Saison Fußball-Amateure

„Schlusslichter“ setzen auf Annullierung

Heute entscheidet der NFV, wie es mit der Fußballsaison in den Amateurligen weitergeht. Das denken Celler Klubs wie der MTV Eintracht Celle oder der SV Garßen.

  • Von Jürgen Poestges
  • 31. März 2021 | 11:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Jürgen Poestges
  • 31. März 2021 | 11:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Heute Abend soll die Entscheidung beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) fallen, wie es mit der Saison in den Amateurligen weitergeht. Wird die Spielzeit komplett annulliert wie in Hamburg und Schleswig-Holstein, oder gibt es irgendeinen Weg, doch noch Partien zu absolvieren? Die Verantwortlichen von MTV Eintracht Celle, SV Garßen und SG Lachendorf/Beedenbostel, die in Oberliga und den beiden Kreisliga-Staffeln jeweils auf dem letzten Platz stehen, sehen die Lösung pragmatisch.

SG Lachendorf/Beedenbostel hofft auf Annulierung

„Ich gehe davon aus, dass die Saison beendet wird und auch nicht gewertet, dafür werden sich wohl die meisten Stimmen finden“, sagt Tobias Zeising. Der Trainer der SG Lachendorf/Beedenbostel, des Tabellenletzten in der Kreisliga Staffel II, gibt ehrlich zu, dass sein Team dann schon ein wenig Glück haben würde. „Aber ehrlich, mir wäre es lieber gewesen, wir hätten es auf dem sportlichen Weg entscheiden können“, sagt er. „Zu überlegen, ob wir es dann geschafft hätten, ist ja müßig. Aber wir haben inzwischen fünf Nachholspiele, in denen wir schon den ein oder anderen Punkt noch hätten holen können. Und außerdem gibt es dann ja auch noch die Abstiegsrunde.“

Kein Fußball seit fast einem Jahr

Aber so eine Situation wie derzeit habe es eben noch nie gegeben. „Es ist ja für alle eine total bescheuerte Zeit. Wir haben alle praktisch seit einem Jahr keinen vernünftigen Fußball mehr spielen können oder bloß trainieren.“ Er könne ja auch die Vereine verstehen, die derzeit oben in der Tabellen stehen. „Der SV Nienhagen und TuS Bröckel hätten in diesem Jahr sicherlich große Chancen auf einen Aufstieg gehabt. Das ist ja richtig ärgerlich.“ Ihm falle aber auch nicht wirklich eine Möglichkeit ein, wie man die Saison noch vernünftig zu Ende bringen könnte. „Deshalb wäre für mich die Annullierung die beste Lösung. Und ein Elfmeterschießen jeder gegen jeden für die Entscheidung ist ja auch nicht die Lösung. Aber wir müssen ja akzeptieren, was der NFV entscheidet.“

MTV Eintracht möchte Saison zu Ende spielen

Stefan Cohrs, Fußball-Abteilungsleiter des Oberligsten MTV Eintracht Celle, sieht es ähnlich. „Uns wäre es lieber, wenn wir die Saison zu Ende spielen könnten und alle Entscheidungen auf sportlichem Weg getroffen werden könnten. Auch wenn wir derzeit ja nicht die beste Tabellenposition haben“, sagt er. „Wobei wir sicherlich noch den ein oder anderen Punkt hätten holen können. Da bin ich mir schon sicher.“

Corona-Lage erschwert Planungen

Aber letztlich deute sich ja bereits an, dass die Saison in allen Amateurligen annulliert werden soll. „Und das ist in der derzeitigen Situation wohl auch das einzig Vernünftige. Es ist ja unmöglich, überhaupt zu planen.“

Der aktuelle Lockdown dauere bis zum 18. April. Wenn man dann optimistisch denke und davon ausgehe, dass der Sport draußen wieder möglich sei, dann brauche man mindestens drei Wochen für die Vorbereitung. „Dass bedeutet, wir wären dann am Himmelfahrtswochende oder gar Pfingsten. Da lässt sich doch keine Saison mehr regulär zu Ende spielen“, glaubt er. Zumal man dann ja auch immer davon ausgehen müsse, dass Spiele ausfallen, wenn sich Spieler infiziert hätten. „Und die Möglichkeit der Selbsttests ist schon alleine aus finanziellen Gründen nicht zu schaffen“, sagt Cohrs.

Saisonverlauf unabwägbar

Außerdem sei es ja auch bereits heute so, dass aufgrund der verschieden hohen Inzidenzzahlen in verschiedenen Landkreisen oder Städten immer mehr oder weniger erlaubt sei als in anderen. „Das sind alles Dinge, die einen weiteren Saisonverlauf völlig unabwägbar machen würden.“

Letztlich müsse man auch überlegen, worum es gehe. „Wir reden hier vom Amateursport. Der hat sicherlich seinen Stellenwert in der Gesellschaft. Aber er ist es nicht wert, dafür die Gesundheit zu riskieren.“ Dass es jeder Vereinsverantwortliche anders sehe, „je nachdem, aus welchem Fenster er guckt“, so Cohrs – sprich ob er mit seinem Team oben oder unten in der Tabelle steht – liege in der Natur der Sache.

"Einfrieren der Tabelle möglich"

Auch Ralf Lumma, Fußball-Abteilungsleiter beim SV Garßen, schätzt die Situation so ein. „Für mich kann es nur so sein, dass die Saison annulliert wird“, sagt er. Ein zweites Szenario, das er sich vorstellen könnte, wäre das Einfrieren der Tabelle und danach den Auf- und Abstieg zu entscheiden. „Aber das wäre meiner Meinung nach aufgrund der erst wenigen absolvierten Spiele nicht die beste Lösung.“

Im Übrigen, sagt Lumma, würde er sich auch für die Annullierung entscheiden, wenn der SV Garßen nicht auf dem letzten Tabellenplatz der Staffel 1 der Kreisliga stehen würde. „Ich glaube, jeder von uns würde sich wünschen, dass es eine sportliche Entscheidung geben könnte. Aber das ist nun mal derzeit nicht möglich.“ Und wenn der SV Garßen dann in der kommenden Saison in der 1. Kreisklasse spiele müsse, werde man das auch hinnehmen.

Terminplan bis Mitte Kuli nicht zu schaffen

Ohnehin glaubt er, dass der Terminplan bis Mitte Juli gar nicht zu schaffen wäre. „Das wären zwei oder drei Spiele pro Woche, da gäbe es schon alleine mit den Schiedsrichtern ein Problem. So viele haben wir gar nicht auf Kreisebene, dass des hinhauen könnte.“

Beim SV Garßen hat man indes in dieser Lockdown-Zeit auf Individualtraining gesetzt. „Wir haben uns die Erlaubnis vom Landkreis geholt. Es durften jeweils ein Trainer mit einem Spieler auf dem Platz Übungen absolvieren. Das haben wir von der U 19 bis zu den 1. Herren auch durchgezogen.“ Das sei sicherlich nicht mit einem vernünftigen Mannschaftstraining zu vergleichen. „Aber es ist besser als nichts.“

Die Kehrseite der Medaille: „Unser Trainer für die 2. Mannschaft steht vier bis fünf Stunden auf dem Platz, bevor er alle Spieler durch hat“, sagt Lumma. „Und irgendwann haben die Jungs auch keine Lust mehr, immer nur alleine irgendwelche Übungen oder ein Circle-Training zu machen“, fügt er lachend hinzu.

Er hofft jetzt darauf, dass es dann im Sommer wieder mit einer halbwegs vernünftigen Vorbereitung losgehen kann. „Vor allen Dingen für unsere Jugendmannschaften wäre es wichtig. Die Kinder haben ja jetzt schon fast ein Jahr nicht mehr vor den Ball treten können.“