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Celle Stadt Merkels Methode
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Merkels Methode
13:26 13.06.2010
Von Klaus M. Frieling
Celle Stadt

Welch’ zwischenmenschlicher Unterschied beim Regieren: Nach dem „Basta“-Kanzler Gerhard Schröder setzte Angela Merkel mit unaufgeregtem Führungsstil auf Konsenssuche. Als Chefin der Großen Koalition gelang es ihr damit, zwei gegensätzliche Partner am Kabinettstisch zu vernünftiger Regierungstätigkeit zu vereinen.

Sie hatte Erfolg. Doch dann lag bei der letzten Wahl die vermeintliche „Traumkoalition“ von Union und Liberalen vorn – und das „bürgerliche Lager“ zeigt sich seither eher stolpernd, denn frisch voranschreitend. Die neue Mannschaft, so hat es den Anschein, ist sich ideologisch nicht unbedingt näher als die frühere. Waren sich die beiden Volksparteien einig im Anspruch, die Massen zu vertreten, so tun sich kleinere Parteien wie die FDP leichter mit Forderungen, von denen nur ein Teil der Gesellschaft profitiert.

So ist von der Christdemokratin Merkel jetzt mehr inhaltliche Führung gefordert, vielleicht auch einmal ein „Basta“ – und damit hat die Konsens-suchende Kanzlerin erkennbar Probleme. Man wird sehen, ob sie überhaupt umschalten will. Setzt sie in der Koalition weiter aufs „Laissez-faire“, ist das menschlich durchaus symphatisch – könnte über kurz oder lang aber zur Erosion ihrer Macht führen, im Regierungsbündnis wie auch in der eigenen Partei.

Gerade die weiß indes, was sie an ihrer Chefin hat: Den Wähler interessiert in aller Regel der Kanzlerkandidat und wohl kaum das Wahlprogramm. Merkel kann da nach wie vor punkten. Ehemalige Rivalen wie der hessische Ministerpräsident Roland Koch mühen sich heute nach Kräften, die Position der Regierungschefin zu verteidigen.