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Celle Stadt „Hildegard, sagen sie jetzt nichts“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Hildegard, sagen sie jetzt nichts“
13:17 13.06.2010
Die Nudel: Werner H. Schuster und Dagmar Hurtak-Beckmann.
Die Nudel: Werner H. Schuster und Dagmar Hurtak-Beckmann. Quelle: Jochen Quast
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Jan Bodinus hält, wie auch schon im ersten Teil von „Loriots dramatischen Werke“, die vor einem Jahr das Publikum begeisterten, streng am Original fest: Trocken, unübertrieben und mit dem unverwechselbaren Charme der 70-er Jahre zaubert er Loriots etwas zu heile Welt mit all ihren alltäglichen Pannen und misslungener Kommunikation auf die Hauptbühne. Die liebenswürdige Leichtigkeit, mit der das Spießbürgertum auf den Spieß genommen wird, bleibt mit der Musik der Comedian Harmonists selbst in den Umbaupausen erhalten.

Das feingezeichnete Sittengemälde deutscher Kulturgeschichte unterstreichen die kakeligen Kostüme von Andrea Göttert: Puffärmel, zu große Kragen, Riesenbrillen, Lockenköpfe und Schlaghosen sowie das angenehm zurückhaltende Bühnenbild (Odilia Baldszun) mit großgemusterten Retro­tapeten und spärlich eingesetzten Requisiten.

Aus der umfassenden Sammlung des Humoristen mit Sketchen und Cartoons aus 40 Jahren Fernsehgeschichte stellt Bodinus die fast perfekte Mischung zusammen: weniger bekannte Szenen („Der K 2000“, „Der Wähler fragt“), Klassiker („Die Jodelschule“, „Weihnacht“) und Wiederholungen aus Teil 1, die aber einfach dabei sein müssen („Die Inhalts­angabe“, „Herren im Bad“ und „Der sprechende Hund“. In letzterem brilliert Sara Wortmann. Schwer zu sagen, was dusseliger ist: das Hundekostüm oder ihr Blick, wenn Herrchen und Reporter über das nicht vorhandene Themenspektrum des Vierbeiners debattieren.

Einzig der Sketch mit der wandernden Nudel erweist sich als bühnenuntauglich – vor allem, weil sie nicht wandert. Im Vergleich zum TV-Sketch büßt sie erheblich an Witz ein. Das berühmte „Hildegard, sagen sie jetzt nichts“ und die schauspielerische Glanzleistung von Werner H. Schuster und Dagmar Hurtak-Beckmann sorgen dennoch für Lacher.

Während die Schauspielerin sich bei der zungenbrecherischen Ansage von Lord Hesketh-Fortescue in Nether Addlethorpe bis zum „Schlipth“ hangelt, bringt Schuster die Zuschauer in seiner Paraderolle, Opa Hoppenstedt, zum Grölen. Der Pedant Loriot hätte seine Freude an dem zittrigen, buckeligen Greis, der als rüstig-seniles Oberhaupt der Familie inmitten einer Politrunde zu hundert Prozent deplaziert ist. Unschlagbar aber: das Duo Schuster und Jan-Christof Kick als Herren im Bad.

Ob die Ente nun rein darf oder nicht, ist im Grunde genauso wie ein „rein zufällig“ weich gekochtes Ei oder ein korrekt gejodeltes „Du-dödel-Du“ Nebensache. Bei dem siebenköpfigen Team sitzen jede Betonung, jede Pause, jede Sprachmelodie.

Am Ende der Szenen dann der unschuldig-fragende Blick ins Publikum. Eine Antwort weiß es nicht. Dafür eins: Loriot bleibt unvergleichlich.

Von Silja Weißer