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Kunstprojekt: KAV-Schüler diskutieren mit Celler Gefangenen

17:21 24.11.2021
Von Oliver Gatz
JVA-Seelsorger und Initiator Jan Postel (links) bei der Übergabe der Arbeiten an den Lichtkünstler Philipp Geist.
JVA-Seelsorger und Initiator Jan Postel (links) bei der Übergabe der Arbeiten an den Lichtkünstler Philipp Geist.
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Celle

Seit genau 300 Jahren existiert die Anstaltskirche im Celler Gefängnis an der Trift. Aus diesem Anlass ist ein Kunstprojekt entstanden, an dem Schülerinnen des KAV-Gymnasiums teilgenommen haben. Sie diskutierten mit Gefangenen über das Thema Freiheit. Die künstlerische Umsetzung dieses kreativen Austausches wird am 11. und 12. Dezember der Öffentlichkeit präsentiert.

300 Jahre Celler Anstaltskirche: Kunstprojekt ins Leben gerufen

Zum Jubiläum der Anstaltskirche hatte sich der Gefängnisseelsorger Jan Postel gemeinsam mit dem Kunstmuseum Celle und den Verantwortlichen der JVA etwas Besonderes einfallen lassen. Die Celler kontaktierten den international renommierten Licht- und Videokünstler Philipp Geist, der unter anderem bereits die Christusstatue von Rio de Janeiro und den königlichen Thron von Bangkok illuminierte und 2013 den Deutschen Lichtdesign-Preis in der Kategorie Lichtkunst erhielt. Die Idee: Geist für ein Projekt zu gewinnen, um den Freiheitsraum Anstaltskirche angemessen zu würdigen.

Berliner Künstler Philipp Geist arbeitet mit Celler Schülerinnen zusammen

„Ich fand die ganze Sache von Beginn an sehr spannend“, erzählt der in Berlin arbeitende Künstler. Um mit dem Projekt eine Brücke zu Menschen außerhalb der Gefängnismauern zu bauen, kam Geist auf die Idee, Schüler zu integrieren. Keine leichte Aufgabe, wie Postel bei der Suche nach einer Partnerschule erfahren musste. Erfolg hatte er beim Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium (KAV), wo sich Kunstlehrerin Bettina Schillat von der Idee begeistern ließ und sechs Schülerinnen aus ihrem Grundkursus in der 11. Klasse für eine Zusammenarbeit motivieren konnte.

KAV-Schülerinnen treffen sich mit Häftlingen der Celler JVA

Sechs Montage hintereinander trafen sich die Schülerinnen des KAV in der Anstaltskirche der JVA mit insgesamt neun Gefangenen, um dort gemeinsam das große Thema Freiheit zu diskutieren und künstlerisch zu gestalten. „Das erste Mal war schon gewöhnungsbedürftig“, sagt Lehrerin Schillat, „die Sicherheitsvorkehrungen sind immens und können einen unbedarften Besucher zunächst durchaus einschüchtern.“ Doch schon nach dem ersten Aufeinandertreffen im Kirchengebäude sei für ihre Schülerinnen die besondere Atmosphäre spürbar geworden: „Alle haben sich darauf eingelassen, den Kirchenraum als das zu nutzen, was er ist: eine Begegnungsstätte für Menschen.“

Künstlerische Umsetzung zum Thema Freiheit

Initiator Postel ist gespannt, wie der Künstler die Werke zum Thema Freiheit in seiner Installation verarbeiten wird. Geist wird die in der JVA entstandenen Bilder zunächst detailliert abfotografieren, um daraus eine animierte Collage zu entwerfen, „in der die verschiedenen Ideen, Farben, Formen und Strukturen letztlich zu einem Kaleidoskop der Elemente ineinander verflochten werden“. Künstlerische Freiheit – selten wurde sie so deutlich, wie bei diesem außergewöhnlichen Projekt.

Kirche und Seelsorge bieten Celler Gefangenen kreative Freiräume

„Freiheit hat für die Inhaftierten natürlich eine ganz besondere Bedeutung. Durch den Lockdown als Folge der Corona-Pandemie hat der Begriff ‚Freiheit‘ allerdings auch außerhalb von Gefängnismauern eine ganz andere Wertigkeit erhalten“, sagt Geist. Mit Blick auf das Jubiläum der Anstaltskirche fügt Postel hinzu: „Das Projekt soll zum Ausdruck bringen, dass die Kirche respektive die Seelsorge in der JVA Celle den Gefangenen kreative Freiräume dafür bietet, sich in ihrer Menschlichkeit zu entfalten.“

Lichtkunst an Fassade der JVA Celle

Am Samstag, 11. Dezember, wird von 20 bis 22 Uhr der Südhof des Gefängnisses für Besucher begehbar sein, wo Videokünstler Geist die Ergebnisse des kreativen Austausches zwischen Gefangenen und Schülerinnen an die Fassade der Anstaltskirche projizieren wird. Bereits um 19.15 Uhr wird die Videopräsentation in einem feierlichen Akt mit geladenen Gästen in einer Vorpremiere präsentiert. Einen Tag später, am 12. Dezember, besteht von 17 bis 21 Uhr die Möglichkeit, das spektakuläre Lichtkunstprojekt an den vorderen Toren des Südhofes zu bewundern – Zugang ist hier bis zu den Gittern möglich. Für die Gefangenen der JVA findet bereits am 10. Dezember eine Feier im Innenhof statt, bei der unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Videoinstallation präsentiert wird.

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