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Celle Stadt „Genau das, was ich machen will“
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Katja Kravchenko macht Ausbildung zur Bauzeichnerin bei Heidt und Peters

17:00 13.03.2021
Von Lisa Brautmeier
Katja Kravchenko hat als Auszubildende zur Bauzeichnerin offenbar den Beruf gefunden, der ihr liegt. Das Zeichnen ist es, was ihr bei der Arbeit für die Ingenieurgesellschaft Heidt + Peters am meisten Spaß macht.
Katja Kravchenko hat als Auszubildende zur Bauzeichnerin offenbar den Beruf gefunden, der ihr liegt. Das Zeichnen ist es, was ihr bei der Arbeit für die Ingenieurgesellschaft Heidt + Peters am meisten Spaß macht. Quelle: Heidt + Peters
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Celle

Eigentlich wollte Katja Kravchenko in eine etwas andere Richtung gehen, doch jetzt ist sie froh, dass sie sich umentschieden hat. Die 20-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Bauzeichnerin bei der Ingenieurgesellschaft Heidt + Peters und fühlt sich dort am richtigen Platz.

„Ich wollte nach meinem Abitur eigentlich ein duales Studium machen, hatte mich aber zu spät beworben“, gibt Kravchenko zu. Da sie das Jahr aber nicht verschwenden wollte, hat sie sich nach einer Ausbildung umgesehen und kam per Zufall auf ihren jetzigen Arbeitgeber. „Zuerst hat mir der Beruf des Bauzeichners nicht wirklich zugesagt. Als ich dann aber mehr dazu recherchiert habe, habe ich gemerkt, dass das schon genau das ist, was ich gerne machen würde“, sagt die Auszubildende. Zuerst hatte sie geplant, in die Ingenieursrichtung zu gehen und etwas mit Naturwissenschaften wie Mathe und Physik zu tun zu haben. Mit der Ausbildung zum Bauzeichner ist sie da jetzt dicht dran.

"Mathematik spielt eine große Rolle"

Anke Ballüer ist bei Heidt + Peters für die Auszubildenden zuständig und berät die angehenden Bauzeichner. Quelle: Heidt + Peters

„Vor allem Mathematik spielt eine große Rolle, weil viel mit Maßen, Maßstäben und Berechnungen gearbeitet wird“, erklärt Ausbildungsbeauftragte Anke Ballüer. Die Aufgabe von Kravchenko ist es, Zeichnungen herzustellen, die anhand von Skizzen oder Anweisungen eines Ingenieurs entstehen. Mittlerweile ist die Auszubildende froh, dass sie sich für einen Beruf als Bauzeichnerin entschieden hat und nicht für den des Ingenieurs. „Während dieser Ausbildung habe ich gemerkt, dass der Beruf nicht das ist, was ich machen will, weil der Ingenieur mehr plant als zeichnet“, sagt die Cellerin. Dabei ist das Zeichnen genau das, woran sie am meisten Spaß hat und was nun auch den überwiegenden Teil ihrer Arbeit ausmacht.

Besichtigung von Baustellen bietet Abwechslung

Für die Erstellung von Lageplänen, Bauwerkszeichnungen und Schnitten sitzt die 20-Jährige die meiste Zeit im Büro. Ab und zu fährt sie jedoch auch mit raus zu Vermessungen und bekommt so viel Abwechslung in den Arbeitsalltag. „Es ist gut, bei Projekten, für die ich etwas zeichne, mit vor Ort sein zu können. So bekommt man eine bessere Vorstellung davon, wie es dort wirklich aussieht“, meint Kravchenko. Auch kleine Tätigkeiten wie das Ausplotten von Plänen und das Falten auf A4-Format gehören zu ihren Aufgaben. Dazu kommen noch Themen, die sie gemeinsam mit anderen Auszubildenden vorbereitet. So werden oftmals gemeinsame Präsentationen erstellt, um das Reden vor anderen Menschen zu üben und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Teamfähigkeit ist gefragt

„Am Ausbildertag gucken wir auf Teamfähigkeit. Aber auch räumliches Vorstellungsvermögen ist sehr wichtig, damit man vorher schon weiß, was hinterher rauskommen soll“, sagt Ballüer. Auch Kommunikationsfähigkeit ist gefragt, denn Bauzeichner müssen sich mit den Ingenieuren abstimmen. „Diese sagen mir, was sie haben wollen. Weil sie die Verantwortung haben, überprüfen sie im Anschluss auch, was ich gezeichnet habe“, so Kravchenko. Eventuell geben die Ingenieure ihr dann noch Verbesserungsvorschläge. Gezeichnet wird dabei nicht mehr wie früher per Hand, sondern größtenteils mit entsprechenden Programmen am Computer.

Spaß an 3D-Zeichnungen

Katja Kravchenko prüft, wie die erstellen Zeichnungen auf dem Papier aussehen. Quelle: Heidt + Peters

Momentan ist die Cellerin in der Abteilung Wasserbau tätig. Im Tiefbauunternehmen Heidt + Peters gibt es auch noch weitere Bereiche, zum Beispiel die Siedlungswasserwirtschaft oder das Infrastrukturmanagement. In der Wasserbauabteilung ist Kravchenko zurzeit an einem Projekt beim Bau einer Rechenanlage beteiligt. Dafür fertigt sie auch 3D-Zeichnungen an. „Das habe ich in den ersten beiden Lehrjahren noch nicht gemacht, daher macht mir das gerade sehr viel Spaß“, so die Auszubildende. „Durch die 3D-Zeichnungen können sich die Auftraggeber die Rechenanlage besser vorstellen, denn es ist doch ein kompliziertes Bauwerk.“ Daher ist sie froh, letztlich nicht wie die Ingenieure für die Planung zuständig zu sein, sondern sich ganz auf das Zeichnen konzentrieren zu können.

Die Bauzeichner besuchen die Axel-Bruns-Schule in Celle. An dieser, auch BBS 2 genannten Einrichtungen am Lönsweg, sind im ersten und zweiten Lehrjahr jeweils 18 zukünftige Bauzeichner und im dritten Lehrjahr sind es 23.

Nachgefragt bei Henrik Löbens

Henrik Löbens ist Lehrer der Bautechnik an der Axel-Bruns-Schule (BBS 2) in Celle. Quelle: BBS 2

Henrik Löbens ist Lehrer der Bautechnik an der Axel-Bruns-Schule (BBS 2) in Celle.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Im Landkreis Celle und natürlich auch überregional werden zurzeit händeringend Auszubildende gesucht. Nach der Ausbildung gibt es als Weiterbildungsmöglichkeiten den Besuch einer Technikerschule oder beispielweise die Fachoberschule Technik Klasse 12 an der BBS 2 zu besuchen, um die Fachhochschulreife zu erwerben. Für viele Auszubildende ist die Ausbildung auch der Türöffner für ein späteres Studium der Architektur oder Ingenieurswissenschaften.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Bauzeichner?

Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre, kann aber auf zweieinhalb Jahre mit entsprechenden Noten und Zustimmung des Ausbildungsbetriebs und der Schule verkürzt werden. Mit dem erfolgreichen Besuch der einjährigen Berufsfachschule Bautechnik (BFB) an der BBS 2 oder einer allgemeinen Hochschulreife kann die duale Ausbildung auch im zweiten Ausbildungsjahr starten.

Worum geht es im schulischen Teil?

In der Berufsschule werden in Lernfeldern unter anderem die vielfältigen Inhalte, die bei der Planung eines Bauwerks von Bedeutung sind, vermittelt. Hierzu gehören je nach Ausbildungsschwerpunkt: die Planung von Gründungen, Hausentwässerungen, Wandkonstruktionen, Stahlbetonbauteilen, Decken, Dächern und Dachtragwerken, Treppen, Innenausbauten, Hallenbauten, Stahlbetonbauteilen, Straßenentwürfen, der Ver-und Entsorgung von Wasser, sowie von Außenanlagen. Die Inhalte werden anhand von praxisnahen Beispielen erarbeitet.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Die Ausbildung kann in drei unterschiedlichen Schwerpunkten erfolgen: Architektur, Ingenieurbau, sowie Tief-, Straßen- und Landschaftsbau. Nach zwei Jahren findet die Zwischenprüfung statt. Die Abschlussprüfung wird zum Ende der Berufsausbildung abgelegt.Beide Prüfungen beinhalten einen theoretischen und einen praktischen Teil. Alle Prüfungen werden durch die Industrie- und Handelskammer durchgeführt. Im Bereich des Tief-, Straßen- und Landschaftsbau gibt es außerdem die Möglichkeit eines dualen Studiums in Kooperation mit der Ostfalia Hochschule.

Wem würden sie die Ausbildung empfehlen?

Als angehender Bauzeichner – Schwerpunkt Architektur - sollte man ein gutes dreidimensionales Vorstellungsvermögen besitzen, über ein technisch-logisches Grundverständnis verfügen und Interesse an der Arbeit am Computer (CAD) haben, immer aber mit dem Blick für die Ausführung vor Ort auf der Baustelle. Es handelt sich weniger um einen gestalterischen, sondern vielmehr um einen technischen Beruf. Wer gerne im Team arbeitet, mit anderen kommuniziert und Interesse hat, sich immer wieder auf den neusten Stand der Technik zu bringen, hat eine der wichtigsten Grundlagen für diesen Beruf.

Bauzeichner erstellen Zeichnungen und bautechnische Unterlagen für Häuser, Brücken, Straßen und andere Bauwerke. Dazu arbeiten sie in der Regel am Computer mit CAD-Programmen. Nach den Entwurfsskizzen oder Anweisungen von Architekten und Architektinnen sowie Bauingenieuren fertigen sie Grundrisse, Bau- und Ausführungszeichnungen, Bauansichten und

Detailzeichnungen. Dabei beachten sie die einschlägigen technischen Vorschriften. Neben der zeichnerischen Arbeit stellen sie fachspezifische Berechnungen an. So ermitteln sie zum Beispiel den Bedarf an Baustoffen, erstellen Stücklisten und fertigen Aufmaße. Sie beobachten Planungs- und Bauprozesse der Bauvorhaben und sorgen dafür, dass die erforderlichen Unterlagen, Be- und Abrechnungen jeweils rechtzeitig zur Verfügung stehen. Außerdem verwalten Bauzeichner die unterschiedlichen Zeichnungsversionen zu einem Projekt und sichern die Daten.

Wo arbeitet man?

In erster Linie

• bei Bauämtern

• in Architektur- und Ingenieurbüros

• bei Baufirmen mit eigener Planungsabteilung

Arbeitsorte:

Bauzeichner arbeiten in erster Linie im Büro.

Darüber hinaus arbeiten sie gegebenenfalls auch auf der Baustelle.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Industriebetriebe

überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife ein, Handwerksbetriebe wählen vor allem Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss aus.

Worauf kommt es an?

• Räumliches Vorstellungsvermögen und rechnerische Fähigkeiten (zum Beispiel beim Anfertigen, Lesen und

Umsetzen von Skizzen und Zeichnungen, beim Berechnen des Baustoffbedarfs)

• Zeichnerische Befähigung und Geschicklichkeit (zum Beispiel beim Anfertigen maßstabsgerechter Detailzeichnungen, beim Beschriften von Bauplänen)

• Auge-Hand-Koordination (zum Beispiel beim Durchführen von Vermessungen)

• Sorgfalt (zum Beispiel beim Anfertigen präziser und normgerechter Zeichnungen)

Wichtige Schulfächer:

• Werken/Technik (zum Beispiel zum Konstruieren von Bauteilen wie Treppen und Dächer sowie zum Erstellen von Werk- und Detailzeichnungen; technisches Zeichnen)

• Mathematik (zum Beispiel zum Berechnen der Tragfähigkeit einer Konstruktion)

• Physik (zum Beispiel beim Konstruieren von Bauteilen)

Was verdient man monatlich in der Ausbildung?

• 1. Ausbildungsjahr: 805 bis 890 Euro (Baugewerbe*), 643 Euro (Ingenieurbüros)

• 2. Ausbildungsjahr: 1000 bis 1230 Euro (Baugewerbe*), 806 Euro (Ingenieurbüros)

• 3. Ausbildungsjahr: 1210 bis 1495 Euro (Baugewerbe*), 967 Euro (Ingenieurbüros)

*je nach Bundesland unterschiedlich

Michael Ende 13.03.2021
Benjamin Behrens 13.03.2021
Marie Nehrenberg-Leppin 13.03.2021