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Celle Stadt Kritik an Gesamtschulplänen der Celler CDU wächst
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kritik an Gesamtschulplänen der Celler CDU wächst
20:39 17.12.2015
Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Die Kritik an den CDU-Plänen für eine weiteren Gesamtschule in der Stadt Celle wächst. Nicht nur in der Politik gibt es Widerstand gegen die Idee, die Oberschule auf der Heese umzufunktionieren.

So sieht auch der Celler Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Pläne kritisch. „Eine Gesamtschule funktioniert nur, wenn sie das gesamte Leistungsspektrum der Schülerschaft erfasst“, sagte der Kreisvorsitzende Heinz-Hermann Becker. Das sei jedoch nur dann der Fall, wenn auch der Anteil der potenziellen Gymnasialschüler in etwa so hoch bleibt wie in der Grundschule. Diese Verteilung sei bei der jetzigen Gesamtschule gegeben.

Allerdings ist der Anteil der leistungsstärkeren Schüler nicht so hoch wie ursprünglich vorgesehen. Im ersten Durchlauf musste der Lostopf mit den höchsten Notendurchschnitten noch aufgefüllt werden, weil sich zu wenig Schüler mit einem besseren Schnitt als 2,5 beworben hatten.

Becker befürchtet, dass das Niveau in zwei Gesamtschulen nicht mehr akzeptabel wäre. „Bei der Gründung einer zweiten Gesamtschule im Stadtbereich müsste der Anteil von leistungsstarken Schülern auf zwei Schulstandorte verteilt werden. Die beide Gesamtschulen müssten bei dieser Schülergruppe in Konkurrenz treten“, so Becker.

Entscheidend für den großen Zulauf und den guten Ruf der Gesamtschule in der Burgstraße sei nicht zuletzt die Tatsache, dass Lehrer sich freiwillig gemeldet haben und hinter der Idee einer Gesamtschule stehen. „Das Auswechseln des Türschildes an einer Schule macht aus einer Oberschule noch keine Gesamtschule. Wer das plant, hat den Grundgedanken dieser Schulform nicht verstanden“, so Becker. Die Gründung einer zweiten Gesamtschule im Stadtgebiet zu diesem Zeitpunkt wirke dem Qualitätsanspruch der Celler Gesamtschule entgegen und ist nach Ansicht der GEW die beste Möglichkeit, „diese Schulform kaputtzumachen.“

Auch die Mitglieder des Celler Kreisverbandes Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR) sind wenig begeistert. Sie kritisieren insbesondere die Art und Weise, wie die Kreistags-CDU eine zweite Gesamtschule in Celle einrichten will. „Erst vor drei Jahren wurden von der Politik alle damals noch eigenständigen Haupt- und Realschulen in Oberschulen umgewandelt. Schon ein Jahr später wurde auf Initiative der CDU eine IGS gegründet und damit die erste Oberschule in Celle zur Abwicklung freigegeben“, heißt es in einer Mitteilung.

Jetzt wolle die CDU mit der die Oberschule I auf der Heese bereits die zweite Schule umwandeln. „Wie kann sich eine Schule überhaupt entwickeln, wenn sie schon nach kurzer Zeit wieder abgeschafft werden soll?“, fragen sich die Lehrer.Der VNL/VDR warnt vor einer überstürzten Umwandlung der Oberschule Celle I in eine Gesamtschule. Hierzu brauche man eine längere Zeit als die wenigen zur Verfügung stehenden Monate bis zum neuen Schuljahr im August 2016. Mit Befremden sei auch festgestellt worden, dass weder die betroffenen Lehrkräfte noch die Eltern oder die Schüler wenigstens vorab informiert oder gar befragt worden sind.

„Schule braucht einen verlässlichen Rahmen und produktive Ruhe, um sich entwickeln zu können. Immer wieder eine neue Sau durchs Dorf zu jagen, bringt nichts und hilft nicht weiter“, so der Landesvorsitzende Manfred Busch. Es sollte mit Bedacht an der Weiterentwicklung der Schullandschaft gearbeitet werden. Wahltaktische Gründe dürften keine Rolle spielen.

Von Tore Harmening