Anwohner sauer

Hier in Celle gibt es besonders viele Raser

Bislang hatten hauptsächlich Anwohner aus dem Landkreis sich über Raser beklagt. Doch auch in Klein Hehlen und Westercelle treten Fahrer aufs Gas.

  • Von Benjamin Behrens
  • 22. Sept. 2021 | 07:26 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 22. Sept. 2021 | 07:26 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Nachdem sich bislang eher entnervte Anwohner aus dem Landkreis mit ihrem Ärger über Raser und Verkehrslärm an die CZ gewandt hatten, reihen sich nun auch Anlieger aus Klein Hehlen und Westercelle ein in den Kreis der Lärm-Geplagten.

Die Yorckstraße ist eigentlich eine idyllische Wohngegend. Einfamilienhäuser, liebevoll gestaltete Vorgärten, viel Grün. Durchgangsverkehr braucht man im Grunde nicht zu fürchten, die Straße taugt schwerlich für Abkürzungen oder als Schleichweg. Trotzdem fühlt sich Anwohnerin Vanessa Dietert nicht wohl. "Wir wohnen in einer wunderschönen Ecke in Klein Hehlen und fühlen uns pudelwohl – wäre da nicht DIE Straße", sagt Dietert. Gemeint ist die Winsener Straße, die an die Grundstücksrückseite grenzt.

Motorenlärm bis in den Garten zu hören

Trotz der Bäume dazwischen ist durchgehend das Geräusch der passierenden Fahrzeuge zu hören. "Die Winsener Straße, Tempo-70-Zone, wird immer mehr von Lkw, Motorrädern und Treckern befahren. Zu Stoßzeiten hält man es im eigenen Garten nicht aus. Wir sind verzweifelt und wissen nicht weiter. Es ist eine absolute Zumutung."

Verwaltung sieht keine Chance zur Verkehrsberuhigung

Dietert hat sich mit ihrer Not an die Stadt Celle gewandt, mit der Bitte, eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Winsener Straße zu prüfen. Ohne Erfolg. "Nachfragen bei der Stadt werden mit folgenden Hinweisen abgewimmelt: 'Zur Anordnung einer Geschwindigkeitsbegrenzung ist nach StVO eine entsprechende Begründung, Unfallschwerpunkt, Lärmschutz, erforderlich, diese liegt hier nicht vor'", zitiert die Klein Hehlenerin die Antwort der Verwaltung.

Dietert ist enttäuscht. "Die Stadt darf das doch nicht einfach ignorieren! Es muss den Bürgern doch geholfen werden", wünscht sie sich.

Auch Anwohner in Westercelle ärgern sich über Raser

Ein schwacher Trost: Sie ist mit ihren Problemen nicht allein. Auch die Wilhelm-Hasselmann-Straße sei ein Schwerpunkt für zu schnelles Fahren, wie Anliegerin Claudia Suckut beobachtet hat.

"Es ist seit Jahren ein Problem an der Stelle. Ich hatte es auch schon bei Herrn Reinhold Wilhelms versucht", sagt Suckut. Doch Westercelles Ortsbürgermeister (SPD) habe ihr wenig Hoffnung auf eine Verkehrsberuhigung gemacht, so Suckut. Auch bei der Stadt und der Polizei habe sie auf die Situation aufmerksam gemacht. "Ich habe im Prinzip alle Register gezogen, das ist so weit durch", sagt Suckut ernüchtert. "Ab und zu stand ein Blitzer da, aber auch nichts Nachhaltiges. Zielführend wäre es, wenn man da vielleicht Straßenbarrieren aufstellt, aber das ist anscheinend nicht mehr opportun. Und dann müsste auch die Straße umgewidmet werden auf eine Spielstraße. Das wäre alles viel zu teuer. Das war so das Ergebnis."

Wilhelm-Hasselmann-Straße ist auch Schulweg

Vor allem, wenn Fußballspiele stattfänden, werde durch "die Straße geheizt". Generell sei an den Sportstätten ein Kommen und Gehen. "Die Straße verleitet auch zum Rasen. Es ist eine frustrierende Situation, es betrifft alle Anlieger. Man muss ja auch berücksichtigen: Es ist ein Schulweg."

Das sagen Stadtverwaltung und Polizei

Die Stadtverwaltung hat die Situation auf den genannten Straßen zwar im Blick – ist aber zumindest für die Winsener Straße nicht zuständig. "Hier gilt auf der freien Strecke eine Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 70. Einer Reduzierung auf Tempo 50 hat bisher die außerhalb der Ortsdurchfahrt zuständige Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr nicht zugestimmt", sagt Stadtsprecherin Myriam Meißner. "Es gibt immer mal wieder Beschwerden, eine Häufung gibt es nicht", so Meißner über die Verkehrslage auf der Winsener Straße. Für die Wilhelm-Hasselmann-Straße seien keine Beschwerden bekannt.

"Der Polizei sind diese beiden Straßen nicht als Hotspots für Raser bekannt. Beide Straßen befinden sich in unserem Messstellenverzeichnis und werden turnusmäßig vom Landkreis für Geschwindigkeitsmessungen 'bedient'", sagt Polizeisprecher Steffen Brümmer.