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Celle Stadt „Kommen Sie aus Deutschland oder aus Überzeugung?“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Kommen Sie aus Deutschland oder aus Überzeugung?“
13:02 13.06.2010
Die zahlreichen sehens- und lesenswerten Bild- und Texttafeln der Ausstellung summieren sich zu einer umfassenden Informationsfülle.
Die zahlreichen sehens- und lesenswerten Bild- und Texttafeln der Ausstellung summieren sich zu einer umfassenden Informationsfülle. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

Sie waren Handwerker, Bauern, Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte und Architekten und verfügten über umfangreiche Kenntnisse und Fertigkeiten aus Industrie und Landwirtschaft, von Medizin, Pädagogik und Jura, von Städtebau und Kunst. Nun mussten sie neu beginnen, konnten oft nicht in ihren gelernten Berufen weiterarbeiten, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu verdienen. Aber sie brachten ihre Erfahrungen, ihre Bildung und die Kultur der Weimarer Republik in das Land Israel und legten damit gemeinsam mit vielen anderen den Grundstein für einen jüdischen Staat.

Die Ausstellung „Jeckes – Die deutschsprachigen Juden in Israel“ dokumentiert in Text und Bild die Leistungen dieser hoch qualifizierten Minderheit auf den verschiedensten Gebieten, ob in Politik, Wirtschaft, Kultur oder Wissenschaft, und sie zeigt zugleich auf, was Deutschland damals mit der Flucht dieser Menschen verloren gegangen ist. Sie schildert die Anstrengungen der Flüchtlinge, in Israel ihren Lebensunterhalt zu verdienen, häufig völlig von vorne anzufangen, und sie zeigt auf, was dies für die Menschen und ihre Familien bedeutete: Die Fassungslosigkeit darüber, zu einer Gesellschaft zu gehören, die sie gänzlich aus sich herausreißen wollte, und damit einhergehend das Erleben der Entwurzelung, das Versinken in Einsamkeit, der Verlust von Menschenwürde und die Fremdheit bei der Ankunft in Israel. Denn ihre Vorliebe für Fleiß, Disziplin, Pünktlichkeit und gute Manieren reizte zu Spott. Und viele Jeckes hatten als Neuankömmlinge unter den Vorurteilen der Einheimischen zu leiden („Kommen Sie aus Deutschland oder aus Überzeugung?“). Dennoch machten sie – das ist die zusammenfassende Botschaft der Ausstellung – in vielen Bereichen den modernen, westlichen jüdischen Staat erst möglich und prägten die Gesellschaft Israels.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung in der Synagoge, Im Kreise 24, ist bis zum 30. April zu sehen. Sie ist geöffnet dienstags bis donnerstags sowie sonntags von 10 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 16 Uhr.

Von Rolf-Dieter Diehl