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Celle Stadt „Es ist wie meine eigene Party“
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Jasmin Klünker absolviert eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau

15:41 22.02.2021
Als angehende Veranstaltungskauffrau muss Jasmin Klünker auch Mut beweisen und selbst auf die Bühne gehen, um Künstler anzumoderieren.
Als angehende Veranstaltungskauffrau muss Jasmin Klünker auch Mut beweisen und selbst auf die Bühne gehen, um Künstler anzumoderieren. Quelle: Noah Dahm
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Ein Konzert umsonst verfolgen, einen Comedy-Auftritt sogar anmoderieren und die Künstler persönlich treffen? Das haben viele Bewerber im Kopf, die sich für den Beruf der Veranstaltungskaufleute interessieren. Und genau deswegen kommen diese für die Stellen meist nicht in Frage. Denn die Ausbildung ist viel umfangreicher, da sämtliche Auftritte bis ins kleinste Detail organisiert werden müssen.

Vielfältige Ausbildung

Jasmin Klünker absolviert in der CD-Kaserne eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau, obwohl sie zunächst ein Lehramtsstudium angefangen hatte. Das war aber nicht das Richtige für sie. „Und da ich auch immer selbst gerne auf Konzerten und Festivals war, wollte ich in diese Richtung gehen, und die CD-Kaserne hat mich hier in der Umgebung am meisten angesprochen“, sagt die 23-Jährige. Dabei gefällt ihr vor allem die Vielfältigkeit ihrer Ausbildung, denn sie ist teils im Büro und teils bei den Veranstaltungen vor Ort mit dabei. „Mir machen beide Seiten Spaß“, so Klünker.

Auch die Büroarbeit spielt eine große Rolle. Hier plant Jasmin Klünker die anstehenden Veranstaltungen. Quelle: Anna-Lena Bodnarskyj

Momentan hat es die Branche zwar nicht leicht, aber es werden trotzdem weiter Auszubildende gesucht. „Das ist ein Beruf mit großer Zukunft“, meint Kai Thomsen, Geschäftsführer der CD-Kaserne. „Veranstaltungen wird es immer geben und der Bedarf an Fachkräften ist hoch.“ Im Normalbetrieb plant Klünker die verschiedensten Events. Künstler werden angefragt, Termine vereinbart und Verträge ausgehandelt. Dann folgen Hotel- und Cateringbuchungen. Die Auszubildende muss sich überlegen, was an dem Abend alles benötigt wird, wie die Bestuhlung aussehen soll, und sie muss dafür sorgen, dass sich die Künstler und Zuschauer wohlfühlen. „Es liegt in meiner Verantwortung, dass alle eine schöne Zeit erleben“, sagt Klünker. Bei all den Aufgaben von der Buchung bis hin zum Event ist es wichtig, nicht den Überblick zu verlieren. „Am Anfang war es schon schwer, alles unter einen Hut zu bekommen, aber man gewöhnt sich da schnell dran“, so die 23-Jährige.

"Augen überall haben"

Damit auch genug Eintrittskarten verkauft werden, gehört das Marketing ebenso zu den Aufgaben der Auszubildenden. Presseartikel werden geschrieben und Überlegungen angestellt, wie Werbung am besten platziert werden kann. Das kann sowohl das Anbringen von Plakaten als auch das Bespielen der Social-Media-Kanäle bedeuten. Neben der Büroarbeit und der Planungen vorab kommen am Ende die Einsätze bei den Veranstaltungen hinzu. Von diesen bekommt sie aber nur bedingt etwas mit. „Da muss ich meine Augen nämlich überall haben. Das ist dann wie meine eigene Party und ich bin der Gastgeber, der dafür sorgen muss, dass alles gut läuft“, so die Cellerin. Da sie aber auch im Ticketshop mithilft und dort auch Kontakt zu Besuchern hat, sollte sie sich dennoch mit dem Programm auskennen, um die Kunden beraten zu können.

Kommunikationsfähigkeit ist wichtig

Klünker kann sehr selbstständig arbeiten und auch eigene Projekte betreuen. „Es gibt immer jemanden, der drüberschaut, aber man kann viel ausprobieren“, betont die 23-Jährige. Dabei spielt Teamarbeit eine große Rolle. „Daher lassen wir unsere Bewerber auch zur Probe arbeiten, um zu sehen, wie sie im Team agieren“, sagt Thomsen. Gesucht werden in erster Linie Bewerber, die es begeistert, mit anderen Menschen zu agieren. „Wir gucken bei der Auswahl vor allem auf die Social Skills“, so der Geschäftsführer. Wichtig sind vor allem Kommunikationsfähigkeit und ein sicheres Auftreten.

Jasmin Klünker (rechts) arbeitet viel mit anderen Auszubildenden wie ihrer Kollegin Sheenara Wiebke zusammen. Quelle: CD-Kaserne

Dass Team-Arbeit großgeschrieben wird, merkt auch Klünker, die nicht nur mit den Mitarbeitern aus ihrem Bereich zu tun hat. Daher hat sie auch viel Kontakt zu anderen Auszubildenden und lernt auch viel über andere Arbeitsfelder wie zum Beispiel die Veranstaltungstechnik. Momentan hat Klünker trotz der coronabedingten Einschränkungen einiges zu tun. Es werden verschiedene Onlineangebote angeboten, die dementsprechend ebenfalls geplant und organisiert werden müssen. Nur weil es in den Hallen der CD-Kaserne zurzeit ruhiger zugeht, bleiben die Veranstaltungen trotzdem nicht aus. Zudem ist eine Outdoor-Bühne geplant, sodass Präsenzveranstaltungen zukünftig auch draußen stattfinden können. „Der Beruf wird daher nie langweilig“, ist Klünker überzeugt.

Nachgefragt bei Inken Rothkamm

Inken Rothkamm ist die Bildungsleiterin für Veranstaltungskauffleute an den BBS 13 in Hannover. Quelle: Andreas Babel

Inken Rothkamm ist Bildungsgangleiterin für Veranstaltungskaufleute an der Berufsbildenden Schule 14 der Region Hannover.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Bei entsprechendem Schulabschluss (zum Beispiel Allgemeine Hochschulreife) oder Vorkenntnissen (beispielsweise einer anderen abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung) besteht die Möglichkeit, die Ausbildung auf zwei oder zweieinhalb Jahre zu verkürzen.

Worum geht es im schulischen Teil?

In der Berufsschule werden zum einen allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Englisch und Politik unterrichtet. Daneben gliedert sich der Unterricht in Lernfelder. Dabei stehen allgemeine betriebswirtschaftliche Themen wie Investition und Finanzierung, Rechnungswesen, Marketing, rechtliche Aspekte und Personalwesen auf dem Lehrplan. Des Weiteren findet Unterricht in veranstaltungsspezifischen Lernfeldern statt, in denen es um die Planung, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen geht. Dabei werden die verschiedenen Veranstaltungsformate wie Messen, Tagungen, Incentives, Konzerte und Public Events näher betrachtet. In diesem Zusammenhang werden auch spannende Projekte in den Unterricht eingebunden, um den Auszubildenden die Möglichkeit zu geben, das im Unterricht Erlernte in die Praxis umzusetzen.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Es handelt sich um eine duale Ausbildung mit wöchentlichem Unterricht. Im ersten Ausbildungsjahr besuchen die Auszubildenden an zwei Tagen die Berufsschule. Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr sind sie jeweils einen Tag in der Berufsschule. Die restlichen Wochentage verbringen die Auszubildenden in ihren Ausbildungsbetrieben. Nach etwa eineinhalb Jahren legen die Auszubildenden die Zwischenprüfung ab. Diese ist eine bundesweit einheitliche Prüfung und dient in erster Linie dazu, den aktuellen Leistungsstand festzustellen. Die Abschlussprüfung ist in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil gegliedert.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Wer kreativ, kunden- und dienstleistungsorientiert ist und Organisationstalent besitzt, bringt gute Voraussetzungen mit. Daneben sind auch kommunikative Fähigkeiten und Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere Englisch, sehr hilfreich, denn das Veranstaltungsgeschäft ist oft international ausgerichtet. Es sollte auch die Bereitschaft vorhanden sein, am Wochenende oder in den Abendstunden zu arbeiten, denn zu diesen Zeiten finden Veranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen und Public Events statt.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Die momentane Situation trifft gerade die Veranstaltungsbranche schwer. Daher sind die Aussichten aktuell etwas getrübt. Allerdings hat nach den letzten Abschlussprüfungen im Januar 2021 trotzdem ein großer Teil der Absolventen ein Übernahmeangebot vom Ausbildungsbetrieb erhalten.

Von Lisa Brautmeier

Veranstaltungskaufleute

Was macht man in diesem Beruf?

Veranstaltungskaufleute konzipieren Veranstaltungen, organisieren deren Durchführung und bereiten sie kaufmännisch vor und nach. Sie entwickeln beispielsweise zielgruppengerechte Konzepte für Messen, Kongresse, Konzerte oder Ausstellungen, schätzen Veranstaltungsrisiken ein, kalkulieren Kosten und erstellen Leistungsangebote. Sie akquirieren Kunden, beraten und betreuen diese vor und während der Veranstaltungen, erstellen Ablauf- und Regiepläne und setzen diese um. Dabei berücksichtigen Veranstaltungskaufleute veranstaltungstechnische Anforderungen, Gegebenheiten und Vorschriften ebenso wie betriebswirtschaftliche Rentabilitätsaspekte. Zum Schluss führen sie Erfolgskontrollen durch und erstellen Abrechnungen. Sie beobachten das aktuelle Marktgeschehen im Veranstaltungs- und Eventbereich, erstellen Marketing- und Werbekonzepte und setzen entsprechende Maßnahmen um. Darüber hinaus bearbeiten sie personalwirtschaftliche Vorgänge und wirken an der Kosten- und Erlösplanung mit.

Wo arbeitet man?

Veranstaltungskaufleute finden Beschäftigung in erster Linie

• bei Unternehmen der Veranstaltungsbranche und Eventagenturen

• bei Unternehmen für Veranstaltungstechnik

• in kommunalen Einrichtungen (zum Beispiel Kulturämter, Büros für Stadtmarketing)

Arbeitsorte:

Sie arbeiten in erster Linie

• in Büroräumen

• in Messe- oder Konzerthallen, in Theater- und Gasträumen, in Fernsehstudios

• im Freien (bei Open-Air-Veranstaltungen)

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife ein.

Worauf kommt es an?

• Kunden- und Serviceorientierung (zum Beispiel beim Beraten von Kunden zur Veranstaltungsplanung)

• Kommunikationsfähigkeit, interkulturelle Kompetenz (zum Beispiel im Kontakt mit Behörden, Sponsoren,

Geschäftspartnern, internationalen Künstlern)

• Organisatorische Fähigkeiten und Verhandlungsgeschick

• Kaufmännisches Denken und Sorgfalt

Wichtige Schulfächer:

• Deutsch

• Mathematik

• Englisch

• Wirtschaft

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:

• 1. Ausbildungsjahr: 625 bis 815 (Gastgewerbe*), 1018 Euro (öffentlicher Dienst)

• 2. Ausbildungsjahr: 675 bis 950 Euro (Gastgewerbe*), 1068 Euro (öffentlicher Dienst)

• 3. Ausbildungsjahr: 775 bis 1065 Euro (Gastgewerbe*), 1114 Euro (öffentlicher Dienst)

*je nach Bundesland unterschiedlich

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