Statement für Berufsstand

Im Lockdown zur Kosmetik-Meisterin

Neben Katharina Friese weisen deutschlandweit nur wenige hundert Kosmetiker den Meister-Titel vor. Sie hofft, das Ansehen der Branche damit zu stärken.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 07. Nov. 2021 | 12:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 07. Nov. 2021 | 12:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Katharina Friese hat es geschafft. Seit Kurzem darf sie sich offiziell Meister im Kosmetiker-Handwerk nennen. Das Besondere daran? Neben ihr tragen aktuell nur wenige hundert weitere Kosmetiker in Deutschland diesen Titel. Im Kreisgebiet Celle ist sie die Erste. „Für mich ist das neben dem persönlichen Erfolg vor allem ein Statement für unseren Berufsstand“, sagt sie. „In meinen Augen ist es total wichtig, dass die Ausbildung zum Kosmetiker vereinheitlicht wird.“

Meisterprüfung im Kosmetik-Handwerk in Deutschland erst seit 2015

Erst seit 2015 ist es in Deutschland überhaupt möglich, dass Kosmetiker die Meisterprüfung ablegen. Das Ziel: Neben der Vereinheitlichung soll dadurch ein Qualitätssiegel entstehen. „Aktuell ist es im Prinzip egal, ob man die staatliche Ausbildung macht oder beispielsweise einen sechsmonatigen Crashkurs – Kosmetiker darf man sich in beiden Fällen nennen“, berichtet Friese. „Dass da aber natürlich gewaltige Unterschiede entstehen, das ist ja offensichtlich.“ Der Job sei immerhin mehr als „einfach nur schminken“. „Klar ist das ein Teil davon, der auch viel Spaß macht, aber wir haben auch eine gesundheitliche Verantwortung. Wir behandeln unter anderem schwerwiegende Hautprobleme, wo ein gewisses Maß an Anatomie und Dermatologie Grundvoraussetzung sein sollte. Das ist aber leider nicht überall der Fall.“

Unverhoffte Freizeit im Lockdown für Weiterbildung

Als Friese nun im vergangenen Jahr ihr Kosmetikstudio wegen Corona schließen musste, war für sie die Zeit gekommen. „Da der Lockdown ja verhinderte, dass ich meiner Arbeit nachgehen konnte, blieb so plötzlich Zeit, um die Weiterbildung zur Meisterin in Vollzeit zu absolvieren“, erinnert sie sich. „Das hilft mir persönlich zwar aktuell nur bedingt weiter, aber es kann in unserer Branche nur etwas passieren, wenn sich Menschen engagieren und bemühen, die Entwicklung voranzutreiben.“ Anders als beispielsweise im Friseur-Handwerk gibt es Stand jetzt noch keinen Meisterzwang. „Im Moment kann jeder einen eigenen Salon aufmachen, was dann natürlich dazu führt, dass ein paar schwarze Schafe auftauchen, die nicht gut ausgebildet sind. Glücklicherweise regelt sich das häufig von selbst, da die Kunden das schnell merken.“

Titel ermöglich Studium an Hochschulen

Die Meister-Prüfung im Kosmetik-Handwerk ist in der Bundessrepublik also Neuland. „In der DDR konnte man damals schon Kosmetik-Meister werden“, erzählt Friese. „Da wurde der Beruf allerdings auch mehr angesehen, als es heutzutage hier der Fall ist. Ich hoffe, dass sich die Wahrnehmung durch die neuen Möglichkeiten nun verändert.“ Der Titel Kosmetikmeister stellt den Beruf des Fachkosmetikers nicht nur auf ein international angesehenes Niveau, sondern ermöglicht unter anderem auch ein Studium an einer Hochschule.