Kinderschutzbund 2021

"Kinder ernst nehmen"

So war das Jahr 2021 für den Celler Kinderschutzbund. Silvia Seibel spricht über ein neues Projekt und die Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 08. Jan. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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  • 08. Jan. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Auch 2021 war von Corona überschattet. Für Kinder und Jugendliche gab es erneut jede Menge Herausforderungen: Schulen blieben teilweise geschlossen, Jugendliche konnten sich nicht richtig ausprobieren und Kinder konnten sich nicht mit anderen Kindern treffen. "Sie brauchen aber andere Kinder für ihre Entwicklung", betont Silvia Seibel, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Celle.

Silvia Seibel: ständig Hygienekonzepte geschrieben und aktualisiert

Sie ist froh gewesen, als sie nach dem zweiten Lockdown im vergangenen Jahr wieder öffnen und auch die Angebote wie der Kids-Treff oder die Jugendgruppe wieder stattfinden konnten – natürlich immer mit einem aktualisierten Hygienekonzept. "Ich bin das vergangene Jahr sehr oft mit dem Schreiben von Hygienekonzepten beschäftigt gewesen", erinnert sich Seibel. Aber für sie sei es wichtig gewesen, dass Kinder, Jugendliche und Eltern auch während Corona zu ihnen kommen konnten. Zumindest als es unter bestimmten Hygiene-Maßnahmen wieder möglich war.

Durch Corona-Einschränkungen in der Entwicklung ausgebremst

"Die Kinder werden durch die Einschränkungen sehr ausgebremst in ihrer Entwicklung", sagt Seibel. Das sei dramatisch, aber es könne keiner etwas dazu. Sie kritisiert jedoch den Stellenwert von Kindern und Jugendlichen zu Beginn der Pandemie: "Am Anfang spielten sie keine große Rolle. Erst nach und nach wurden sie in den Fokus genommen. Wir hoffen, dass sie auch weiterhin im Mittelpunkt bleiben." Für die Mitarbeiter des Kinderschutzbundes haben die Kinder und Jugendlichen höchste Priorität. "Den Kindern und Jugendlichen soll es gut gehen", so Seibel. "Da Corona bei ihnen Spuren hinterlässt, müssen wir auf sie achten. Deswegen brauchen sie einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft."

Kinderschutzbund: Neues Projekt "Wohlfühl-Lernen"

Um den Kindern zu helfen, die während der Pandemie "abgehängt wurden" – entweder schulisch, weil vielleicht die Homeschooling-Gegebenheiten nicht so gut gewesen sind, oder in anderen Bereichen –, haben sich die Mitarbeiter des Kinderschutzbundes das neue Projekt "Wohlfühl-Lernen" überlegt, das im September gestartet ist.

Partnerschaft zwischen Kindern und Ehrenamtlichen

"Wir haben inzwischen vier Ehrenamtliche und eine Koordinatorin für das Projekt", erläutert die Geschäftsführerin. "Diese trifft sich mit interessierten Kindern und Eltern, um gemeinsam zu schauen, wo die Kinder Unterstützung brauchen." Danach werde ein Ehrenamtlicher gewählt, der sich ausschließlich um das eine Kind und dessen Bedürfnisse kümmere und es stärke. "Es wird eine Partnerschaft eingegangen", berichtet Seibel. Die Ehrenamtlichen würden den Kindern bei schulischen Aufgaben helfen, mit ihnen spielen oder einfach nur mit ihnen sprechen.

Mit Kinder sprechen und ihnen zuhören

Vor allem mit den Kindern zu sprechen und ihnen zuzuhören, ist wichtig, das zeigt auch eine Situation zwischen einer Mutter und ihrem Sohn im vergangenen Dezember, die 2021 prägend war für Seibel und die anderen Mitarbeiter des Kinderschutzbundes. "Eine Mutter ist mit ihrem Sohn zum Kids-Treff gekommen und sehr laut und aufgeregt gewesen", erläutert die Geschäftsführerin. "Sie hatte von der Schule erfahren, dass ihr Sohn gelogen und gestohlen hat."

Kinderschutzbund-Mitarbeiterin hilft einer Mutter und ihrem Sohn

Im Beratungsraum sei die Mutter beruhigt worden. "Dann hat die Kollegin dem Sohn ermöglicht, etwas zu sagen und seine Perspektive zu erzählen", berichtet Seibel. Anscheinend hat er sich mit den gestohlenen Sachen Freunde kaufen wollen. Dadurch, dass Seibels Kollegin beiden die Möglichkeit gegeben hat, ihre Sicht darzustellen, hat sie erreicht, dass Mutter und Sohn sich zuhören und einander verstehen. Bei weiteren Gesprächen sei geschaut worden, wie der Sohn Freunde findet, ohne etwas zu stehlen.

Prägendes Ereignis 2021: Keine Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz

"Man muss den Kindern und Jugendlichen zuhören und verstehen, was sie denken oder fühlen", sagt Seibel. "Sie müssen ernst genommen und gemeinsam muss eine Lösung gefunden werden. Je mehr Kinder und Jugendliche einbezogen werden, desto mehr Verantwortung lernen sie." Hier greift das Kinderrecht "Partizipation". Da fällt der Geschäftsführerin ein weiteres prägendes Ereignis von 2021 ein: "Uns hat es sehr beschäftigt, dass die Kinderrechte nicht ins Grundgesetz aufgenommen wurden." Es sei geplant gewesen, am Ende aber nicht durchgesetzt worden. "Auch die neue Koalition hat es vor. Wir hoffen, dass es diesmal funktioniert", so Seibel. Vielleicht ist das ja dann beim Jahresrückblick 2022 ein positiv prägendes Ereignis. Außerdem plant der Kinderschutzbund in diesem Jahr einen räumlichen Umzug im Bezirk.

Von Katharina Jäger

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