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Celle Stadt „Jeder hat ein Recht auf Inklusion“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Jeder hat ein Recht auf Inklusion“
14:47 13.06.2010
Celles Oberbürgermeister Dirk Ulrich Mende (von links), Maria Schult von der Landesschulbehörde Lüneburg, Wathlinges Samtgemeindebürgermeister und Moderator Wolfgang Grube und Erster Kreisrat des Landkreises Celle, Matthias Krüger, folgen konzentriert den Ausführungen des Referenten Dr. Timm Albers von der Leibniz Universität Hannover.
Celles Oberbürgermeister Dirk Ulrich Mende (von links), Maria Schult von der Landesschulbehörde Lüneburg, Wathlinges Samtgemeindebürgermeister und Moderator Wolfgang Grube und Erster Kreisrat des Landkreises Celle, Matthias Krüger, folgen konzentriert den Ausführungen des Referenten Dr. Timm Albers von der Leibniz Universität Hannover. Quelle: Gert Neumann
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Die Podiumsdiskussion zum Thema „... auf dem Weg zur inklusiven Schule“ am Dienstagabend in der Realschule Auf der Heese hat viel Gesprächs- und Handlungsbedarf aufgezeigt. Alexander Seidel, Vater eines behinderten Kindes, plädierte dafür, das Prinzip der Freiwilligkeit bei der schulischen Integration von Kindern mit Behinderung aufzuheben. Die Tatsache, dass Schulen freiwillig entscheiden könnten, ob sie Integrationsklassen eröffneten, sei problematisch. „Schließlich hat jeder ein Recht auf Inklusion“, sagte Seidel.

Inklusion betrachtet den Menschen von Anfang an als Teil einer Gesellschaft, die sich individuellen Bedürfnissen anpasst. Es wird keine Unterteilung in Gruppen vorgenommen. Behinderte werden gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern unterrichtet. „Integration hingegen will den Menschen mit Behinderung in ein bestehendes System einpassen“, erklärte Timm Albers von der Leibniz Universität Hannover im Einführungsvortrag die Unterschiede zwischen den Begriffen.

„Im Bereich Integration machen wir Fortschritte. Davon sind wir bei der Inklusion noch weit entfernt“, sagte Maria Schult vom Dezernat für Sonderschulen bei der Landesschulbehörde Lüneburg. Sie stimmte Seidels Aussage zu: „Wenn wir auf Freiwilligkeit der Schulen setzen, bekommen wir Inklusion nicht umgesetzt.“

Laut Matthias Krüger, Erster Kreisrat des Landkreises Celle, liegt die Schwierigkeit, Inklusion umzusetzen, vor allem in den fehlenden Lehrkräften begründet: „Wir brauchen Personal, um der täglichen Herausforderung der Inklusion zu begegnen.“

Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) sieht eher die Finanzierung als Hindernis an: „Noch fehlt der Inklusion der Unterbau. Der Apparat der Förderschulen kostet enormes Geld. Für die Übergangszeit in die Inklusion und um dann beide Systeme am Leben zu erhalten, wären noch mehr Mittel erforderlich. Ich frage mich, ob der Staat das Geld dafür zur Verfügung stellt.“

Die um die Zukunft ihrer Kinder besorgten Eltern wünschen sich einen Inklusionsbeauftragten, der ihre Interessen in der Stadt- und Schulpolitik vertritt. „Man braucht nicht zwingend einen Inklusionsbeauftragten“, entgegnete Mende. Er schlug vor, den Aufgabenbereich von Brigitte Fischer, Gleichstellungsbeauftragte bei der Stadt Celle, auf die Menschen mit Handicap auszuweiten und sie als deren „Sprachrohr im Rathaus“ zu installieren.

Trotz der Schwierigkeiten pocht Behördenvertreterin Schult darauf, dass der Weg hin zur Inklusion eingeschlagen wird: „Wir müssen den Paradigmenwechsel – von der Integration hin zur Inklusion – trotz aller Anstrengungen und Mühen schaffen.“ Krüger betonte, dass den Lehrkräften die dazu notwendige sonderpädagogische Förderung zuteil werden müsse. „Die Eltern brauchen in jedem Fall einen langen Atem, weil Gesetze sich nicht kurzfristig ändern lassen“, so Krüger.

lSoVD lobt Diskussion: Der Sozialverband Deutschland hat die Podiumsdiskussion in der Realschule Auf der Heese begrüßt. „Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Handicap muss selbstverständlich werden“, sagte Sabine Kellner, Leiterin des Celler SoVD-Beratungszentrums.

Von Paul Gerlach