NPD provoziert wieder

Für eine Handvoll Neonazis

Fünf Rechtsextremisten haben für einen riesigen Polizeieinsatz in Eschede gesorgt. Die Gegendemo blieb friedlich. Vor Hof Nahtz gab es aber Gerangel.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 20. Sept. 2020 | 20:06 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 20. Sept. 2020 | 20:06 Uhr
  • 14. Juni 2022
Anzeige
Eschede.

Die Provokationen der NPD in Eschede gehen weiter. Am Samstag sind wieder fünf Rechtsextremisten durch Eschede marschiert und haben klar gemacht, dass sie den Streit mit den Nazigegner im Ort weiter eskalieren lassen wollen. Unbeeindruckt davon protestierten mehr als 200 Menschen aus der Gemeinde gegen die Verfassungsfeinde und ihre Versuche, die Dorfgemeinschaft zu spalten und einzuschüchtern.

Keine Antifa bei Gegendemo

Nach dem rabiaten Auftreten von Antifa-Aktivisten bei der NPD-Demo im Juni waren die Ordnungshüter in Eschede erneut mit einem Großaufgebot zur Stelle. "Insgesamt waren 231 Polizisten im Einsatz", sagt ein Behördensprecher auf CZ-Anfrage. Nachdem diesmal aber kein Schwarzer Block von außerhalb in die Südheide reiste, erlebten die Bereitschaftspolizisten eine friedliche Veranstaltung. Erst danach kam es zu einer Rangelei vor Hof Nahtz: Die Polizei musste fünf Männer davon abhalten, im Beisein der Beamten auf drei Journalisten loszugehen.

Polizei ermittelt gegen Männer von Hof Nahtz

"Vor Ort befindliche Einsatzkräfte konnten eine Eskalation verhindern", sagte Hauptkommissar Thilo Pattberg von der Polizei Celle am Sonntag. Nach Befragung der Beteiligten und Auswertung des Bildmaterials eines Fotojournalisten wurden Ermittlungen wegen Bedrohung, Beleidigung und versuchter Körperverletzung eingeleitet. "Ist das Ihr Stil, hier die Presse anzugreifen?", fragt der Journalist in einem Video zu dem Vorfall. "Das ist unser Stil, dass wir so ein Drecksvieh wie dich wegkriegen", antwortet anderer NPD-Anhänger, während er von einem Polizisten zurückgehalten wird. "Jetzt heul' nicht gleich, wenn du hier zum Provozieren herkommst", kommentiert Sebastian Weigler.

Zuvor hatte Weigler, Chef der norddeutschen NPD-Nachwuchstruppe "Junge Nationalisten", unter massivem Polizeischutz allerdings selbst wieder gegen Escheder gepöbelt. Marlon Gollnisch bezeichnete Weigler als "Wichtigtuer". Zudem drohte er mit weiteren Flugblatt-Verteilaktionen. "Wir sind durchaus kreativ, wir können uns auch drei, vier mal vor die Schulen hier stellen und dort anfangen, um Leute zu werben", sagte Weigler. Auf Nachfrage, ob damit Eschedes einzige Schule, die Grundschule am Glockenkolk, ruderte der Braunschweiger allerdings wieder zurück.

NPD-Kundgebungen ohne Publikum

"Es ist erstaunlich, was vier oder fünf Leute hier für einen Polizeiaufwand verursachen", kommentierte Paul Reich den NPD-Umzug. Der Escheder sei durchaus bereit, mit der NPD zu diskutieren. "Aber das her ist keine politische Auseinandersetzung, das ist Karneval", kritisierte Reich die Veranstaltung der Rechtsextremisten, die ihre Kundgebungen ohne Publikum abhielten.

Die NPD hatte ihrem Auftritt den Titel „Dorfgemeinschaft statt linker Hetze“ gegeben – blanker Hohn aus Sicht von Rudi Peters aus Scharnhorst. "Der NPD ist die Dorfgemeinschaft völlig egal. Die kommen von irgend wo her, setzen sich hier rein und denken, sie haben die Deutungshoheit", sagte Peters. Auch Helfried Brinken, der schon seit 37 Jahren in Eschede lebt und sich in Vereinen und als Lokalpolitiker für die Gemeinde engagiert, betonte: "Ich habe hier noch keinen Ehrenamtlichen der NPD in der Dorfgemeinschaft gesehen."

In einer emotionalen Rede vor den mehr als 200 Gegendemonstranten am Bahnhof sagte Brinken: "Die Propaganda, die die NPD hier veranstaltet, ist nicht gefährlich. Die will keiner hören." Aus Sicht des SPD-Ratsmitglieds dürfe man den Rechtsextremisten das Demonstrationsrecht nicht verwehren, aber man müsse ihnen entgegentreten. "Die Mehrheit der Escheder spricht sich ganz deutlich gegen die Aktivitäten der NPD im Dorf aus", betonte Brinken und verwies auf die Kommunalwahl, wo NPD und AfD in der Gemeinde fast keine Stimmen bekamen. Brinken bedauerte jedoch: "Leider geht die Mehrheit der Escheder nicht auf die Straße."

Noch mehr Protestteilnehmer wünschte sich auch Maximilian Baden, der den Anti-NPD-Protest am Samstag mitorganisiert hatte. "Die Ottonormalbürger haben eine Verantwortung, ihre Stimme zu erheben und zu zeigen: Wir sind alle dagegen", sagte Baden. Eigentlich sei er überhaupt nicht der Typ, der an Demos teilnimmt, verriet der Vikar der Celler Stadtkirche. Als Escheder, der bald Vater wird, sieht sich Baden jedoch zum Handeln gezwungen: "Ich möchte, dass mein Sohn in eine Schule in einem Ort gehen kann, wo es keine NPD auf irgend einem Hof gibt. Und wo völlig klar ist, dass Rechtsradikalismus überhaupt nicht willkommen ist."

Von Benjamin Behrens und Christian Link

Von