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Celle Stadt Man startet am besten mit einem Heimspiel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Man startet am besten mit einem Heimspiel
10:30 24.06.2010
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Bedauern Sie, dass Sie nicht mehr als Oberbürgermeister der Stadt Celle den 30. Tag der Niedersachsen gestalten und erleben dürfen?

Biermann: Als ich die Landesregierung vor gut zwei Jahren bat, den 30. Tag der Niedersachsen zum Jubiläum nach Celle zu vergeben, und die Zusage erhielt, bin ich zweifellos davon ausgegangen, ihn als Oberbürgermeister unserer Stadt mitgestalten zu können. Aber ich habe mich selbst anders entschieden, und deshalb bedauere ich es auch nicht. Im Gegenteil: Ich freue mich jetzt darauf, diesen Tag frei von jeder Verantwortung in vollen Zügen genießen zu können. Und das werde ich tun.

Es wäre ja eine schöne Würdigung Ihres Engagements für das Landesfest gewesen, wenn Sie noch vor Ihrem Ruhestand als Oberbürgermeister das 30. Fest in Celle hätten eröffnen können. Doch mit dem Wechsel an der Spitze im Rathaus kam es ja dann doch ganz anders…

Biermann: Der Tag der Niedersachsen dient nicht der Würdigung von Personen. Hier geht es nicht darum, Dank und Anerkennung für irgendjemanden auszusprechen. Der Sinn des Tages liegt darin, dass alle Niedersachsen an einem Wochenende die wunderbare Gelegenheit haben, miteinander zu feiern und die Vielfalt unseres schönen Bundeslandes zu bestaunen. Niedersachsen ist unglaublich reich an Kultur und Kreativität. Der Tag der Niedersachsen bietet die Chance, dies alles konzentriert zu entdecken und in sich aufzunehmen.

Wie war das damals 1980, als der erste Tag der Niedersachsen auf die Beine gestellt wurde? Warum haben Sie sich für das Fest stark gemacht?

Biermann: Das war zweifellos ein Wagnis, einen solchen Tag aus der Taufe zu heben. Der gebürtige Celler Minister Wilfried Hasselmann – die Inkarnation des bodenständigen, verlässlichen Niedersachsen schlechthin – war immer davon beseelt, aus den Hannoveranern, den Braunschweigern, den Oldenburgern und den Schaumburg-Lippern – aus diesen Ländern war Niedersachsen nach dem Zweiten Weltkrieg gebildet worden – auch überzeugte Niedersachsen zu machen. Es ging Wilfried Hasselmann schlicht um identifikationsstiftende Ereignisse, die man suchen oder neu finden musste.

Ich war zu jener Zeit einer seiner engsten Mitarbeiter. Bei den vielen gemeinsamen Fahrten durchs Land lernten wir unter anderem den Hessentag und den Schleswig-Holstein-Tag kennen. Das hat uns inspiriert. Und so trug Wilfried Hasselmann im Kabinett vor, einen solchen Tag auch in Niedersachsen zu installieren.

Das Kabinett unter Ministerpräsident Ernst Albrecht stimmte dem zu und übertrug die neue Aufgabe zur Organisation und Ausrichtung an den Ideengeber – eben an Wilfried Hasselmann, der eigentlich Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten war. Auf meine überraschte Frage, wer denn das nun in unserem Ministerium umsetzen und machen sollte, erhielt ich von ihm die kurze knappe Antwort: „Natürlich Sie. Sie haben doch die Kabinettsvorlage geschrieben, die das Kabinett beschlossen hat.“

Im Jahre 1980, als der Beschluss fiel, war ich auch Fraktionsvorsitzender der Mehrheitsfraktion im Rat der Stadt Celle. Wenn man eine derart schwere anspruchsvolle Aufgabe übertragen bekommt, dann ist es hilfreich und ratsam, sich auf Freunde und ein vertrautes Umfeld stützen zu können. Die gab es hier in Celle. Im Sport sagt man, man startet am besten mit einem Heimspiel. Für Wilfried Hasselmann und mich war es eins. Das ist der einzige Grund, weshalb der erste Tag der Niedersachsen in Celle stattfand.

Hat das erste Landesfest den Bekanntheitsgrad Celles erhöht? Hat die Residenzstadt davon profitiert?

Biermann: Natürlich rückten wir Celler damals für etliche Tage in den Blickpunkt des Landes. Celle mit seinem großen Beitrag zur Landesgeschichte und seinen weit über die Region hinausreichenden Institutionen hat damals die Chance genutzt und sich von dem Image, Celle sei eine Kleinstadt am Südrand der Lüneburger Heide, nachhaltig befreit. Wir wurden später Oberzentrum und verdanken unserer Bekanntheit manche Ansiedlung. Wir dürfen nur nicht nachlassen, die Botschaft der Bedeutung Celles als Stadt des Rechts, der Erdöl-und Erdgas- Zulieferindustrie, als Residenzstadt, als Stadt der hannoverschen Pferdezucht, als Fachwerkstadt, als Stadt bedeutender Kultur und Museen, als einkommensstarker Wirtschaftsstandort in zentraler Lage immer wieder aufs Neue deutlich zu machen. Der Tag der Niedersachsen ist eine großartige Gelegenheit dazu.

Sind Sie stolz darauf, dass das Fest auch nach 30 Jahren nichts von seiner Popularität verloren hat?

Biermann: Als wir 1981 starteten, war der Erfolg keineswegs sicher. Es gab auch Kritiker, die das für nicht zeitgemäß und verstaubt hielten. Sie galt es zu überzeugen. Auch musste jeder parteipolitische Anschein vermieden werden. Die Hauptakteure sollten die landesweiten Verbände und Vereinigungen mit ihren engagierten Menschen sein. Diesem Konzept verdankt der Tag auch heute noch seine Popularität. Für Stolz ist da kein Raum.

Wenn Sie die Anfänge vor 30 Jahren mit heute vergleichen: Was hat sich geändert?

Biermann. Niedersachsen hat sich in 30 Jahren verändert, und mit ihm der Tag. Er ist facettenreicher geworden. Die Zahl der Akteure ist gewachsen. Zudem hat jede Zeit andere Ausdrucksformen. Gerade das ist der Erfolg des Tages. Denn wenn sich nichts geändert hätte, hätte er sich überholt, wäre altmodisch und unattraktiv. Ich bedaure immer Menschen, deren Hauptanliegen im „Bewahren“ zu liegen scheint. Jede Generation muss Neues schaffen wollen und verändern.