Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt 31-Jähriger bezahlt Quarkbällchen mit Falschgeld
Celle Aus der Stadt Celle Stadt 31-Jähriger bezahlt Quarkbällchen mit Falschgeld
20:25 08.05.2019
Von Christian Link
Foto: Auch auf dem Wochenmarkt in der Altstadt haben die Betrüger wohl mit Falschgeld bezahlt. Zumindest hat die Polizei den Fingerabdruck eines Verdächtigen aus Celle darauf gefunden. Die Verkäuferin konnte vor Gericht allerdings nicht an den Mann erinnern.
Auch auf dem Wochenmarkt in der Altstadt haben die Betrüger wohl mit Falschgeld bezahlt. Zumindest hat die Polizei den Fingerabdruck eines Verdächtigen aus Celle darauf gefunden. Die Verkäuferin konnte vor Gericht allerdings nicht an den Mann erinnern. Quelle: Dagny Siebke
Anzeige
Celle

Die Beute: Zehn Quarkbällchen und Wechselgeld im Wert von 46,50 Euro. Das Amtsgericht hat den vielfach polizeibekannten Mann, der mittlerweile in Baden-Württemberg wohnt, deswegen nun zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Die Hintermänner, die das Falschgeld beschafft haben, kommen bis auf Weiteres ungestraft davon.

Geständnis führt zu Streit auf Angeklagtenbank

"Ich geb's zu, ich hab's getan. Aber das Geld habe ich von den Jungs bekommen", räumt Mario K. gleich zu Prozessbeginn ein. Er meint damit seinen Mitangeklagten Leonardo S. sowie dessen Freunde und Familienclan aus dem Celler Südkreis. Dieses Geständnis ist offenbar nicht mit dessen Rechtsanwalt abgesprochen, was zu einem Gerichtsdrama auf der Angeklagtenbank führt: Der erfahrene Strafrechtsexperte aus Hamburg und der Hauptangeklagte führen fortan eine Privatfehde – stellenweise schreien sie sich fast an. "Es sei ihm gegönnt, dass er hier als kleines Rädchen verurteilt wird", sagt der Rechtsanwalt später in seinem Plädoyer.

Zeugen erinnern sich an Mario K.

Die Beweislast gegen Mario K. ist erdrückend: Eine 22-jährige Verkäuferin erinnert sich an ihn und seine 50-Euro-Blüte, die er am Drive-in-Schalter von Burger King in Westercelle vorlegte. Auch ein 30-jähriger Verkäufer, bei dem K. im Real-Markt mit dem Falschgeld Brötchen erwerben wollte, identifiziert ihn als Täter. "Die Quarkbällchen waren sehr lecker", sagt K. süffisant zur geprellten Verkäuferin, die bei einem Bäcker im Real-Markt arbeitet. "Das freut mich. Die 50 Euro haben mir sehr wehgetan, da musste ich lange für arbeiten", erwidert die 50-Jährige, die den falschen Schein aus eigener Tasche ersetzen musste. Nach der Verurteilung wird sie das Geld endlich zurückbekommen.

Falsche Freunde terrorisierten Angeklagten

"Wir haben geguckt, wo nicht so viel kontrolliert wird. Bei Bäckereien und so", erläutert der Angeklagte die Betrugsmasche. Woher das Falschgeld kommt, hätten ihm die Jungs nie gesagt. "Ich war für sie nur der Knecht." Seine angeblichen Freunde – Leonardo, Chebo, Dogan, Peter & Co. – hätten ihn regelrecht terrorisiert, schildert der Berufskraftfahrer: "Ich bin abends nach Hause gekommen, da saßen 15 Jungs in meiner Wohnung und haben sich besoffen. Und wenn ich was gesagt habe, wurde gleich mit Schlägen gedroht."

Die Opferrolle ist dem stämmigen Mann, der 2013 nach Deutschland gekommen ist, zunächst schwer abzunehmen. Weil er sonst keinen Anschluss in Celle gefunden habe, sei er an die falschen Leute geraten. "Ich wollte einfach dazugehören", erklärt er vor Gericht. Inzwischen habe er sein kriminelles Umfeld hinter sich gelassen, einen festen Job und lebt mit Ehefrau und Kind zusammen. An seine Ex-Frau in Kroatien überweise er regelmäßig Unterhalt für zwei weitere Kinder.

Mitangeklagter wird freigesprochen

Sein Mitangeklagter Leonardo S., der mit Figur und Frisur an einen der muskelbepackten Spartaner aus dem Hollywood-Film "300" erinnert und schon wegen Körperverletzung belangt wurde, schweigt nur. Das Schöffengericht spricht ihn wegen Mangels an Beweisen frei. Sein Fingerabdruck, den das Labor des Landeskriminalamts auf einer gefälschten Geldnote nachgewiesen hat, reicht als einziges Indiz nicht aus. Dass der 21-jährige Celler seinem "Handlanger" die Scheine in die Hand drückte, ist nicht bewiesen.

Woher Mario K. die gefälschten Geldscheine hatte, bleibt also ungeklärt. Um die Strippenzieher und eigentlichen Geldfälscher zur Rechenschaft zu ziehen, müssen Staatsanwaltschaft und Polizei mehr liefern.

Benjamin Behrens 08.05.2019
Christian Link 08.05.2019
Svenja Gajek 08.05.2019