In Anlehnung an Hannover

Stadt Celle will Bäume besser schützen

Darum will die Stadt Celle künftig mehr Baumschutz - allerdings ohne Baumschutzssatzung wie in Hannover.

  • Von Michael Ende
  • 06. Okt. 2020 | 13:17 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 06. Okt. 2020 | 13:17 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Eine Baumschutzsatzung wie in Hannover – die will sich die Stadt Celle nicht leisten. Dafür plant die Verwaltung aber, die bestehende Vegetationsschutzsatzung zu erweitern, so dass künftig noch mehr Bäume davon profitieren können. Mit diesem Kompromiss will die Stadt den Grünen und der SPD entgegen kommen, die eine Baumschutzsatzung fordern. Die jedoch würde die Stadt viel zu teuer kommen, rechnet man im Rathaus vor.

Darum geht es

„Grundsätzlich sind alle Laubbäume mit einem Stammumfang von 60 Zentimetern und alle Nadelbäume mit einem Stammumfang von 80 Zentimetern, in einem Meter Höhe gemessen, geschützt", heißt es in der Landeshauptstadt. In Celle wird das anders gehandhabt. Hier sind bisher lediglich 917 Bäume und Landschaftsbestandteile geschützt, die auf besonderen Listen der Stadt geführt werden. Generelle Unterschutzstellungen wie in Hannover gibt es nicht. Nachdem die Grünen im Celler Rat die Überarbeitung der gültigen städtischen Vegetationsschutzsatzung im Sinne einer Verordnung zum Schutz von mehr Bäumen und Baumgruppen gefordert hatten, hatte die SPD beantragt, dass die Stadt Celle eine „Baumschutzsatzung nach Hannoveraner Vorbild“ entwickeln solle.

Andere haben Baumschutzsatzung abgeschafft

Die Baumschutzsatzung in Hannover sei sehr umfassend und stelle zum Beispiel auch Sträucher unter Schutz, so Grünbetriebs-Fachbereichsleiter Jens Hanssen. Dementsprechend hoch sei an der Leine der Personalaufwand für die Kontrolle und Bearbeitung der rund 4.500 Anträge im Jahr: fünf Mitarbeiter bei der Unteren Naturschutzbehörde." Braunschweig und Langenhagen hätten dagegen erst 2001 und 2002 ihre Baumschutzsatzungen abgeschafft : "Sie setzen wie wir in Celle auf die Eigenverantwortlichkeit der Bürger und sind wie Celle nicht für Kahlschlag oder fehlendes Stadtgrün bekannt."

Mehr Personal wäre erforderlich

Abhängig davon, was man im Rahmen einer neuen Regelung schützen wolle, schätze die Verwaltung den Mehraufwand bei einer Einführung einer flächendeckenden Baumschutzsatzung mit zwei zusätzlichen Stellen für die Auftragsbearbeitung und Kontrollen und plus einer halben Stelle für die Bearbeitung von Ordnungswidrigkeitsverfahren ein, so Hanssen: " Alles in allem ist die Verwaltung gegen die Einführung einer neuen Satzung und plädiert für die Aufrechterhaltung des bestehenden Vegetationsschutzes. " Er betonte, dass auch mit einer Baumschutzsatzung weitere Bäume gefällt würden könnten. Auch geschützte Bäume müssten weichen, wenn sie rechtmäßigen Planungen im Wege stünden, so Hanssen: "Wenn für zulässige Bauvorhaben Bäume gefällt werden müssen, dann ist das so." Eine Baumschutzsatzung würde dies nicht verhindern, sondern nur zusätzlichen Verwaltungsaufwand erzeugen. Und Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume seien bereits jetzt die Regel.

200.000 Euro Kosten?

Damit wollten sich SPD und Grüne nicht zufrieden geben. "Dann müssen wir im Haushaltsplan dafür halt neue Stellen ausweisen", sagte Juliane Schader (Grüne). Reinhold Wilhelms (SPD) sagte, dass man gewiss auch eine Baumschutzsatzung installieren könnte, ohne gleich ein bürokratisches Monstrum zu erschaffen. Christian Ceyp (CDU) rechnete vor, dass man durch die zusätzlichen Stellen auf Kosten von 150.000 Euro jährlich kommen würde, zu denen dann noch weitere Kosten kämen, so dass Celle für die Baumschutzsatzung pro Jahr 200.000 Euro zahlen müsste: "Wie viele Bäume könnten wir für dieses Geld pflanzen?"

Kompromissvorschlag wird erarbeitet

Der Umweltausschuss stimmte am Ende für einen Kompromissvorschlag von Hanssen: "Wir könnten die bestehende Vegetationsschutzsatzung auch dahingehend ändern, dass es auf noch mehr Baumschutz hinausläuft." Man wolle versuchen, Regeln zu entwickeln, mit denen auch SPD und Grüne zufrieden seien, so Stadtbaurat Ulrich Kinder: "Wir werden die inhaltlichen Anregungen der Antragsteller einarbeiten." Dieser Versuch einer modernisierten Satzung soll im Frühjahr präsentiert werden.