Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Im visuellen Gedächtnis des Volkes
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Im visuellen Gedächtnis des Volkes
12:59 13.06.2010
David Rubinger vor einer Fotografie von Paul Goldman
David Rubinger vor einer Fotografie von Paul Goldman Quelle: Aneka Schult
Celle Stadt

Als Höhepunkt der Ausstellungseröffnung „60 Jahre Pressefotografie aus Israel. Paul Goldman und David Rubinger“ in der Synagoge empfanden Sabine Maehnert, Leiterin des Stadtarchivs, und die Ausstellungsbesucher die Anwesenheit des Fotografen David Rubinger. Er war extra aus Jerusalem angereist.

In Israel, wo das Foto von David Ben-Gurion beim Kopfstand am Strand von Herzliya Kultstatus genießt, war sein Schöpfer Paul Goldman, der 1900 in Budapest geboren wurde, kaum bekannt. Mittlerweile gehören seine Arbeiten zu den Ikonen der Gründerjahre des Staates Israel, dank der Initiative seines Kollegen Rubinger. Er begab sich 1998 auf die Suche nach dem Nachlass des 1986 verstorbenen älteren Kollegen und wurde auf dem Dachboden der Tochter Paul Goldmans fündig. Durch das Engagement des Sammlers Spencer M. Partrich wurde die Archivierung von rund 40000 Negativen, ein Katalog und eine Ausstellungsserie, die 2004 in Tel Aviv ihren Auftakt feierte, schließlich ermöglicht. Menschen in Amerika, Fernost, Berlin und nun Celle können sich so ein eigenes Bild des Staates Israel machen. Gerade Goldman dokumentierte zwischen 1943 und 1961 den im Entstehen begriffenen jungen Staat, schuf Bilder, die heute Teil des visuellen Gedächtnisses Israels sind, wie die Berliner Kulturwissenschaftlerin Alexandra Nocke erklärte.

Rubinger, 1924 in Wien geboren, war 1939 nach Palästina emigriert, 1942 in die Britische Armee eingetreten und begann nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 als freiberuflicher Fotograf zu arbeiten, für lokale Medien, später für Magazine wie Time und Life. „Rubinger war immer mittendrin“, so Nocke. Sein 1967 nach der Eroberung der Altstadt von Jerusalem im Sechs-Tage-Krieg entstandenes Foto israelischer Soldaten, die ehrfürchtig an der Klagemauer stehen, zählt zu den berühmtesten Aufnahmen in der Geschichte der Kriegsfotografie. Rubinger dokumentierte aber nicht nur kriegerische Konflikte, sondern auch die große Politik und ihre Akteure. Er porträtierte politische Führer, Diplomaten und prominente Personen, ebenso wie „einfache“ Menschen. Sein Foto von einem palästinensischen Mädchen vor den Trümmern ihres Hauses drückt die Tragik, die stille, grenzenlose Trauer aus. Ohnmacht. Nicht nur das Haus – eine Welt ist zerstört. Mit Nocke sprach Rubinger über seine Liebe zu Israel, relativierte Illusionen und seine unermüdliche Kritik – auch und gerade gegenüber Israel. Sein Motto sei: „Die schlimmste Wahrheit ist besser als die schönste Lüge.“

-Öffnungszeiten: In der Synagoge, Im Kreise 24, bis zum 25. Oktober, dienstags bis donnerstags 10 bis 17 Uhr, freitags 9 bis 16 Uhr, sonntags 10 bis 17 Uhr.

Von Aneka Schult