben, die fünf geimpften Mitglieder hätten eindeutig Kenntnis davon gehabt, dass die Impfung nicht zulässig sei. Zudem habe die Diakonie Niedersachsen bereits Anfang März deutlich Stellung gegen Impfdrängelei bezogen.

Diakonie informierte im März über Auslegung der Impfverordnung

Das deckt sich mit einer Stellungnahme von Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen gegenüber der CZ aus der vergangenen Woche. „Wir haben unsere Mitglieder mehrfach und umfassend über die Impfverordnung und deren Auslegung informiert, zuletzt Anfang März dieses Jahres“, teilte Lenke am 6. Mai mit.

Zwei Aufsichtsratsmitglieder lehnten Impfung ab

Zwei Mitglieder des Aufsichtsrates haben das Impfangebot abgelehnt: der Landtagsabgeordnete Thomas Adasch (CDU) und Andrea Burgk-Lempart, Superintendentin des Kirchenkreis Celle. Adasch hatte zudem Anfang April bei seiner Landtagsfraktion um eine Einschätzung gebeten. „Da Abgeordnete für die regulären Impfungen noch nicht vorgesehen sind, rät mir meine Fraktionsspitze in Hannover auf Nachfrage ausdrücklich ab. Die Begründung mit der ehrenamtlichen Aufsichtsratstätigkeit würde den kritischen Bürger nicht überzeugen und möglicherweise zu Ärger führen. Das möchte ich auch im Interesse der Lobetalarbeit vermeiden“, schrieb Adasch in einer E-Mail vom 8. April an Aufsichtsrat und Vorstand. „Um weiteren Schaden von der Lobetalarbeit abzuwenden, sollte es jetzt um die Übernahme von Verantwortung und daraus resultierenden persönlichen Konsequenzen gehen“, forderte Adasch am Montag.

"Einhaltung der Impfreihenfolge ist sinnvoll"

„Ich halte die Einhaltung der Impfreihenfolge für sinnvoll", sagt Andrea Burgk-Lempart. "Damit für besonders schutzbedürftige Personen und für Menschen, für die ein hohes Ansteckungsrisiko besteht, genügend Impfstoff vorhanden ist. Beide Punkte treffen auf mich nicht zu. Ich bin Anfang 50, habe keine Vorerkrankungen und bin schlicht noch nicht an der Reihe. Deshalb habe ich das Impfangebot abgelehnt.“ Pastoren im Kirchenkreis, die über Seelsorge oder Beerdigungsgespräche viel mehr direkten Kontakt zu Menschen hätten, müssten sich noch gedulden. „Da wäre es nach außen schwer vermittelbar, wenn ich mich als eine der ersten hätte impfen lassen“, so Burgk-Lempart.

Lobetal bestätigt Impfung für Ehefrau und doppelte Impftermine

„Wie bereits geschrieben, wurde die Frau eines Aufsichtsratsmitglieds geimpft. Sie ist ehrenamtlich als Besuchspatin tätig“, bestätigt Lobetal-Sprecher Markus Weyel. „Der Vorstand hat die Position des Diakonischen Werkes am 4. Mai, also nach dem Termin der Erstimpfung, an den Aufsichtsrat weitergegeben. Einige Aufsichtsratsmitglieder hatten aber schon vor dem Impftermin eine Impfung in Lobetal abgelehnt und dies auch mitgeteilt“, so Weyel weiter. Einige Aufsichtsratsmitglieder hätten bereits Impftermine oder die Benachrichtigung dazu gehabt, aber zugunsten einer Impfung bei Lobetal verzichtet. Zum dort angebotenen Impfstoff könne man keine Angaben machen.

Diskurs wird "intensiv im Aufsichtsrat geführt"

Der Diskurs um das Impfen werde insbesondere im Aufsichtsrat "intensiv geführt", sagt unterdessen Ulrike Drömann. Am 28. Mai werde es in einer Videokonferenz von Aufsichtsrat und Vorstand für Vereinsmitglieder die Möglichkeit geben, Fragen dazu zu stellen. „Darüber hinaus hoffen wir, dass in diesem Jahr auch noch eine Mitgliederversammlung mit persönlicher Präsenz stattfinden kann."