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Celle Stadt Stadtfriedhof wird 100 Jahre alt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Stadtfriedhof wird 100 Jahre alt
15:44 08.05.2019
Von Svenja Gajek
Foto: Der Celler Stadtfriedhof bietet viele unterschiedliche Möglichkeiten, Verstorbene zur letzten Ruhe zu betten. Auch einige bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind hier beerdigt, wie zum Beispiel der Zwiebackfabrikant Harry Trüller.
Der Celler Stadtfriedhof bietet viele unterschiedliche Möglichkeiten, Verstorbene zur letzten Ruhe zu betten. Auch einige bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind hier beerdigt, wie zum Beispiel der Zwiebackfabrikant Harry Trüller. Quelle: Svenja Gajek
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Celle

Unter Bäumen entlang schlendern, die Natur genießen und zwischendurch mit freundlichen Menschen ein Schwätzchen halten. Doch nebenan stehen und arbeiten Trauernde an Gräbern. Eine solche Szenerie ist auf vielen Friedhöfen alltäglich. Gerade in Städten können die Orte der letzten Ruhe eine Begegnungsstätte für viele unterschiedliche Menschen sein. So ist es auch auf dem Stadtfriedhof in Celle. Dieses Jahr wird er 100 Jahre alt.

Urnenbeisetzungen unter Bäumen liegen auch auf dem Stadtfriedhof im Trend. Quelle: Svenja Gajek

Die Anfänge des Stadtfriedhofes reichen in die Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Es zeichnete sich bereits ab, dass durch die vielen Kriegstoten der kirchliche Friedhof in kurzer Zeit voll belegt sein würde. Damals fanden Beisetzungen auf dem Hehlentorfriedhof statt – östlich und westlich der Harburger Straße. Die Stadtverwaltung hatte sich ab 1917 mit der Frage beschäftigt, an welchen Stellen weitere Flächen zur Bestattung freigegeben werden konnten. Es gab verschiedene Prüfungsvorgänge bezüglich Lage und Bodenbeschaffenheit.

Die Medizinische Hochschule Hannover hat eine Stelle auf dem Stadtfriedhof für Körperspender gepachtet. Quelle: Svenja Gajek

Schließlich wurden im Jahr 1919 mehrere Flächen von insgesamt 7,9 Hektar von der ehemaligen Schieblerschen Baumschule für 100.000 Reichsmark aufgekauft. „Mehrere Versuche, über Ansprache verschiedener Gartenbauarchitekten, einen Entwurf für die Anlage zu bekommen, scheiterten“, erklärt Jens Hanssen, Fachbereichsleiter für den städtischen Grün- und Friedhofsbetrieb. Dann wurde eine öffentliche Ausschreibung auf den Weg gebracht. Tatsächlich gingen nun 22 Entwürfe bei der Stadt ein. In einem Gremium wurde beschlossen, welcher Entwurf umgesetzt werden sollte. Die Entscheidung fiel auf den damals bekannten Gartenbauarchitekten Theodor Nußbaum aus Köln. Dieser war Spezialist für Friedhofs- und Sportanlagengestaltung. Als Mitglied der NSDAP hatte er Mitte der 1930er Jahre großen Einfluss auf die Gestaltung des sogenannten „Maifeldes“ genommen, einem Fest- und Aufmarschplatz am Aachener Weiher.

Auf dem Stadtfriedhof liegen viele, teilweise umstrittene Persönlichkeiten aus Celle.  Quelle: Svenja Gajek
Auch der von den Nationalsozialisten überhöhte preußische Generalfeldmarschall August von Mackensen liegt auf dem Stadtfriedhof begraben. Quelle: Svenja Gajek

Gedenkstätte für Kriegsopfer

„Die ursprüngliche Anlage des Stadtfriedhofes ist bis heute in ihren Grundzügen nicht verändert worden“, erläutert Hanssen. Deutlich zu erkennen ist die klare Ausrichtung an einer Hauptachse, die von Nordwesten nach Nordosten verläuft. Diese kreuzen mehrere, zu der Hauptachse rechtwinklig liegende Querachsen. Dadurch ergibt sowohl aus der Luft als auch am Boden ein äußerst symmetrisches Bild. Allerdings hat dieser Aufbau auch zur Folge, dass man sich auf den Nebenwegen leicht in den vielen kleinen Abzweigungen und Winkeln verirren kann. Die beiden Hauptorientierungspunkte kommen jedoch immer wieder aus verschiedenen Winkeln in den Blick des Besuchers: Die Kapelle mit dem Krematorium und die Gedenksäule.

Trotz der schwierigen Bodenverhältnisse auf dem Gelände des Stadtfriedhofes erfolgte im April 1919 die erste Beisetzung. Nun kam die Frage nach dem Umgang mit den Opfern des Krieges auf. Daraufhin wurde im Nordwesten der Anlage eine Kriegsgräberstätte errichtet. Im Zentrum dieser Stelle steht die zwölf Meter hohe Ehrensäule des ebenso wie Nußbaum aus Köln stammenden Architekten Wenzel. Der Inschrift ist zu entnehmen, dass die Säule zum Gedächtnis für die im Ersten Weltkrieg gefallenen „Söhne der Stadt“ errichtet wurde. Zu diesen zählt auch der Sohn des Stifters Senator Harry Trüller. Er fiel am 4. Oktober 1917 in Flandern. Steht der Betrachter inmitten der Denkmalanlage, erkennt er deutlich drei konzentrische Kreise mit Grabplatten und Stelen für 461 Gefallene aus beiden Weltkriegen.

Eine Gedenkstätte auf dem Stadtfriedhof erinnert an die Gefallenen aus beiden Weltkriegen. Quelle: Svenja Gajek

Urnenbeisetzungen überwiegen

Gegenüber der Kriegsopferstätte liegt die unter Denkmalschutz stehende Kapelle. Sie wurde 1934/35 errichtet, vermutlich unter Beteiligung des Architekten Hermann Bunzel aus dem Büro des Bauhäuslers Otto Haesler. Unter der Kapelle befindet sich das hochmoderne, 2013 eingeweihte Krematorium. Es wird nicht von der Stadt, sondern privat vom Feuerbestattungsverein Celle betrieben.

Das neue Krematorium liegt genau unter der Kapelle auf dem Stadtfriedhof. Quelle: Svenja Gajek

„Die Bestattungsrituale haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt“, so Hanssen. Auf dem Stadtfriedhof kann man diesen Trend an den Zahlen ablesen: Die Urnenbeisetzung steht zur klassischen Erdbestattung im Verhältnis vier zu eins. Überhaupt haben die Menschen heutzutage viele Möglichkeiten, auf welche Weise sie ihre Angehörigen zur letzten Ruhe betten wollen. Der Stadtfriedhof bietet Urnenreihengräber, Urnenwahlgräber, Urnenwahlgräber in bevorzugter Lage, anonyme Urnenreihengräber, Wahlgräber, Wahlgräber in bevorzugter Lage, Baumgräber und als besondere Form den Rosenfrieden. Im Übrigen gibt es auf dem Stadtfriedhof keine speziell ausgewiesenen Flächen für nicht-christliche Verstorbene.

Der Laubengarten ist Teil moderner Bestattungskultur auf dem Stadtfriedhof. Quelle: Svenja Gajek
Im Garten Rosenfrieden sind die Verstorbenen von der "Königin aller Blumen" umgeben. Quelle: Svenja Gajek

Anfänglich ging man davon aus, dass die knapp acht Hektar des Stadtfriedhofes für 40 Jahre ausreichen würden. Tatsächlich ist die Fläche bis heute nicht erweitert worden. Allerdings kam der Waldfriedhof als zweiter großer städtischer Friedhof noch dazu. „Solange keine unvorhergesehenen Katastrophen eintreten, haben wir erst einmal Platz genug“, sagt Hanssen.

Kapelle und Krematorium

Seit 1935 ist auf dem Stadtfriedhof ein Krematorium direkt unter der Kapelle im Betrieb, dessen Einzugsbereich weit über die Stadtgrenzen hinaus reicht. 2013 wurde eine neue, 900.000 Euro teure Anlage zur Einäscherung eingeweiht. Wasserspiel und Fliesenkunst als Symbole für den Beginn und das Ende des Lebens geben dem Verbrennungsakt einen würdigen Rahmen. Der Kremierung können die Angehörigen auf Wunsch beiwohnen.

Laubengarten

Die Urnenbeisetzung im Laubengarten hat der Stadtfriedhof seit 2017 im Angebot. Hainbuchen werden im Wachstum so an Stäben entlang geführt, dass ein Blätterdach entsteht. Zudem spiegelt der quadratische Schnitt die Grundform des gesamten Geländes wider. Am Fuß der Bäume gibt es eine flächendeckende Staudenbepflanzung. Die Urnengrabstätten hier sind halbanonym, das heißt, es darf ein liegendes Grabmal eingelassen werden.

Baumbestattungen

In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Bestattungskultur ein radikaler Wandel vollzogen: Die Einäscherung hat der klassischen Erdbestattung den Rang abgelaufen. Auf dem Stadtfriedhof bieten Baumgräber in einer Allee auf der Südost-Nordwestachse eine Alternative zum konventionellen Urnengrab. Die Asche wird in den Bodenbereich einer jungen Säulenhainbuche eingebracht. Ein kleiner Stein mit den Daten des Verstorbenen kann hinterlegt werden.

Rosenfrieden

Im Rosenfrieden auf dem Stadtfriedhof wird die Urne des Verstorbenen nicht anonym beigesetzt. Helle Granitstelen geben der Gartenanlage weithin sichtbar Struktur. An diesen wird auf Wunsch eine kleine Bronzetafel mit Namen und Daten des Verstorbenen angebracht. Von Rosen umrankte Holzbänke laden die Besucher zum Verweilen ein. Eine kleine Engelsfigur aus den 1930er Jahren wacht über die Verstorbenen.

August von Mackensen

Abseitig der großen Wege auf dem Stadtfriedhof in der Nähe des Haupteinganges liegt in einem Winkel die Grabstätte des preußischen Generalfeldmarschalls August von Mackensen. Die NS-Propaganda nutzte ihn symbolträchtig, um eine Kontinuität zwischen der Kaiserzeit und dem Dritten Reich herzustellen. Dadurch wurde er enorm populär. Nie äußerte er sich zu den Verbrechen der Nazis. Er starb am 8. November 1945 im Alter von 96 Jahren.

Kriegsgräberstätte und Gedenksäule

In zwei Rondellen auf dem Stadtfriedhof liegen Ehrengrabmäler inmitten der zwei ersten besetzten Grabanlagen links und rechts der Kapelle. Auf städtische Kosten wurden hier Flächen für besondere Persönlichkeiten zur Verfügung gestellt. Auch umstrittene Personen liegen hier, zum Beispiel Celles ehemaliger Oberbürgermeister Ernst Meyer. Als Dienstherr der Polizei war er mitverantwortlich für das Massaker an KZ-Häftlingen am 8. April 1945.

Körperspender

Ein kleiner Bereich auf dem Stadtfriedhof im Norden der Kapelle ist Körperspendern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) vorgesehen. Die Fläche ist von einem privaten Gartenbauer gestaltet worden. Ungefähr 50 bis 80 Urnen sollen hier beigesetzt werden. Zum Gedenken an die Körperspender findet jedes Jahr im Anschluss an den Präparierkurs eine Feierstunde in der Kapelle der MHH statt.

Ehrenbürger

Nach dem ersten Weltkrieg wurde auf dem Stadtfriedhof eine Kriegsgräberstätte angelegt. Auf dieser liegen 461 Gefallene aus beiden Weltkriegen, 382 davon aus dem Ersten Weltkrieg. Harry Trüller, Gründer der Zwiebackfabrik, stiftete 1921 die zwölf Meter hohe Ehrensäule zum Andenken an seinen gefallenen Sohn sowie auch zum Gedächtnis der "gefallenen Söhne der Stadt Celle". Die Säule steht im Kreis von 92 Gräbern, die vom Krieger-Ehrenfriedhof an der Harburger Straße hierher verlegt wurden.

Führungen über den Stadtfriedhof

Der Fachbereichsleiter für die städtische Friedhofsverwaltung Jens Hanssen und seine Mitarbeiter bieten am Samstag, 11. Mai, von 11 bis 16 Uhr jeweils stündlich Führungen über den Stadtfriedhof an. Die Besucher erfahren Wissenswertes zur Geschichte der Anlage. Zudem gibt es Informationen über verschiedene Bestattungsformen im Wandel der Zeit. Zu diesem Thema wird es auch einige Fotoausstellungen geben. Die Besichtigung der Kapelle und des Krematoriums ist ebenso möglich. Für das leibliche Wohl sorgt der Feuerbestattungsverein mit Kaffee und Kuchen.

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