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In Celle und der Welt: Das sind die seltsamsten Weihnachtsbräuche

08:01 22.12.2020
Von Benjamin Behrens
Der größte Weihnachtsbaum der Welt, Dämonen, Essiggurken am Baum und das schwedische Luciafest – in der Welt gibt es einige kuriose Traditionen zum Fest.
Der größte Weihnachtsbaum der Welt, Dämonen, Essiggurken am Baum und das schwedische Luciafest – in der Welt gibt es einige kuriose Traditionen zum Fest. Quelle: Axel Heimken/dpa/Privat/Montage: Benjamin Behrens
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Celle

Kein Weihnachtsmarkt in der Altstadt, geschlossene Geschäfte und steigende Coronafälle – diese Jahr ist alles anders an den Feiertagen. Da geben liebgewonnene Rituale wie ein Adventskranz oder mit Lichterketten geschmückte Vorgärten Zuversicht.

Natürlich gibt es auch in anderen Ländern Bräuche zur Weihnachtszeit – und diese sind teilweise ganz schön kurios. Die zehn seltsamsten stellen wir hier vor. Nur soviel vorab: Verstecken Sie ihre Besen, schnüren Sie die Rollschuhe, essen Sie Grillhähnchen und hängen Sie Gurken in den Baum, dann wird Weihnachten richtig international.

Weihnachtskatze Jolakötturinn in Island und dreizehn Weihnachtszwerge

Weihnachtskatze Jolakötturinn geht der Sage nach in Island um.  Quelle: Patrick Pleul

Während bei uns Weihnachtsmann oder Christkind die Präsente bringen, rücken auf Island die Trollmutter Gryla, ihre dreizehn Söhne und die Weihnachtskatze Jolakötturinn den Menschen zu Leibe. Die dreizehn Weihnachtskobolde werden nach und nach während der Adventszeit freigelassen und stellen allerlei Unsinn in den Häusern der Menschen an. In der Weihnachtsnacht schickt Gryla dann ihre Katze los. Das riesengroße, mottenzerfressene und grausame Ungetüm ist extrem hungrig und mies gelaunt. Ihre Lieblingspeise: faule Menschen und unartige Kinder. Wer die Wolle der Schafe bis zum Herbst noch nicht gesponnen und zu Kleidung verarbeitet hat, gilt als besonders gefährdet. Deshalb wird in Island in der Weihnachtsnacht immer brandneue Kleidung getragen.

Der Krampus in Österreich und Co.

In Österreich und Süddeutschland bestraft der "Krampus" unartige Kinder. Krampus-Umzüge, bei denen ganze Gruppen um die besten Kostüme wetteifern, ziehen die gehörnten Krachmacher zur Weihnachtszeit durch die Städte und Dörfer. Quelle: Llorenzi (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Knecht Ruprecht ist ihnen nicht hart genug? Dann Obacht vor dem Krampus. Die Schreckgestalt begleitet den Nikolaus im Ostalpenraum. Im Süden Bayerns, Österreich, der Oberpfalz, Liechtenstein, Ungarn, Südtirol und einigen anderen Ländern ziehen die Schauergestalten durch die Straßen. In vielen Städten sind die Dämonenfiguren zusammen mit Weihnachtsengeln und Nikoläusen in Umzügen unterwegs, ähnlich dem Karneval. Dabei wetteifern die teilnehmenden Gruppen um die aufwendigsten Kostüme. Einen kleinen Eindruck gibt es zum Beispiel hier.

Japan isst an Heiligabend bei KFC

Auch wenn Christen in Japan zur Minderheit gehören, hat sich das Weihnachtsfest etabliert. Besonders beliebt als Festessen: Grillhähnchen von KFC. Quelle: Rolf Vennenbernd

Zwar machen Christen nur einen verschwindend geringen Teil der Bevölkerung Japans aus, dafür haben sie eine etwas seltsame Tradition in dem asiatischen Land etabliert. Das Fest ist ohnehin nicht sonderlich religiös betont. Festlich dekoriert wird dennoch, der 24. Dezember hat sich zum Fest der romantischen Liebe entwickelt. Was ein verliebtes Paar an Heiligabend isst? Frittierte Hühnchen. Die US-Hühnerrösterei Kentucky Fried Chicken (KFC) ist das Essen der Wahl. Die fettig-gehaltvolle Tradition hat ihren Ursprung in einer Werbekampagne aus den Siebzigern. Das Schnellrestaurant warb mit dem Slogan Kurisumasu ni wa Kentakkii , übersetzt "an Weihnachten KFC". Viele Familien und Paare strömen seit dem in die KFC-Läden. Die Idee zu der Werbung hatte übrigens ein KFC-Manager, der hörte, wie sich zwei Ausländer über das Fehlen ihres traditionellen Weihnachtstruthahns beklagten. Der Erfolg gab ihm Recht, der clevere Geschäftsmann stieg bis zum Chef bei KFC Japan auf.

Die kackende Krippenfigur in Katalonien

In Katalonien gehört ein Caganer (katalanisch für Scheißer) zu Krippe dazu. Die Krippenfigur stellt eine Person mit heruntergelassenen Hosen dar, die sich im Umfeld der Geburt Jesu erleichtert. Quelle: Benjamin Behrens

Darauf muss man erstmal kommen: Im katalanischen Kulturkreis gehört eine sehr eigenwillige Krippenfigur zum Fest. Sie stellt eine Person mit heruntergelassenen Hosen dar, die sich im Umfeld der Geburt Jesu erleichtert. Üblicherweise wird der Caganer unauffällig und abseits des Stalls mit der Heiligen Familie positioniert. Der Grund dafür, eine Figur, die offensichtlich ihren Darm entleert, in die Szene aufzunehmen, ist nicht bekannt. Sogar die nicht unbedingt als progressiv bekannte katholische Kirche akzeptiert die kleine Figur als Glücksbringer. Traditionell hat das Männchen in eindeutiger Position ein weißes Hemd, eine rote Mütze und schwarze Hosen an. In letzter Zeit kommen aber alle mögliche Varianten auf den Markt, die auch vor Prominenten nicht halt machen.

Andere Länder, andere Krippen

In Neapel gehören große und detaillierte Krippen zum Fest dazu. In der Küstenstadt ist eine ganze Straße den Krippenbauern gewidmet, die Via San Gregorio Armeno. Quelle: Benjamin Behrens

Und noch ein interessantes Brauchtum rund um Weihnachtskrippen. In vielen Ländern dekorieren Familien ihre Wohnzimmer mit der Darstellung der Geburt Christi im Stall. Neapel, die drittgrößte Stadt Italiens, gilt als das Mekka der Weihnachtskrippen. Dort erreichen die Dekorationen beachtliche Ausmaße und sind sogar wichtiger als der Weihnachtsbaum. Übrigens: Die Krippe, italienisch "il presepe", wird bereits am 8. Dezember aufgestellt. Das Jesuskind legen die Neapolitaner traditionell erst am Abend des 24. Dezembers dazu. Angefertigt werden die Kunstwerke von geschickten Handwerkern. Eine ganze Straße in Neapels Altstadt ist ihnen und ihren Werkstätten verschrieben, die Via San Gregorio Armeno.

Der schwimmende Baum von Rio und der größte Weihnachtsbaum der Welt

In diesem Corona-Jahr soll es keinen traditionell Riesen-Weihnachtsbaum von rund 40 Metern Höhe in der Dortmunder Innenstadt geben. Der Aufbau des aus bis zu 1600 Fichten zusammengesetzte Baum wurde abgebrochen. Quelle: Bernd Thissen

Während der Rest der Welt an Weihnachten auf stimmungsvollen Schneefall an Weihnachten hofft, ist den Brasilianer klar: Das wird nichts. Im Land des Zuckerhuts, Capoeira und des Karnevals ist an Weihnachten Sommer. Der Wintermantel bleibt zu Hause, dafür lassen sich die Einwohner Rios beim Weihnachtsbaum nicht lumpen. Im Hafenbecken wurde 2019 der größte schwimmende Weihnachtsbaum der Welt verankert. Der "Árvore de Natal" brachte es auf gigantische Dimensionen: 85 Meter Höhe und 3,3 Millionen Glühlampen sind die Kombination, die die treibende Tanne sogar ins Guiness-Buch der Rekorde brachte. Der nach Angaben der Veranstalter größte Weihnachtsbaum der Welt aus bis zu 1700 einzelnen Rotfichten aus dem Sauerland stand 2019 übrigens auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt. In diesem Jahr war im November mit dem Aufbau begonnen worden. Aufgrund der Coronapandemie wurde das traditionelle Projekt abgebrochen.

Donald Duck und Luciafest in Schweden

In Schweden wird am 13. Dezember das Luciafest gefeiert.  Quelle: Creative Commons Attribution 2.0 Fredik Magnusson

In der dunklen Weihnachtszeit feiern die Schweden das Luciafest. Die stimmungsvolle Feier ist der Heiligen Lucia gewidmet. Gefeiert wird am 13. Dezember. Das Luciafest gilt als Gegenstück zur Mittsommernacht, die in Schweden und anderen skandinavischen Ländern ebenfalls alljährlich gefeiert wird. Im Christentum ist der 13. Dezember der Namenstag der Heiligen Lucia, die dem Fest seinen Namen gab. Wichtigstes Element der Feier ist die Wahl einer Lucia, bei Familien üblicherweise die älteste Tochter. Sie trägt einen Lichterkranz auf dem Kopf und führt eine Prozession an, den Höhepunkt des Fests. Heißer Glögg, ähnlich dem Glühwein, und Safrangebäck gehören ebenfalls dazu. Während wir Deutschen an Weihnachten gerne "Der kleine Lord", "Kevin Allein Zuhaus" oder "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" im Fernsehen schauen, gucken die Schweden ein Donald-Duck-Weihnachtsspecial. Die Sendung um die cholerische Ente im Matrosenanzug wird seit 1959 Jahr für Jahr ausgestrahlt.

Venezuela: Weihnachten auf Rollschuhen

In Caracas fahren die Menschen traditionell mit Rollschuhen zum Weihnachtsgottesdienst.  Quelle: Robert Michael

In der Venezuelanischen Hauptstadt Caracas ist es seit Jahren Tradition, an Heiligabend mit Rollschuhen zum Gottesdienst zu fahren. Wirklich, das haben wir uns nicht ausgedacht. Der Trend wurde so populär, dass inzwischen die Polizei ganze Straßenzüge absperrt, um die Skater ungehindert passieren zu lassen.

Essiggurken am Baum

In Amerika wird ein Christbaumanhänger im Stil einer Essiggurke im Baum platziert. Quelle: Bernd Kohlmeier

In den USA gehört eine künstliche Essiggurke zur Weihnachtsbaumdeko. Lange hielt sich in Amerika die Legende, die Tradition gehe auf deutsche Einwanderer zurück. Der Irrglaube ist längst beseitigt, der grüne Gurken-Schmuck blieb.

Besen versteckt in Norwegen

In Norwegen gehen in der Weihnachtszeit angeblich Hexen um, die Besen stibitzen. Deshalb werden die Reinigungshelfer sorgsam versteckt. Quelle: Tobias Kleinschmidt

Wer am Weihnachtsabend in Norwegen zu Besuch ist, sollte nicht krümeln oder sonst etwas verschütten. Denn im ganzen Haus wird kein Besen zu finden sein. Die Erklärung: In der Weihnachtsnacht kommen Hexen und böse Geister, um die Besen zu stibitzen und darauf durch die Straßen zu reiten. Natürlich wird dann allerlei Schabernack angestellt. Wer den Ordnungshelfer unachtsam herumstehen lässt, findet ihn gerne mal im Nachbargarten oder auf dem Garagendach wieder. Deshalb werden die Besen sorgsam versteckt.