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Celle Stadt Mauer-Mikado am Schlossgraben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mauer-Mikado am Schlossgraben
13:44 13.06.2010
Von Michael Ende
Steine bröckeln: An der Schlossgraben-Mauer am Schlossplatz hat der Zahn der Zeit deutlich sichtbar genagt.
Steine bröckeln: An der Schlossgraben-Mauer am Schlossplatz hat der Zahn der Zeit deutlich sichtbar genagt. Quelle: Michael Ende
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Wie viele Steine kann man aus einer ehemals fest gefügten Mauer entfernen, ohne dass das Bauwerk zusammenbricht? Ein Experiment, mit dem man diese Frage beantworten kann, läuft derzeit im Celler Schlosspark: Dort löst sich die Stützmauer, die die steile Böschung zwischen Schlossgraben und Schlossplatz hält, Stück für Stück in Wohlgefallen auf. Mauer-Mikado.

Das mit dem Wohlgefallen will Jens Hanssen, im Celler Rathaus Fachbereichsleiter Technische Dienste, so nicht stehen lasse. Die Situation errege durchaus sein Missfallen, sagt er – und das nicht erst seit gestern: „Schäden an der Mauer sind mir schon aufgefallen, als ich nach Celle gekommen bin.“ Das war 1992. In den vergangenen 18 Jahren ist Leben in die einst statische Mauer gekommen – im wahrsten Sinne: Das Wurzelwerk der 1849 angelegten Lindenallee hat sich prächtig entwickelt und ist auch von zentnerschweren Sandsteinblöcken nicht zu stoppen. Die Folge: Besonders im Bereich der Wasserlinie bröckelt das Mauerwerk ganz massiv.

Noch sei keine Gefahr im Verzuge, sagt Hanssen: „Wir kontrollieren die Mauer regelmäßig. Optisch ist sie nicht schön, aber wir müssen das noch nicht unbedingt flicken. Mittelfristig müssen wir da aber schon ran.“ Dabei könnte „mittelfristig“ in diesem Fall etwas länger dauern: „Wenn wir die Mauer grundsanieren müssen, dann geht es finanziell um einen ordentlichen Schluck aus der Pulle – dann reden wir über siebenstellige Zahlen.“

Und der Stadthaushalt, der umso maroder werde, je mehr der Bund ihn als Steinbruch gebrauche, lasse schon längst nicht mehr zu, dass die Kommune ihre Infrastruktur so in Schuss halte, wie es eigentlich wünschenswert sei, so Stadtbaurat Matthias Hardinghaus: „Wir haben noch ganz andre Baustellen. Bei unserer Haushaltslage muss man überlegen, wo man spart – dann ist eben ein Schlagloch mehr da.“