Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt "Verschweigen des Massakers darf's nicht geben"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt

Mahnung zum 75. Jahrestag: "Verschweigen des Massakers darf's nicht geben"

18:03 08.04.2020
Von Dagny Siebke
Cornelia Schlichting und Uta Feddersen von der Neustädter Kirchen bringen das Unrecht ins Bewusstsein.
Cornelia Schlichting und Uta Feddersen von der Neustädter Kirchen bringen das Unrecht ins Bewusstsein. Quelle: David Borghoff
Anzeige
Celle

Zehn Celler haben sich großzügig im Halbkreis um das Mahnmal in den Triftanlagen verteilt, um 75 Jahre nach der Bombardierung und des anschließenden Massakers zu gedenken. Am 8. April 1945, vier Tage vor der Befreiung, wurde ein Zug mit KZ-Häftlingen getroffen, der am Güterbahnhof stand. Die Gefangenen, die nicht im Bombenhagel starben, flüchteten in die umliegenden Celler Stadtteile. Die SS, Soldaten, Polizisten und Zivilisten gingen auf Menschenjagd und erschossen 170 KZ-Häftlinge. Am Ende sind fast 1000 Menschen tot, darunter auch etwa 120 Celler Zivilisten.

Gerda Kohnert und Gerd Skradde von der Celler SPD gedachten der Opfer des Massakers. Quelle: David Borghoff

Gegen das Vergessen hat die SPD heute in Form einer Kranzniederlegung der Getöteten gedacht. Christoph Engelen, Vorsitzender der Celler SPD sagte: "Leider war die Durchführung der ursprünglich geplanten Veranstaltung aus bekannten Gründen nicht möglich." Vor Corona sei ein größerer Rahmen angedacht gewesen – zusammen mit der Stadt Celle, der Gedenkstätte Bergen-Belsen und dem Netzwerk gegen Antisemitismus. Engelen weiter: "Die SPD wird die Erinnerung an das Geschehen aufrechterhalten. Ein Verschweigen oder Vergessen darf es nicht geben. Das sind wir allen Opfern schuldig.“

Vor Corona war Schweigemarsch geplant

Auch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle legte für die Opfer Blumen nieder. Sabine Maehnert erklärte, wie wichtig das Erinnern an das Massaker ist: "Wir können in der Gegenwart nur etwas gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit tun, wenn wir nicht die Augen vor der Vergangenheit verschließen."

Sabine Maehnert berichtet von den Geschehnissen. Quelle: David Borghoff

Am Nachmittag hat die Pastorin Uta Feddersen abwechselnd mit Kirchenvorsteherin Cornelia Schlichting eine Mahnwache gehalten. Feddersen übernahm im August 2019 das Pastorinnenamt in der Neustädter Kirche. Doch lebt sie seit 2001 mit ihrer Familie in Hermannsburg. Dort hat sie zum ersten Mal von dem Celler Massaker gehört: "Ein Hermannsburger hat mir erzählt, dass sein Großvater mit Hunden und zwei Jagdgewehren losgezogen ist. Ich war geschockt, als ich das gehört habe." Zum 75. Jahrestag des Unrechts hatte sie ursprünglich einen Schweigemarsch vom Lauensteinplatz über die Neustädter Kirche zur Bahnhofsmission geplant.

Michael Ende 08.04.2020
Christoph Zimmer 08.04.2020