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Celle Stadt So sollen die Nutrias gefangen werden
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Kampf gegen Nutrias: Stadt setzt auf Jäger

17:24 25.03.2019
Von Christian Link
Foto: Geht diese Nutria auch dem Jäger ins Netz? Noch haben die Bieberratte und ihr Nachwuchs im Celler Schlosspark ein schönes Leben.
Geht diese Nutria auch dem Jäger ins Netz? Noch haben die Bieberratte und ihr Nachwuchs im Celler Schlosspark ein schönes Leben. Quelle: Christian Link
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Celle

Für manche Celler sind sie aus dem Schlosspark schon gar nicht mehr wegzudenken: Die Nutrias. Die Biberratten dienen als beliebtes Fotomotiv. Vor allem seit die drei Jungtiere hinzugekommen sind. „Sie sehen ja niedlich aus, diese Tiere“, findet auch Parkbesucherin Gerda Behrens bei dem Versuch, während ihres Spaziergangs einen Blick auf die Nutrias zu erhaschen, „ich habe zwar schon einmal gehört, dass sie Schaden anrichten, aber nicht, dass sie eine Plage sind“. Doch genau das sind die Nutrias – auch in Celle, wie seit dem Landesjagdbericht 2017/18 bekannt ist. Niedersachsen erleichterte im Oktober die Jagd auf Nutrias und Wildschweine.

Jäger tötet Nutrias im Auftrag der Stadt

Als Maßnahme hat die Stadt Celle einen ausgebildeten Jäger mit der Erlaubnis zur Fallenjagd beauftragt, wie Stadtsprecherin Myriam Meißner auf CZ-Anfrage berichtet. Auch das Land Niedersachsen will bis Mai drei hauptberufliche Jäger einstellen, die sich ausschließlich mit der Nutriabejagung beschäftigen. „Zwar können keine genauen Summen für die verursachten Schäden in Niedersachsen benannt werden, aber sie gehen vermutlich in die Millionen“, begründet Heiko Fritz von der Landwirtschaftskammer die Jagd auf die Säugetiere. Um weiteren Schäden vorzubeugen, investiert das Land in Fallen. „Durch die Waffenjagd werden die Tiere scheu. Fallen sind eine gute Möglichkeit für die Bekämpfung der Tiere, auch weil diese nachtaktiv sind“, sagt der Celler Kreisjägermeister Hans Knoop. Auch Hobbyjäger könnten sich an der Bekämpfung beteiligen, so Knoop. Wer nachweisen kann, dass er eine Nutria erlegt hat, erhält eine Schwanzprämie in Höhe von sechs Euro.

Achtung, Verwechslungsgefahr: Ein Biber (Foto) sieht einem Nutria sehr ähnlich. 

2018 im Landkreis Celle insgesamt 1105 Nutrias erlegt

„Nach neuster Statistik der Jägerschaft des Landkreises Celle wurden 2018 insgesamt 1105 Nutrias im Landkreis erlegt“, sagt Meißner. Um Schäden an den Gewässerufern durch Untergrabungen und Aushöhlungen möglichst gering zu halten, finde eine eingehende Beobachtung des Nutriabestandes statt. Die ist auch dringend notwendig, denn wie Kreisjägermeister Knoop berichtet: „Auf der einen Seite führen die Eingänge der Nutriabauten an Ufern und Deichen zu Einstürzen und auf der anderen Seite tragen die Tiere den Sand ins Flussbett. Das führt zu Versandungen, die beseitigt werden müssen.“ Die angerichteten Schäden im Untergrund lassen sich allerdings schwer feststellen. „Besonders an der Küste ist die Angst vor den Folgen natürlich sehr groß“, berichtet Knoop. Dort sei es bei der Bewirtung eines Deiches sogar schon zu einem Todesfall gekommen, weil ein Traktor einbrach.

Nutrias auf Heidelbeerplantage

Dass die Nutrias nicht nur Schäden durch Untergrabungen anrichten, weiß Landwirt Rolf Dreß. Vorletzten Sommer haben sich die Nutrias auf seiner Heidelbeerplantage bei Hohne bedient. „Sie haben die Wurzeln angefressen“, so Dreß. Zwar hätten sich die Tiere hier inzwischen zurückgezogen, aber auch Knoop sagt: „Die Schäden in der Landwirtschaft sind sehr groß, denn die Nutrias sind Pflanzenfresser und fressen Getreide und Mais von den Feldern weg.“

Ein Nutria am Celler Schlossgraben.  Quelle: Christian Link

Nutriabestand im Landkreis immer größer

Insgesamt wird der Nutriabestand im Landkreis immer größer. „Das liegt daran, dass Nutrias sich das ganze Jahr über mit einer sehr hohen Wurfzahl vermehren können“, so Knoop. Außerdem besitzen Nutrias kaum natürliche Feinde. „Der Winter ist das Einzige, was sie nicht abkönnen, aber dadurch, dass der letzte Winter nicht so kalt war, wird sich die Anzahl der Tiere kaum reduziert haben“, sagt der Kreisjägermeister.

Biberratten nicht füttern

„Im Bereich der Parkanlagen wurden in 2018 zehn Tiere gefangen“, berichtet Stadtsprecherin Meißner und geht dabei nicht auf das weitere Schicksal der Nager ein. Die Nutriafamilie im Celler Schlosspark braucht sich vorerst jedoch keine Sorgen zu machen. Der Stadt zufolge wurden dort noch keine Fallen aufgebaut. Trotzdem warnt der Landesjägermeister: „Das Füttern der Tiere ist mit das Schlimmste und zudem auch nicht ungefährlich. Die Tiere haben ein sehr starkes Gebiss und da kann es ganz schnell gehen: Dann ist der Finger weg.“

Meinung von Michael Ende

Trügerisches Idyll

Gefällt Ihnen das Bild? Es sieht so herzig aus: Niedlich anzuschauen ist sie, die Nutria, die sich im Schlossgraben tummelt und mit Appetit das verputzt, was ihr tierliebe Menschen aufgetischt haben. Ein Idyll zum Verlieben, oder? Doch wie das oft so ist bei schönen Bildern: Nichts darauf ist wirklich schön.

Tödliche Tierliebe

Denn hier frisst ein Nagetier aus Südamerika, das bei uns eigentlich nichts zu suchen hat und nur deshalb hier ist, weil seine Vorfahren aus der tierquälerischen Massentierhaltung der Pelzfabriken ausbüchsen konnten. Und es mümmelt nicht irgendetwas, sondern Müll: Aufgeweichtes Brot, das Menschen gleich säckeweise in den Schlossgraben geworfen haben. Menschen, die nicht wissen oder nicht kapieren wollen, dass sie damit nicht nur Wasservögel krank machen und sogar töten. Hier hat also niemand irgendjemandem etwas Gutes getan.

"Problem-Nutrias"

Noch ein Wort zum Gewässer, das durch verrottendes Brot und zusätzlichen Tierkot nachhaltig verschmutzt wird: Beim Schlossgraben handelt es sich um einen mit Steinen eingefassten Kanal, dessen Wasser regelmäßig abgelassen werden muss, damit er entmüllt werden kann. "Entnommen" werden auch die Nutrias. Dass sie dann nicht etwa zurück auf ihren Heimat-Kontinent repatriiert werden, sondern als Zahl in der amtlichen Jagdstatistik auftauchen, ist auch etwas, über das mancher lieber nicht nachdenken will. So unromantisch kann ein Postkarten-Motiv sein.

Von Alina Meier

25.03.2019
Marie Nehrenberg-Leppin 24.03.2019
Marie Nehrenberg-Leppin 24.03.2019