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Celle Stadt AKH: Bei Pflege wird nicht gespart
Celle Aus der Stadt Celle Stadt AKH: Bei Pflege wird nicht gespart
18:32 23.01.2019
Von Gunther Meinrenken
Foto: Am AKH stehen die ersten Ergebnisse für das Sanierungskonzept fest: Beim Pflegepersonal soll nicht gespart werden.
Am AKH stehen die ersten Ergebnisse für das Sanierungskonzept fest: Beim Pflegepersonal soll nicht gespart werden.
Celle

Als vor vier Wochen der Landkreis Celle dem AKH mit einem 12-Millionen-Kredit aushalf, sprach AKH-Vorstand Martin Windmann in einem Brief an die Belegschaft von einer "erheblichen Liquiditätslücke", die nur durch einen Überbrückungskredit des Landkreises geschlossen werden konnte. Wie dramatisch die Lage wirklich war, erfuhren die Mitarbeiter jedoch erst aus der Celleschen Zeitung. Ohne die Finanzspritze des Landkreises wäre das AKH kurz vor Weihnachten zahlungsunfähig gewesen, hätten die Dezember-Gehälter nicht mehr ausbezahlt werden können. Einen Monat später hat Windmann wohl gemerkt, dass der Informationsbedarf der Belegschaft mit einem einfachen Schreiben nicht zu stillen ist. Am Dienstag stellte er sich den Fragen der Mitarbeiter.

Ursachen der Finanzkrise

Viel Neues berichtete Windmann zunächst nicht. Der AKH-Vorstand ging noch einmal auf die Anfänge der Finanzmisere ein, als sich Mitte vergangenen Jahres abzeichnete, dass viele finanzielle Altforderungen gegenüber den Krankenkassen nicht mehr "belastbar" seien. Die Folge: Eine einmalige Abschreibung in Höhe von 16,5 Millionen Euro.

Vor Weihnachten spitzte sich die Finanzmisere zu. In der Zwischenzeit war zutage getreten, dass unter Windmanns Vorgänger Stephan Judick ein Baukredit dazu benutzt worden war, um laufende Ausgaben zu bezahlen – 6 Millionen Euro sollen zweckentfremdet worden sein. Die Evangelische Bank möchte das Geld zurück, fror die Restsumme des Baukredits ein, beim AKH entstand eine akute Liquiditätslücke, die der Landkreis mit dem 12-Millionen-Kredit stopfte.

"Keine Denkverbote"

Dann kam Windmann auf die Zukunft zu sprechen. Bis Ende April soll das von den Banken geforderte Sanierungsgutachten fertig sein. Erneut stimmte der AKH-Vorstand die Mitarbeiter auf "tiefe Einschnitte" ein, mahnte wie schon vor Weihnachten, dass es dabei keine Denkverbote geben dürfe. Neben Kosteneinsparungen müssten auch die Erlöse verbessert werden. "Wir sind hier in sehr enger und konstruktiver Abstimmung mit den Betriebsräten und den Abteilungsleitern", so Windmann, der auch schon ein erstes Ergebnis präsentierte, das für Erleichterung bei den etwa 700 Pflegekräften gesorgt haben dürfte. Bereits jetzt könne man sagen, so Windmann, "dass insbesondere der pflegerische Bereich nicht von Personaleinsparungsmaßnahmen betroffen sein wird". Für andere Berufsgruppen könne dies allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Wichtiges Zeichen für Patienten

Dass die Pflege vom Sparkurs ausgenommen wird, ist ein wichtiges Zeichen an die Belegschaft, aber auch nach außen, dass die Versorgung der Patienten nicht eingeschränkt wird. Zumal der Notkredit des Landkreises für einige Verunsicherung in der Belegschaft gesorgt haben dürfte. Dem Konzernbetriebsratsvorsitzenden Ralf Laumert ist klar, dass es bei dem derzeitigen Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ein Leichtes für viele Mitarbeiter wäre, sich anderswo einen Job zu suchen: "Es werden schon Antrittsprämien von 5000 bis 8000 Euro gezahlt, für Hebammen sogar von 10.000 Euro und das von Krankenhäusern in unserer Nähe."

Krise ruft Wir-Gefühl hervor

Laumert hat bei der Mitarbeiterversammlung allerdings eine andere Stimmung in der Belegschaft wahrgenommen: "Natürlich wurden kritische Fragen gestellt, wollte man wissen, wer schuld ist an der Situation, merkte man die Betroffenheit. Aber es war ruhig und sachlich und man spürte, dass durch die Krise eher ein Wir-Gefühl hervorgerufen wurde."

Marie Nehrenberg-Leppin 23.01.2019
Gunther Meinrenken 23.01.2019
Andreas Babel 23.01.2019