Viele Probleme

Grüne: Klimaschutz in Celle ein Trauerspiel

Bearbeitungsstau bei Förderanträgen und der Auszahlung von Zuschüssen - beim Klimaschutz läuft im Celler Neuen Rathaus vieles nicht so wie es sollte.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 20. Okt. 2021 | 18:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 20. Okt. 2021 | 18:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Warten auf das Fördergeld. So geht es im Augenblick einigen Cellern, die über den Klimaschutzfonds der Stadt Celle einen Zuschuss beantragt haben. Eine von ihnen ist Kathrin P. (Daten geändert). "Wir haben Ende vergangenen Jahres einen Antrag für die Förderung einer Photovoltaik-Anlage gestellt. Telefonisch wurde der schnell genehmigt, die schriftliche Genehmigung haben wir im März erhalten. Doch seitdem herrscht Sendepause", erklärt die 35-Jährige.

Cellerin wartet seit Monaten auf Zuschuss

Nachdem die Anlage im April gebaut wurde, reichte P. alle gewünschten Belege ein. "Der Eingang wurde Ende April auch bestätigt, aber mit dem Hinweis, dass die Stelle für Klimaschutz derzeit nicht besetzt wäre und mit einer Bearbeitung erst in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen sei." Im Juli habe sie noch einmal nachgefragt und erfahren, dass ab 1. August wieder jemand zuständig sein soll. "Ende August habe ich die Mitarbeiterin höflich angeschrieben, wann denn mit einer Bearbeitung unseres Antrags auf Auszahlung der Fördersumme zu rechnen sei – bis heute keine Rückmeldung. In den vergangenen beiden Wochen habe ich nahezu täglich versucht, sie telefonisch zu erreichen – erfolglos", so P., bei der es immerhin um mehr als 1000 Euro geht.

Grüne bemängeln geringen Stellenwert von Klimaschutz

Nach Kenntnis von Bernd Zobel ist dies kein Einzelfall. "Auch bei mir haben sich schon Bürger gemeldet, die in den zurückliegenden Monaten beim Klimaschutzbeauftragten niemanden erreichen, deren Anträge nicht bearbeitet werden oder die auf ihren Zuschuss warten", berichtet der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Celler Rat. Für Zobel seien Geschichten wie die von P. symptomatisch für den Stellenwert, den Klimaschutz bei der Stadt genießt. "Das ist ein Trauerspiel."

Früheren Klimaschutzbeauftragten "vom Hof gejagt"

Die Situation habe sich zugespitzt, nachdem der bisherige Klimaschutzbeauftragte Volker Krüger im Frühjahr als Klimaschutzmanager zur Stadt Burgdorf gewechselt ist. "Vorangegangen ist in Celle, dass die Stadt die Überarbeitung des Klimaschutzaktionsplans an ein externes Büro vergeben hat, statt die Kompetenz von Krüger zu nutzen. In meinen Augen hat man damit einen fähigen Mitarbeiter vom Hof gejagt", sagt Zobel.

Grüne wollen Klimaschutz aufwerten

Die Grünen wollen das Thema Klimaschutz bei der Stadt Celle schon seit Längerem aufwerten. "Nach unseren Vorstellungen sollte der Klimaschutzbeauftragte von der Antragsbearbeitung für Fördergelder entlastet werden. Das kann auch ein Sachbearbeiter leisten. Der Klimaschutzbeauftragte hätte dann Zeit, sich um Konzepte zu kümmern oder die Beratungsvorlagen aufzubereiten, in denen die Folgen für den Klimaschutz angegeben werden", meint Zobel.

Eigenes Referat und Ausschuss für Klimaschutz gefordert

Insgesamt schwebt den Grünen ein eigenes Referat Klimaschutz vor und auch ein eigener Ausschuss. Letzteres habe allerdings erst einmal nicht geklappt. "Es gibt jetzt einen Ausschuss Klima, Umwelt und Verkehr. Bei den anderen Fraktionen konnten wir uns nicht damit durchsetzen, den Verkehr da auch noch herauszulösen", so Zobel, der selbst im Augenblick überfragt sei, ob die Stadt überhaupt noch einen Klimaschutzbeauftragten habe.

Stadt bearbeitet Anträge an anderer Stelle

Im Neuen Rathaus ist man sich der Problematik bewusst. "Die liegen gebliebenen Anträge werden bereits an anderer Stelle bearbeitet", sagt Stadtsprecherin Claudia Krause. Die betroffenen Celler sollen eine Zwischenmitteilung erhalten.