Stadtplanung

Mehr Platz für Wohnen und Gewerbe in Celle

Ganze 42 Jahre alt ist der aktuelle Flächennutzungsplan der Stadt Celle. Diese Ziele sollen bei der Überarbeitung gesetzt werden.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 18. Mai 2021 | 18:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 18. Mai 2021 | 18:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Flächennutzungspläne (FNP) bilden die Grundlage für eine gezielt gesteuerte Entwicklung einer Stadt. Üblicherweise werden sie alle 15 bis 20 Jahre neu ausgearbeitet, um sich den aktuellen Entwicklungen anzupassen. Der Flächennutzungsplan der Stadt Celle ist 42 Jahre alt, stammt also aus dem Jahr 1979. Wiedervereinigung, Flüchtlingskrise, Klimaschutz, Aufgabe von Kasernenstandorten, Zunahme des Dienstleistungssektors - dies sind nur einige Stichworte, die deutlich machen, dass gravierende Änderungen stattgefunden haben, die sich auch in der Stadtplanung niederschlagen müssen. Auf Antrag der FDP hat sich die Stadt nun auf den Weg gemacht, den FNP zu aktualisieren. Der Bauausschuss gab jetzt grünes Licht für eine Neufassung.

Aktueller Flächennutzungsplan ist 42 Jahre alt

Wie notwendig eine Überarbeitung des FNP ist, machte Stadtbaurat an einem Beispiel deutlich. "Bis heute wurden 65 von 105 eingeleiteten Änderungen wirksam und diverse Berichtigungen vorgenommen. Dies ist ein Indiz dafür, dass der wirksame FNP nur noch bedingt geeignet ist, eine geordnete Entwicklung vorzuzeichnen und Planungssicherheit zu gewährleisten." Die zahlreichen Änderungen belegten gleichzeitig, "dass geänderte gesellschaftliche, demographische und planungsrechtliche Rahmenbedingungen in der Vergangenheit Einfluss auf die Stadtentwicklung genommen haben.

Strategische Entwicklungsziele für Celle festlegen

Mit der Einleitung der Neubekanntmachung des FNP sollen strategische Entwicklungsziele neu erarbeitet und weiterentwickelt werden. Besonders für die Bereiche Wohnen, Gewerbe, Verkehr sowie Klima und Natur sollen Zielsetzungen für die nächsten 15 bis 20 Jahre aufgezeigt und planerisch gesichert werden.

Abwanderung mangels Bauland

Celle verzeichnet trotz der exponierten Stellung als Oberzentrum seit 2000 einen Bevölkerungsrückgang. Ein Trend, der auch darauf zurückzuführen ist, dass die Stadt jahrelang versäumt hat, Bauland auszuweisen. Die Folgen: Bauwillige Familien ließen sich im Umland nieder. "Mit der gezielten, aber moderaten Ausweisung von neuem Wohnbauland soll der Trend hin zur Stärkung des Oberzentrums gelenkt werden", so die Stadt.

Gewerbeflächen in Celle nahezu ausgeschöpft

Die bestehenden Reserven für Gewerbeansiedlungen sind nahezu ausgeschöpft. Ein aktuelles Gewerbeflächenentwicklungskonzept liegt nicht vor. Das Konzept aus dem Jahr 2010 bedarf einer Fortschreibung und kann nicht als Grundlage für eine Entwicklung der nächsten 15 bis 20 Jahre herangezogen werden. Im Rahmen der Neubekanntmachung sollen daher auch für die Gewerbeflächenentwicklung geeignete Potentiale identifiziert und geprüft werden, um den Wirtschaftsstandort Celle weiterhin zu stärken.

Motorisierten Individualverkehr reduzieren

Celle ist eine eher autoorientierte Stadt. Die Ostumgehung wird die Kernstadt vom Durchgangsverkehr entlasten und Chancen für neue Innenentwicklungen bieten. Dabei soll der motorisierte Individualverkehr reduziert werden. Die Gewerbegebiete müssen so erschlossen werden, dass die verkehrlichen Beeinträchtigungen möglichst gering ausfallen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Etablierung Celles als Fahrradstadt.

Klimaschutz als Planungsziel mit besonderer Bedeutung

Bei der Entwicklung der Stadt sollen die Themen Klimaschutz und Natur eine besondere Bedeutung erhalten. Die Verwaltung verweist in diesem Zusammenhang auf den Ratsbeschluss "Klima in Not" und die Fortschreibung des Klimaschutzaktionsplans. Als Basis dient der Landschaftsrahmenplan, in dem die prioritären landschaftsräumlichen Strukturen aufgezeigt werden, die unbedingt planerisch gesichert werden müssen. Außerdem werden Suchräume für Kompensationsmaßnahmen dargestellt. "Diese Grünstrukturen sollten die Grundlage für die Siedungsentwicklung bilden und gegebenenfalls die Grenzen der Siedlungsentwicklung aufzeigen", heißt es in der Vorlage. Die identifizierten Potentialflächen würden vorab hinsichtlich ihrer ökologischen Bedeutung untersucht und daraus notwendige Maßnahmen, aber gegebenenfalls auch Beschränkungen für eine Umsetzung benannt.