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Celle Stadt Lustvoll und übermütig statt mäuschenhaft und wohlerzogen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lustvoll und übermütig statt mäuschenhaft und wohlerzogen
13:00 13.06.2010
Das Ensemble Tedesco mit (von links) Ladislaus Kosak (1. Violine), Max Hilfenhaus (2. Violine), Franziska Bouterwek (Viola) und Sabine Lauer (Violoncello) bei seinem Konzert im Festsaal des Celler Schlosses.
Das Ensemble Tedesco mit (von links) Ladislaus Kosak (1. Violine), Max Hilfenhaus (2. Violine), Franziska Bouterwek (Viola) und Sabine Lauer (Violoncello) bei seinem Konzert im Festsaal des Celler Schlosses. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Sie pressten mit einem hohen Grad an Innenspannung ein Maximum an Charme und Leidenschaft aus den einzelnen Sätzen, vermittelten Haydns völlige Verschmelzung von galantem Stil und Expression und brillierten mit bogentechnischen und fingerzupfenden Finessen. Überraschungsreich, mit einer Vorliebe für knackige Akzente und mit bisweilen übermütigem Witz – etwa im Finale von op. 33/2 mit seinen provozierenden Generalpausen und dem verschmitzten Abschluss – brachten sie Haydns Musik zum Sprechen. Die Strichtechniken und die intensiven Farben – besonders deutlich beim euphorisch leuchtenden „Sonnenaufgang“ op. 76/4 – verstärkten noch den ekstatischen Sog der Musik. Und bei alledem bewiesen sie ein ausgeprägtes Gespür für sinnliche Klangschönheit, beispielsweise im „cantabile“ des „Kaiserquartetts“ op. 76/3, als die Melodie der heutigen Nationalhymne im Schimmer erlesener Melancholie von Instrument zu Instrument wanderte.

So wurde der Augenblick wie etwas Einmaliges ausgekostet, ohne seine Beziehung zum Ganzen zu verlieren. Und doch klang ihr Spiel niemals mäuschenhaft, niemals wohlerzogen. Es war ein straffer, ein sportlicher Haydn, den sie präsentierten, durchpulst von innerem Atem.

Von Rolf-Dieter Diehl