Manfred Endler

Durch die tiefe Liebe zur Heimat beflügelt

Manfred Endler war ein Mann mit vielen Leidenschaften. Der ehemalige Generalstaatsanwalt ist am 1. Juni im Alter von 87 Jahren gestorben.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Juni 2022 | 17:40 Uhr
  • 14. Juni 2022
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  • 13. Juni 2022 | 17:40 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Manfred Endler war ein Mann mit vielen Leidenschaften – die Liebe zu Musik und Literatur gehörte ebenso dazu wie zum Reisen oder zur Kunst. Der ehemalige Generalstaatsanwalt am Oberlandesgericht und langjährige stellvertretende Landrat des Kreises Celle ist am 1. Juni im Alter von 87 Jahren gestorben.

Respekt einflößende Persönlichkeit

In jüngster Zeit war Endler seltener bei seinen Spaziergängen durch die Altstadt anzutreffen. Er war eine Respekt einflößende Persönlichkeit, dabei aber stets freundlich denen zugewandt, die mit ihm ins Gespräch kamen. Und er konnte mit großem Interesse gut zuhören.

Vorsitz des Vereins der Celler Volkshochschule

Fast sein gesamtes Leben hat der Verstorbene in Celle verbracht. Elf Jahre lang, von 1990 bis 2001, war er hier Generalstaatsanwalt. Aber der „General“, wie ihn einige in Anspielung auf dieses Amt nannten, hat sich keineswegs nur dem Justizwesen gewidmet – die öffentlichen Angelegenheiten seiner Heimatstadt und deren Umgebung lagen ihm stets am Herzen. So führte er den Vorsitz des Vereins der Celler Volkshochschule und war Vorsitzender der Landessektion des Bundes gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr – später wurde er ihr Ehrenvorsitzender: Die jungen Menschen auf die Gefahren von Alkohol und Drogen am Steuer aufmerksam zu machen, war ihm ein besonderes Anliegen.

Tenor in der Stadtkantorei

60 Jahre lang sang Endler als Tenor in der Stadtkantorei. „Das hat mir immer viel Freude gemacht, aber mit 70 Jahren, so sagt es die Satzung, muss man leider ausscheiden“, hatte er im Jahr 2020 in einem Gespräch mit der CZ gesagt.

Mitglied des Kirchenvorstandes

Zudem hat sich Endler besonders um die Rekonstruktion der großen Barockorgel der Stadtkirche verdient gemacht und war von 1994 bis 2006 Mitglied des Kirchenvorstandes der Gemeinde. Aber auch die katholische St.-Ludwig-Gemeinde konnte sich seiner Fürsprache immer sicher sein.

Direkt nach Ende seiner beruflichen Laufbahn war Endler zehn Jahre lang Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Sommerlichen Musiktage Hitzacker.

15 Jahre stellvertretender Landrat

Ich lernte Manfred Endler als Abgeordneten des Kreistages kennen. Er war 18 Jahre lang dessen Mitglied und 15 Jahre lang stellvertretender Landrat. Sein besonderes Interesse galt dem allgemeinbildenden Schulwesen, aber auch die Kreismusikschule fand bei ihm stets ein offenes Ohr. Darüber hinaus hat er als Kommunalpolitiker insbesondere den öffentlichen Nahverkehr, und damit die Erreichbarkeit der Stadt für alle Bürger, sehr gefördert.

Manfred Endler konnte auf gewinnende Art mit offensichtlicher Wertschätzung für den Gesprächspartner, gleich welcher Partei dieser angehörte, für seine Anliegen werben. Unfreundlichkeit, geschweige Polemik, gehörten sich nicht. So hat er im Kreistag für den Umgang miteinander Zeichen gesetzt, die bis heute nachwirken. Er war sehr energisch beim Durchsetzen seiner Anliegen, zugleich tolerant, aber mit festen Grundsätzen.

Tiefe Liebe zur Heimat

„Unglaublich“ hatte der damalige Oberbürgermeister Martin Biermann die Art und Weise, wie sich Endler im Laufe seines Lebens für die Menschen im Celler Land engagiert hat, bei der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande im Jahr 2008 genannt: „Die Bandbreite dieses ehrenamtlichen Wirkens ist so groß, dass es schwerfällt, alles vollzählig zu nennen.“ Sein Engagement sei „durch eine tiefe Liebe zur Heimat beflügelt“ gewesen. In der Tat hat Manfred Endler in Celle Spuren hinterlassen.

Von Joachim Müller

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